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Studio 9 | Beitrag vom 03.07.2019

"Game of Thrones"-Tourismus an der AdriaBesucher überrennen Dubrovnik

Von Sabine Adler

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(Deutschlandradio / Sabine Adler)
Die Jesuitentreppe in Dubrovnik - besser bekannt als "Staircase of Shame" aus der TV-Serie "Game of Thrones". Täglich strömen Tausende von Touristen über die Stufen. (Deutschlandradio / Sabine Adler)

Die kroatische Adria-Stadt Dubrovnik ist wunderschön. Für die Bewohner wird dies zum Fluch: Da in der Altstadt "Game of Thrones" gedreht wurde, überfluten Tausende Fans der Serie die Gassen. Der Bürgermeister will nicht mehr alle in die Stadt lassen.

Ein Touristenmagnet ist Dubrovnik schon lange, doch seitdem in der malerischen Stadt aus weißem Sandstein "Game of Thrones" gedreht wurde, eine der erfolgreichsten Fantasy-TV-Serien, ist die Zahl der Besucher nochmal um ein Drittel angestiegen. Die Fans wollen die Film-Schauplätze sehen, vor allem die staircase of shame, die die Königinmutter Cersei Lannister hinabsteigen musste, um in den Gassen von King's Landing Buße zu tun.

Auf der geschwungenen Jesuitentreppe herrscht Hochbetrieb. Ein amerikanisches Ehepaar um die 50 steht auf den Stufen und schaut ein bisschen unschlüssig um sich.
 
"Wir haben gerade überlegt, ob das die Treppe ist, auf der die Königin den Gang der Schande absolvieren musste. Der Platz kam uns bekannt vor, aber wir waren unsicher. Mein Mann hat die Serie mehrmals gesehen. Aber trotzdem war das nicht der alleinige Grund, weshalb wir hier sind."

Touristen posieren nackt

Oleg aus Russland, der einen Yachturlaub macht, fotografiert schnell noch seine Freundin und erzählt, dass sie den Platz sofort erkannt haben. Heute bewegen sich alle gesittet in der historischen Altstadt, weiß Gabriela Lucic, die Stadtführerin, aber mitunter fielen Touristen aus der Rolle.

"Bei uns macht man einfach keine Nacktfotos vor Kirchen, in Kirchen, neben Kirchen. Wer Dubrovnik kennt und wer die Serie kennt, der wird auch sehen, das ist das. Und, tja, dann kommen unsere Gäste hierher und ziehen sich auch nackt aus und gehen dann auch das eine und andere Mal nackt die Stufen runter."

Noch sind alle Besucher bekleidet. Gleich beginnt die Jagd nach Souvenirs.
Gabriela Lucic: "Jetzt ist auch die letzte Staffel am Spielen, sodass wir hoffen, dass das noch ein paar Jahre anhalten wird."
"Das klingt ein bisschen so, als wären Sie nicht dagegen, dass viele Touristen kommen?"
"Überhaupt nicht. Wenn sie in Ruhe kommen und wenn sie wirklich gucken, wie schön es bei uns ist, dann ist wirklich jeder Gast bei uns herzlich willkommen."

1,4 Millionen Touristen pro Jahr kommen auf 42.000 Einwohner

Auf die 42.000 Einwohner in Dubrovnik kommen im Jahr 800.000 Schiffs- und 600.000 Bus-Gäste, im August bewegen sich 27.000 Besucher pro Tag durch die Stadt. Dubrovniks Bürgermeister, Mato Frankovic, hat seinen High School-Abschluss in den USA gemacht, ist 37 Jahre alt und seit er 18 ist in der Politik. Auch er möchte nicht, dass weniger Gäste kommen, sondern will die vielen besser verteilen.

"2020 wollen wir, dass sich maximal 4000 Schiffspassagiere gleichzeitig in der Stadt aufhalten, nicht mehr. Das wäre eine perfekte Lösung für die Stadt", sagt er.

Romana Vlasic vom Tourismus-Verband erklärt, wie die Besucherströme kanalisiert werden sollen: "Die Kreuzfahrtschiffe sind kein großes Problem, denn wir kennen die Passierzahlen und Liegezeiten. Wir können zum Beispiel am Morgen und dann nochmal am Nachmittag 4000 bis 5000 Passagiere in der Stadt haben, aber eben nicht zur gleichen Zeit. 8000 oder 10.000 auf einmal in der Altstadt sind kein Vergnügen mehr."

Wohnraum wird knapp - alles wird für Besucher freigeräumt

Junge Leute finden in Dubrovnik kaum noch Wohnungen. Ein hausgemachtes Problem, denn zu den 125.000 Hotelbetten werden in den Sommermonaten 20.000 Privatunterkünfte für die Touristen freigeräumt. 70 Prozent der Souvenirstände mussten weichen, ein Drittel der Restaurantplätze, denn es war kein Durchkommen mehr. Dubrovnik solle nicht vom Geld beherrscht werden, deswegen geht es selbst den Automaten an den Kragen.

"Innerhalb eines Jahres sind über 30 Geldautomaten dazu gekommen. Alle haben Licht, Reklame und alle sind sehr laut. Wenn diese Automaten um ein Uhr nachts losgehen, ist das wie Glockengeläut. Wir wollen auch das verbieten."

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