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Weltzeit | Beitrag vom 02.07.2020

Geflüchtete in TunesienDie Toten von Zarzis

Von Florian Guckelsberger

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Ein kleines Grab mit Blume und Teddy auf dem "Friedhof des Unbekannten" (Florian Guckelsberger)
Ein kleines Grab auf dem "Friedhof des Unbekannten" - wer hier liegt, kann nicht alt geworden sein. (Florian Guckelsberger)

Die Abschottungspolitik der EU und der Krieg in Libyen führen dazu, dass immer mehr Menschen versuchen, über Tunesien nach Europa zu gelangen. Auch dies ein gefährlicher Weg. Die Fischer von Zarzis sind jetzt auch Totengräber für die Ertrunkenen.

Anfang Juni ertrinken vor der tunesischen Küste mehr als 60 Menschen bei dem Versuch, Italien zu erreichen. Wenige Tage später melden die Vereinten Nationen einen Rekord: Fast 80 Millionen Menschen sind mittlerweile auf der Flucht, ein Prozent der Weltbevölkerung.

Wie es ihnen dabei ergeht, hängt auch mit uns zusammen. Denn: Nicht erst seit dem Ausbruch der Pandemie versucht Europa sich abzuschotten. Betreibt eine Politik, die zusammen mit dem Krieg in Libyen mehr und mehr Migranten ins benachbarte Tunesien drängt. Die Hoffnung auf ein besseres Leben geben sie auch dort nicht auf – und so bergen tunesische Fischer immer wieder die Körper der Ertrunkenen. Den schlimmen Bildern trotzend, haben viele von ihnen eine Haltung entwickelt, die den Toten eine Würde verleiht, die sie im Leben nicht kannten.

"Was machst du hier, mein Kamerad? Ding, Ding
Wer brachte dich her durch bösen Verrat? Ding, Ding"

Der Zeigefinger von Mohsen Lihidheb rutscht Zeile für Zeile hinab, den Worten seines Gedichts folgend. Konzentriert, als würde er es zum ersten Mal aufsagen. Mit gesenktem Kopf, als zöge ihn das Erinnern an die Toten hinab.

"Ist das das Boot, das dich betrog? Ding, Ding
Oder war’s der Schlepper, der dich belog? Ding, Ding
Wie die Kinder in Mütters Armen ertranken. Ding, Ding
Europas Völker den Schleppern danken. Ding, Ding"

Ding, Ding. Das Geräusch, das den verdeckten Leichnam verrät. Knochen gegen Stein. Ein Schädel im Spiel der Brandung schlägt immer wieder gegen die Küstenfelsen, so entdeckt Mohsen die angespülte Leiche, der er dieses Gedicht widmet. Mamadou nennt er den Unbekannten. So nennt er all die toten Afrikaner, die er am Strand der südtunesischen Kleinstadt Zarzis findet.

Eine kaputte Puppe liegt auf einem Turnschuh, der im Museum des Meeres von der Decke hängt. (Florian Guckelsberger)Eine kaputte Puppe liegt auf einem Turnschuh, der im Museum des Meeres von der Decke hängt. (Florian Guckelsberger)

"Ich habe fast 6000 Schuhe gesammelt, Schuhe von Flüchtlingen. Manchmal haben ich darin Geld gefunden, das sie für die Ankunft in Lampedusa versteckt hatten", berichtet Mohsen Lihidheb. "Die hier gehörten einem kleinen Mädchen. Als ich die gefunden habe, hatte ich die Idee eine kleine Prozession zu organisieren. Ich habe die Schuhe an mein Auto gebunden, das Radio aufgedreht und bin hupend durch die Stadt gefahren. Genau wie bei einer Hochzeit. Alle haben geguckt. Am Ende bin ich im Museum angekommen und habe das kleine Mädchen symbolisch begraben. Mehr kann ich nicht tun."

