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Interview / Archiv | Beitrag vom 01.10.2018

Gemeinschaftsschule oder Gymnasium?"Wir dürfen kein Talent liegenlassen"

Christian Füller im Gespräch mit Ute Welty

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Abiturientinnen des Mariengymnasiums Kaufbeuren (dpa / picture alliance / Karl-Josef Hildenbrand)
Abiturientinnen des Mariengymnasiums Kaufbeuren (dpa / picture alliance / Karl-Josef Hildenbrand)

Muss mein Kind aufs Gymnasium? Das fragt der Bildungsjournalist Christian Füller in seinem neuen Buch. Seine Antwort: nein. Denn inzwischen führten in Deutschland viele Wege zum Abitur. Und das sei auch gut so: "Wir brauchen so viele Hochqualifizierte wie möglich."

Gut die Hälfte eines Jahrgangs in Deutschland schließt inzwischen die Schule mit dem Abitur ab. Für viele ein Grund, über sinkendes Niveau an den Schulen zu klagen und über "Akademisierungswahn". Der Bildungsjournalist und Buchautor Christian Füller dagegen sieht darin eine positive Entwicklung.  

"Wir haben einen vollkommenen Wandel in der Industriestruktur, in der Wirtschaftsstruktur, wir brauchen heute so viele Hochqualifizierte, wie es nur geht", sagte Füller im Deutschlandfunk Kultur. "Das heißt nicht, dass jeder und jede das Abitur machen muss, aber wir können sozusagen kein Talent, keine Begabungsreserve liegenlassen."

Enormer Zulauf für die Gemeinschaftssschule

Als Motor dieser Entwicklung hin zu höheren Bildungsabschlüssen sieht Füller vor allem die Ausweitung der Schultypen, die den Abschluss Abitur anbieten. Diese Gemeinschaftsschulen, Gesamtschulen oder Stadtteilschulen hätten in den letzten zehn Jahren einen enormen Zulauf erfahren. "Um 300 Prozent - das ist phänomenal", betont der Autor des Buches "Muss mein Kind aufs Gymnasium?".

(privat)Christian Füller (privat)

Über diese Gemeinschaftsschulen würden mit der Zeit auch Abiturienten aus ganz neuen Schichten produziert: "Das wird total interessant – für Deutschland was völlig Neues, dass Bildungserfolg an alle Schichten abgegeben wird."

Insofern sieht Füller das "Ende der Fahnenstange" bei einer Abiturquote von 50 Prozent noch lange nicht erreicht. In Finnland etwa machten 70 Prozent der Schüler Abitur. "Und darauf werden wir auch hinsteuern."

Auch das Gymnasium wird weiterhin gebraucht

Das klassische Gymnasium hat für Füller dennoch weiterhin einen Platz in der Schullandschaft, zum Beispiel, indem dort die Möglichkeit geboten würde, bereits nach acht Jahren das Abitur zu machen. "Wenn man das so aufteilen würde, dass man sagt: Das G8 findet am Gymnasium statt und das G9 an der Gemeinschaftsschule – so wie in Berlin – dann hätte man eine schöne Aufteilung zwischen den beiden Schulen. Das ist ein toller Weg."

(uko)

Christian Füller: "Muss mein Kind aufs Gymnasium? Bildungserfolg ohne Druck"
Duden Verlag, Berlin 2018
240 Seiten, 18 Euro
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