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Nachspiel | Beitrag vom 22.03.2020

Gemischte Jugendteams beim EishockeyMädchen erobern Eis – und Puck

Von Heinz Schindler

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Zwei Eishockey-Frauenteams stehen sich zu einem Face-off gegenüber. (Unsplash / Ethan McArthur)
Eishockey gilt als harter Sport. Mädchen, die damit anfangen, ernten noch immer häufig Erstaunen. (Unsplash / Ethan McArthur)

Eishockey gilt als harte Sportart – doch es kommt vor allem auf die Technik an. Schon in frühen Kindertagen geht's in die Laufschule. Kein Wunder, dass daran auch immer mehr Mädchen Gefallen finden.

Helm, Schläger, Handschuhe, Laufstil – wer den Nachwuchs beim Königsborner Jugendeishockeyclub spielen sieht, der bemerkt keinen Unterschied, ob da nun Mädchen oder Jungen unter der Montur stecken. Dabei sind etwa ein Drittel der 150 Mitglieder weiblich. Lina, Lilly, Ariana und Sinah sind vier von ihnen und erzählen, wie sie zum Eishockey kamen.

Eishockey für sich entdeckt

"Ich war auf einem Markt, da konnte man Eislaufen, und dann haben die mich auf Eishockey hingewiesen. Dann haben die uns einen Flyer gegeben."

"Dadurch, dass mein Papa auch Eishockey spielt, bin ich halt auch immer mit da hingekommen und habe mir das angeguckt. Sobald es passende Schlittschuhe gab, bin ich auch mit aufs Eis gegangen."

"Ich war in Unna in der Laufschule, da habe ich zu meinen Eltern gesagt, ich will das auch mal ausprobieren."

"Und dann hat meine Mutter mir Schlittschuhe gekauft und dann wollte ich das mal mit der Eishockeyausrüstung probieren. Dann habe ich das auch geschafft, jetzt macht es mir immer noch Spaß."

Oma ist begeistert

Dieser Spaß gab dann auch für Dirk Kimpel den Ausschlag, dem Drängen seiner Tochter nachzugeben und sie beim Eishockey anzumelden:

"Ich habe erstmal geschluckt. Wir haben uns auch ein, zwei Tage Bedenkzeit ausgenommen. Auch meine Frau hat dann gesagt, ihr seid komplett verrückt. Wir haben dann diese Probezeiten gemacht und da war selbst ihre Großmutter dabei und die hat dann gesagt: ‚Du gehst jetzt und kaufst sofort eine Ausrüstung!‘"

Mittlerweile ist seine ganze Familie eishockeybegeistert. Kimpel hatte vorübergehend sogar den Vorsitz des Vereins übernommen. Nachdem die Eishalle in Unna geschlossen wurde, ging es ihm darum, den Kindern ihre Eiszeiten zu erhalten. Das gelang im acht Kilometer entfernten Bergkamen.

Reaktionen im Freundeskreis

Da man so früh wie möglich mit der Laufschule beginnt, haben selbst zwölfjährige Spielerinnen schon sechs oder sieben Jahre Eiserfahrung. Doch so selbstverständlich es für die Mädchen ist, auf dem Eis zu stehen, so überrascht fallen immer noch die Reaktionen im Freundeskreis aus.

"Also erst kommt so ein komischer Blick rüber. Ja, weil die denken, Mädchen können nichts."

"Bei mir haben alle sehr komisch reagiert. 'Hä? Ein Mädchen und Eishockey? Passt nicht.'"

"Die fanden das cool und wollten auch mal zugucken kommen."

"Die gucken dann erstmal total blöd, weil ich halt ein Mädchen bin. Die denken, Mädchen können nichts, Mädchen sind schwach. Dann denke ich mir so: Nein! Ich spiele Eishockey, also heißt das, ich bin nicht schwach."

Selbstbewusstsein für den Alltag

Sicherlich braucht es Überwindung, wenn trainiert wird, wie man gegen die Bande fährt, ohne sich dabei weh zu tun. Bis zur Altersstufe U13 ist auch noch kein Körperkontakt im Spiel erlaubt. Dennoch macht der etwas raue Eishockeysport die Mädchen auch im "richtigen" Leben stark, meint Britta van Lossen, während ihre Kinder auf dem Eis stehen.

Das Eishockeyteam der Mädchen jubelt bei der Jugendolympiade 2020 in Lausanne. (Imago / GEPA Pictures / Christian Walgram)Immer mehr Mädchen sind erfolgreich im Eishockey - wie hier das Jugend-Olympia-Team um die österreichische Torhüterin Magdalena Luggin. (Imago / GEPA Pictures / Christian Walgram)

"Die Mädchen sind hier voll integriert, die laufen genauso schnell, die haben die Technik genauso drauf. Manchmal sind sie auch körperlich den Jungs angeglichen. Ich denke, das gibt schon sehr viel Selbstbewusstsein auch im normalen Leben. Wenn dann auch ein Mädchen mal sagen kann: ‚Du, pass' auf, ich spiele Eishockey, also, ich weiß, wovon ich rede.‘"

Unter sich sind die Mädchen beim Sichtungstraining des Landesverbandes, das alle vier Wochen stattfindet. In den Vereinen aber sind gemischte Mannschaften die Regel. Wobei die Relation zwischen Jungen und Mädchen in den jüngeren Jahrgängen immer ausgeglichener ist.

"Wir sind am Anfang unserer neuen Laufbahn in dieser neuen Halle und versuchen natürlich auch, demnächst gezielt auf Mädchen zuzugehen und die diesem Sport zuzuführen. Vielleicht einfach nur so ein Girls‘ Day auf dem Eis; dass wirklich nur Mädchen hier sind. Wenn die dann den Sport noch nicht kennen, damit sie keine Hemmungen haben brauchen, weil irgendwie Jungs dabei sind, die vermeintlich stärker sind. Die sollen sich hier mal mit dem Eishockey beschäftigen."

Frauenteam im Seniorenbereich

Das mag im Königsborner Jugendeishockeyclub auch deshalb ein wenig leichter fallen, weil das einzige Team im Seniorenbereich das der Frauen ist, vermutet Kimpel.

"Ich glaube schon, dass die Mädels auch sehen, was nach ihrer U11, U13-Sache im Endeffekt dann kommt. Man arbeitet dann auf etwas hinzu."

Denn die Damenmannschaft, die viertklassig in der Bezirksliga spielt, braucht früher oder später junge Kräfte, und der EC Bergkamen, mit dem sich die Königsborner die Halle teilen, spielt in der Frauen-Bundesliga.

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