Mohsen hat in Zarzis das "Museum des Meeres" aufgebaut. In ihm stellt er aus, was er am Strand aufliest: Schuhe und Flaschen, manche mit Briefen darin. Knochen, manche von Menschen. Er kennt den Tod. Von Zarzis starten die Boote mit den Flüchtenden, die auf ein besseres Leben in Europa hoffen. Und hierhin, an den Strand, spült das Mittelmeer die Körper der Ertrunkenen. Ihre Kleider und ihre Knochen, ganze und halbe Körper.

"Eigentlich sollte das Meer für Hoffnung und Zukunft stehen. Wie ein friedlicher Sonnenaufgang. Meer ist Leben und liefert alles zum Überleben. Wenn ich Probleme habe, fahre ich raus. Das Meer war immer der Raum für eine sehr schöne Zukunft."

Das Meer als letzte Hürde vor Europa

Aus Sicht vieler in Tunesien lebender Geflüchteter ist das Meer vor allem eins: Die letzte Hürde vor Europa. Zunehmend wagen Menschen von Tunesiens Ostküste aus die Überfahrt. Italien scheint nah. Umso näher, je größer die Verzweiflung. Lampedusa, Pantelleria und Sizilien sind in sechs Stunden mit einem Motorboot zu erreichen.

Eine gefährliche Reise. Zuletzt sinkt Anfang Juni ein mit 180 Menschen überladenes Boot. 61 Menschen ertrinken, nach Angaben der Küstenwache waren sie überwiegend aus Subsahara-Afrika nach Tunesien gekommen. Und die Zahl der Boote nimmt zu. Laut Vereinten Nationen stieg die Zahl der versuchten Überfahrten nach Italien bereits in den ersten vier Monaten 2020 um das anderthalbfache im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Ein Trend, der auch mit dem Krieg im nahen Libyen zusammenhängt.

"Der Konflikt in Libyen zwingt die Menschen zur Flucht und der einzige Ort, an den sie gelangen können, ist Tunesien. Hier werden sie aufgenommen. Zunehmend und je länger der Konflikt anhält, kommen so immer mehr Menschen", sagt Maghoub Mustafa Hassan. Er koordiniert in Südtunesien die Aktivitäten des UN-Flüchtlingshilfswerk.

In Zarzis hat das UNHCR bislang nur wenig Personal, als Hauptquartier dient ein einfaches Haus mit lediglich zwei Stockwerken. Noch gilt das nordafrikanische Land den Vereinten Nationen nicht als Hotspot der Migration. Doch das mag sich ändern. Etwa 3300 Geflüchtete und Asylsuchende registrierten die Vereinten Nationen 2019, über 150 Prozent mehr als im Vorjahr.

"Die Situation in Libyen und Tunesien ist eng miteinander verknüpft. Deshalb wappnen wir uns gemeinsam mit der Regierung für ein Szenario, in dem noch viel mehr Menschen nach Tunesien kommen", sagt Maghoub Mustafa Hassan.

Missbrauch und Gewalt in Libyen haben zuletzt immer mehr Geflüchtete dazu gedrängt in Tunesien Schutz zu suchen. Aber auch aus Libyen versuchen nach wie vor viele nach Europa zu gelangen. Immer wieder werden in Seenot geratene Menschen aus dem Mittelmeer gerettet. Derzeit wartet das Rettungsschiff "Ocean Viking" mit 180 Flüchtlingen aus Libyen an Board auf das Einlaufen in einen Hafen in Italien oder Malta. Warum dieser Fluchtweg trotz Bürgerkrieg und Misshandlungen nach wie vor gewählt wird, berichtet Anne Allmeling, Korrespondentin für die Region.

Bei Bir Fatnassia, weit entfernt von der Küste, könnte eine Zeltstadt für bis zu 50.000 Menschen entstehen. Menschen, die aus dem Sudan, Syrien, Eritrea, Somalia oder der Elfenbeinküste stammen und von denen viele eigentlich von Libyen aus nach Europa übersetzen wollten – bevor sie dort zwischen kämpfenden Milizen und geschlossenen EU-Außengrenzen zerrieben wurden und nach Tunesien flohen. Das kleine Land scheint zunächst als Ausweg, doch Maghoub Mustafa Hassan vom UNHCR weiß, wie hart das Leben für die Neuangekommenen auch hier ist.

