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Kompressor | Beitrag vom 10.04.2019

Gamesweek 2019Der spröde Charme deutscher Spiele

Markus Richter im Gespräch mit Gesa Ufer

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Eine Besucherin spielt am 8. April 2019 auf der «Gamesweekberlin» 2019 ein Computerspiel an einem Mario-Kart-Spielsimulator. Das internationale Netzwerk-Treffen der Spiele-Industrie findet vom 8. April bis 14. April in der Kulturbrauerei statt.  (picture alliance/dpa/Monika Skolimowska/ZB)
Der Mario-Kart-Simulator ist bei den Besuchern der Gamesweek beliebt. Der deutsche Games-Markt hat noch viel Luft nach oben, meint Markus Richter. (picture alliance/dpa/Monika Skolimowska/ZB)

Deutsche Games haben den Anschluss an die Weltklasse noch nicht geschafft. Die Spielemesse "Gamesweek" in Berlin zeige, dass die Branche hierzulande noch immer zu behäbig sei und allenfalls in Nischen punkten könne, sagt Game-Experte Markus Richter.

Das Computergame des Jahres - frisch gekürt auf der Gamesweek 2019 in Berlin - ist eine Mischung aus analog und digital. "Trüberbrook" hat aufwendige und liebevoll handwerklich hergestellte Kulissen zu bieten, die abgefilmt und anschließend in das Computerspiel eingebettet wurden. Die Story des Mystery-Adventuregames liest sich wie eine Reise durch "Twin Peeks" und "Akte X".

Schauplatz ist das abgelegene Luftkurörtchen Trüberbrook in der süddeutschen Provinz in den späten 1960er-Jahren. Der Spieler schlüpft in die Rolle des jungen amerikanischen Physikers Tannhauser, der nach Trüberbrook gekommen ist, um eine lästige Denkblockade zu lösen – und am Ende vielleicht die Welt zu retten. 

Markus Richter, Journalist und Games-Experte, findet es ein wenig problematisch, dass "Trüberbrook" den Preis speziell für die beste Inszenierung bekommen habe. Das Spiel sei nicht schlecht - aber doch "eher behäbig". Handwerklich zwar "sehr detailverliebt", aber bei weitem kein kulturelles Leuchtturmprojekt, das auf Jahre die Gesellschaft prägen werde.

Bundesregierung will Branche fördern 

Andererseits, so Richter, sei es wohl bezeichnend für die deutsche Spielebranche, dass eben ausgerechnet ein eher betulich daherkommendes Spiel den Preis gewonnen habe. International könnten deutsche Spiele nach Meinung der Fachleute, die sich auf einer zweitägigen Konferenz im Rahmen der Gamesweek austauschten, einfach noch nicht mithalten. Richter: "Wenn deutsche Spiele international erfolgreich sind, dann ist es in einer Nische. Das ist so ein bisschen spröder Charme, der da verströmt wird." 

Hier und da sieht Richter jedoch auch herausragende kreative Köpfe: Einzelkämpfer mit hoher Produktivität wie etwa Philipp Stollenmayer, der für das mobile Rätselspiel "See/Saw" ausgezeichnet wurde.

Um der deutschen Spielebranche etwas auf die Beine zu helfen, hat Andreas Scheuer, als Bundesverkehrsminister auch für digitale Infrastruktur zuständig, 50 Millionen Euro Förderung in Aussicht gestellt.


(mkn)

Gamesweek 2019, noch bis zum 14. April 2019 in Berlin in der Kulturbrauerei.

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