Entgendern nach Hermes Phettberg

    Bis das Arzty kommt!

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    Schultafel mit der Aufschrift Genderstern.
    Der Genderstern trifft noch immer auf Vorbehalte und Ablehnung. Eine mögliche Lösung könnte das "Entgendern nach Phettberg" sein. © picture alliance / blickwinkel / McPHOTO / C. Ohde
    Thomas Kronschläger im Gespräch mit Gabi Wuttke · 20.02.2021
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    Arzty, Kellny, Fahry – so könnten gendersensible Bezeichnungen für Ärzt*in, Kellner*in oder Fahrer*in auch lauten. Die Y-Form im Neutrum geht zurück auf den Aktionskünstler Hermes Phettberg. Für den Germanisten Thomas Kronschläger hat sie Vorteile.
    Wer sich mit dem Genderstern und der damit verbundenen Pause beim Sprechen schwertut, kann in Zukunft einfach die Endung –y an den Wortstamm einer Personenbezeichnung hängen, also Lesy statt Leser*in sagen oder schreiben. Der Germanist Thomas Kronschläger macht sich für diese Variante der gendersensiblen Sprache stark, weil sie "eine Form ist, die mündlich und schriftlich einfach zu verwenden ist, und wir dadurch, dass wir ent-gendern, alle Geschlechter mitansprechen können", wie er sagt.
    Diese Y-Form geht auf den österreichischen Aktionskünstler Hermes Phettberg zurück, der sie seit 1992 in seinen Kolumnen für das Wiener Stadtmagazin "Falter" verwendet. Den Anfang machte vor fast 30 Jahren "das Lesy". Ein aktuelleres Beispiel aus dem Jahr 2020 ist "das Engländy".

    Variante, die alles flüssiger macht

    Alle Personenbezeichnungen, die nach Phettberg entgendert werden, stehen im Neutrum, haben also den Artikel "das". "Ne utrum" bedeutet "keines von beiden", also weder das männliche noch das weibliche Geschlecht, wie Germanist Kronschläger erklärt. Weitere Beispiele wären das Fahry, das Kellny oder das Arzty. Und im Plural dann die Fahrys, die Kellnys, die Arztys.
    Kronschläger ist überzeugt davon, dass diese neue Variante der gendersensiblen Sprache "ein bisschen flüssiger funktioniert" und sie durchgängig verwendet werden kann. Dabei möchte er sie explizit als weitere Möglichkeit verstanden wissen. "Es ist nicht so, dass ich mich gegen irgendeine andere Form verwehre, ob Genderstern oder -unterstrich, all diese Formen haben durchaus ihre Meriten und ihre Geschichte und Tradition", sagt er.

    Alle Geschlechter einbeziehen

    Der Germanist verwende die Y-Form seit über drei Jahren sowohl privat als auch im akademischen Kontext und werde "auf jeden Fall verstanden", wie er sagt. "Ob die Bilder, die dabei entstehen, andere sind als die, wenn ich mit Stern oder Unterstrich spreche, das vermag ich kaum zu sagen. Ich glaube allerdings, dass klar markiert wird, alle Geschlechter miteinzubeziehen, indem ich keines der Geschlechter benenne."
    (ckr)
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