Kaum Hoffnung für Geflüchtete in Tunesien

"Im Südtunesien gelingt es nur wenigen, zumindest saisonale Job zu ergattern. Sie helfen bei der Olivenernte, arbeiten in Hotels während der Sommermonate oder in den Fabriken der Region. Selbst Tunesier haben es schwer, Arbeit zu finden. Auf dem Markt gibt es für die Zugezogenen nichts zu holen."

Eine Erfahrung, die auch Salah Zakaria gemacht hat. Der 27-jährige Sudanese lebt in einer UN-Unterkunft im Hinterland von Zarzis. Inmitten eines Olivenhains dient ein alter Stall, umgebaut und renoviert, rund einem Dutzend junger Männer als Unterkunft. An der Wand ein buntes Graffiti, das scharf mit der öden Umgebung kontrastiert, davor ein vergoldeter Stuhl und eine verlassene Wasserpfeife.

"Manchmal bin ich gelangweilt, manchmal bin ich besorgt. Es gibt keinen Ausweg. Wie soll ich hier wegkommen? Ich habe kein Geld, ich habe keine Arbeit. Es gibt keinen Weg", sagt Salah Zakaria.

Still betrachtet der junge Mann eine Gänsefamilie, deren Schnattern die Stille durchschneidet. Schaut auf die Shirts, die in einem Olivenbaum gehängt, von der tunesischen Sonne mehr gebacken denn getrocknet werden. Ist es hier wirklich besser als in seiner Heimat?

"Das Leben im Sudan ist so hart. Selbst wenn man einen Abschluss hat, findet man einfach keine Arbeit, es gibt keine guten Jobs. Es gibt so viele Menschen die nach der Universität arbeitslos sind, selbst jetzt."

In Libyen wurde es zu gefährlich

Salah hatte große Pläne. Er besucht die Schule, dann die Universität. Plante, Ingenieur zu werden. Doch seiner Familie ging das Geld aus und so musste der Junge zurück zu seiner Familie ziehen, Arbeit finden. Er scheitert und erinnert sich an die Geschichten vom guten Leben in Europa. Und so zieht er los, schlägt sich durch den Tschad bis nach Libyen durch. Dort, an der Mittelmeerküste des Landes, nicht weit von Tunesien, lebt Salah einige Monate. Dann wird es zu gefährlich.

"Die Leute kämpfen miteinander. Man hört das Gewehrfeuer, jeden Tag. Oder Granaten. Jeden Tag. In Libyen wird immer geschossen. Auf dem Weg zum Markt kann es sein, dass sie einen erwischen und bestrafen, mit ihren Stöcken oder ihren Gewehren."

Tunesien ist klein und so ist auch hier, im Süden, die moderne und vielversprechende Hauptstadt Tunis nicht weit weg. Doch wer durch das Hinterland von Zarzis fährt, der wähnt sich in einem anderen Land. Die Straßen zu den Städten Medenin und Tataouine sind gesäumt mit Zapfstellen, an denen geschmuggeltes Benzin verkauft wird.

Davor, danach und eigentlich auch dazwischen: immer wieder kleine Kaffeehäuser, deren Stühle gut besetzt sind. Neugierige Blicke folgen Vorbeifahrenden, die das Glück haben, mit einem Ziel durch den Tag zu steuern. Es gucken junge Männer, die auch an Wochentagen nicht in Büro oder Fabrik erwartet werden.

Mehr als ein Drittel der 15- bis 24-jährigen Tunesier ist arbeitslos, in ländlichen Gebieten sind es oft noch mehr. In Zarzis, wo Salah seine Weiterreise plant und Mohsen nach Treibgut für sein Museum sucht, da haben sie wenigstens die Touristen.

Das nahe Djerba mit seinen stadtteilgroßen Hotelanlagen ist bei europäischen Pauschaltouristen derart beliebt, dass viele Tunesier deutsch sprechen. Die Interessierteren unter den Gästen fahren mit dem Mietwagen nach Zarzis. Weiße Häuser, Sand, ein Hafen mit Fischerbooten und Tagesfang auf den Speisekarten. Hinter der Küstenstraße gibt es einen Ort, der viel über Zarzis erzählt und den dennoch kaum ein Gast je besucht: den "Friedhof des Unbekannten".

Fast 400 Gräber auf dem "Friedhof des Unbekannten"

"Das ist Rosemary. Sie ist die einzige, die einen Namen hat. Am 27. Mai 2017 ist sie gestorben und das Boot wurde einen Tag später gerettet. Sie war tot an Bord", erzählt Chamseddine Marzoug. "Das Boot kam aus Libyen, aus Suara. Ihr Mann war ebenfalls an Bord. Deshalb wissen wir, dass sie Rosemary heißt und 28 Jahre alt ist. Dieses Mädchen ist bekannt, der Rest nicht. Es sind fast 400 Gräber hier."

Chamseddine Marzoug steht in einer Brachlandschaft, die zunächst keine Ordnung zu kennen scheint. Dann bleibt das suchende Auge an kleinen Erdhügeln hängen, darauf vereinzelt Blumen, Bauklötze, Spielzeugautos. Hier, Kilometer von der Küste entfernt, hat der tunesische Fischer den "Friedhof des Unbekannten" geschaffen. Hier begräbt er die Toten, die das Meer an den Strand von Zarzis getragen hat.

Porträt des Fischers Chamseddine Marzoug (Florian Guckelsberger)Auf dem Meer begegnet der Fischer Chamseddine Marzoug vielen Toten. (Florian Guckelsberger)

"Das geht hier schon seit 2003, 2004 so. Als Gaddafi Europa gedroht hat, es mit Geflüchteten zu überschwemmen. Nicht erst seit jetzt, aber seit der Revolution 2011 ist es mehr geworden. Wenn ich auf das Meer zwischen Tunesien und Libyen fahre, finde ich nur Tote. Immer. Manchmal kannst Du nicht arbeiten, weil Du so viel Tod siehst."

Chamseddine ist nicht mehr nur Fischer, sondern auch Totengräber. Und so rufen sie ihn, wenn am Strand wieder eine Leiche gefunden wird. Die Internationale Organisation für Migration schätzt, dass in der ersten Jahreshälfte 2020 rund 350 Menschen im Mittelmeer ertrunken sind – das Bootsunglück im Juni noch nicht eingerechnet. Die meisten Unfälle werden im zentralen Mittelmeer verzeichnet, vor den Küsten Tunesiens und Libyens, in den Fanggründen der Fischer von Zarzis.

Beamte reagieren behäbig auf Notrufe

"Die Fahrt von Libyen aus ist riskant. Da wird einfach ignoriert, ob auf ein Boot nur 20 Leute passen – da lädt man doch nicht 40 Menschen drauf. Aber es geht diesen kriminellen Milizen nur ums Geld. Früher gab es Holzboote, heute sind es nur noch Schlauchboote, zehn Meter, zwölf Meter mit 90 Personen. Wie soll das gehen?", fragt Chamseddine Marzoug.

Fragen, die sich auch Hela Kanakane stellt. Die Studentin lebt in der Hauptstadt Tunis und engagiert sich bei Watch The Med Alarm Phone. Einer NGO, die eine Hotline für in Seenot geratene Menschen betreibt. Keine einfache Aufgabe.

"Wir nehmen ein Telefonat entgegen und versuchen erst einmal, alle nötigen Informationen abzufragen. Dann rufen wir die Behörden an, senden ihnen E-Mails. Manchmal ist es richtig hart. Wenn du weißt, dass Menschen seit Stunden hilflos über das Meer treiben und auf Hilfe warten. Sie stellen Fragen, weinen, manchmal sind sie aber auch ganz ruhig."

Die Dringlichkeit dieser Situationen scheint bei den Behörden nicht immer anzukommen. Die Aktivisten machen oft die Erfahrung, dass Beamte in allen Ländern des Mittelmeers behäbig auf eingehende Notrufe reagieren.

"In der Vergangenheit haben wir gesehen, dass die Behörden nicht immer schnell reagieren. Alarm Phone ist quasi eine Art Vermittler zwischen den Menschen in Seenot und den staatlichen Autoritäten. Denn manchmal, aus welchen Gründen auch immer, beeilen sich die Behörden nicht gerade, wenn es um die Rettung geht. Wir erinnern sie daran, dass das ihre Aufgabe ist."

Doch Hela berichtet noch von einer anderen Entwicklung: Zunehmend zieht es auch Tunesier selbst nach Europa. Laut UNHCR kamen im vergangenen Jahr rund 100.000 Migranten und Asylsuchende in die EU, Tunesien war der Statistik zufolge das sechshäufigste Herkunftsland. In Italien stellten Tunesier das mit Abstand größte Kontingent. Selbst studierte Tunesier haben es schwer, einen guten Job zu finden. Die Menschen klagen über Korruption, Inflation und haben ein Jahrzehnt nach der Revolution zu oft das Gefühl, nicht gehört zu werden.

"Ich komme aus einem Land, in dem Migration und die Reise mit dem Boot normal ist. Das ist Alltag. Manchmal gehen Familienmitglieder, manchmal Freunde. Ich weiß, dass viele meiner Nachbarn das Boot genommen haben. Es ist nicht so, dass es mir egal ist oder es mich nicht kümmert, aber man gewöhnt sich daran", sagt Hela Kanakane.

Skeptisch gegenüber europäischer Abschottungspolitik

Eine Oxfam-Studie aus dem Januar kommt zu dem Ergebnis, das EU-Hilfsgelder zunehmend daran geknüpft zu werden scheinen, wie offen Empfängerländer etwa für Abschiebungen sind. Zwischen 2015 und 2019 habe Brüssel mehr als eine Milliarde Euro für Projekte beigestellt, die sich mit Migration und Rückführung beschäftigen, so Oxfam.

Italien und Tunesien haben darüberhinaus ein bilaterales Rückführungsabkommen geschlossen. Bis mindestens 2016 wurden so Tunesier von Rom via Palermo und Lampedusa auf den Flughafen Enfidha-Hammamet abgeschoben. Kann eine solche Abschottung gelingen? Hela Kanakane von Alarm Phone ist skeptisch.

"Man versucht sein Glück. Sie haben ja nichts zu verlieren und sagen: Das ist meine letzte Chance. Ob es nun klappt oder nicht, ich muss es zumindest versuchen. Selbst die, die abgeschoben werden, versuchen es erneut. Und nochmal. Und nochmal."

Auch Chamseddine Marzoug glaubt nicht, dass sich Europa einfach seiner Verantwortung entziehen kann. Denn so viele Menschen er auf seinem "Friedhof des Unbekannten" in Zarzis auch begraben hat, er weiß aus erster Hand, wie stark Europas Anziehungskraft ist: Seine beiden Söhne leben mittlerweile dort. Nachts haben sie sich aus dem Haus ihres Vaters geschlichen und sind in eines der Boote gestiegen.

"Das Problem mit der Migration ist wie ein Virus, wie eine Krankheit. Alle wollen nur noch nach Europa. Die Jungen sagen, in Europa gibt es Demokratie, es gibt Menschenrechte, Hilfe und was zum Essen. Aber hier gibt es nichts. Das ist der Unterschied", sagt Chamseddine Marzoug.

Er steht jetzt vor einem der Gräber. Es ist nur ein kleiner Hügel, wer hier begraben liegt, kann nicht alt geworden sein.

"Das ist ein kleines Kind. Der Autopsiebericht sagt, es sei fünf Jahre alt gewesen."

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