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Im Gespräch | Beitrag vom 22.09.2021

Galeristin und Kunstsammlerin Helga de Alvear"Ich muss mich in ein Werk verlieben"

Moderation: Tim Wiese

Eine ältere Frau mit kurzen Haaren steht in einem Museum vor einem Kunstwerk und lächelt in die Kamera. (Luis Asín)
Die Stadt Cáceres war die einzige, die ihre Kunstwerke haben wollte, sagt Helga de Alvear. Jetzt sei das Museum jeden Tag voll. (Luis Asín)

Nach langer Suche hat die Kunstsammlerin Helga de Alvear einen Ort für ihre 3000 Werke gefunden: im spanischen Cáceres. 1957 kam die inzwischen 85-Jährige nach Spanien und blieb wegen der Liebe. Mit dem Museum verwirklicht sie ihren Traum.

Als Jugendliche wollte Helga de Alvear eigentlich mal Pianistin werden. Das gefiel nur leider ihrem Vater nicht: "Das ist eine brotlose Kunst." Es folgte ein großes Interesse für Sprachen, dass sie erst nach London, dann in die Schweiz und schließlich nach Spanien führte. In Madrid lernte sie ihren Mann kennen, den Architekten Jaime de Alvear.

Sie blieb im Land, bekam drei Kinder und war zunächst Hausfrau, was sie allerdings nicht ausreichend erfüllte, wie sie bald feststellte: "Ich war sehr krank", sagt sie, erst eine dreijährige Therapie habe ihr helfen können, und die Besinnung auf die eigene Tatkraft. 

Galeristin aus Leidenschaft

Mit Mann und Kindern hatte sie sich schon immer gerne Kunst angeschaut: "Wir waren jeden Sonntagmorgen im Prado." Ein tiefer gehendes Kunstinteresse begann mit der Anfrage einer Galeristin, ob sie in deren Galerie aushelfen könne. Das war 1979, Helga de Alvear war 43 Jahre alt und lebte bereits seit 22 Jahren in Spanien. Seitdem hat die Kunst sie nie wieder losgelassen.

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Neben der Arbeit in der Galerie, die sie vor etlichen Jahren von der inzwischen verstorbenen Besitzerin übernommen hat, begann sie bald selbst Kunst zu sammeln. Als Kaufkriterium gilt für sie nicht etwa der Wiederverkaufswert: "Dadurch, dass ich Galeristin bin, haben alle gedacht, sie kauft das nur, um das später teurer zu verkaufen. Aber das habe ich nie gemacht, weil ich nie Kunst gekauft habe, um das wieder zu verkaufen. Ich muss mich in das Bild oder in die Arbeit oder in die Skulptur oder den Film verlieben." 

Von der Lagerhalle ins Museum

Dass die Werke aus de Alvears Sammlung in Cáceres einen Platz gefunden haben, wo gerade ein neuer Anbau des Museums eröffnet wurde, ist für die Sammlerin ein großes Glück: "Ich habe in Madrid vier Lager, da habe ich immer ein größeres gekauft und ein größeres." Doch findet sie es schade, wenn Kunst nur im Lager steht und nicht gesehen wird. Warum die Wahl ausgerechnet auf die Stadt in der Extremadura fiel? "Das waren die Einzigen, die sich dafür interessiert haben. Jetzt bin ich natürlich glücklich, dass das jetzt endlich eingeweiht ist – und es ist jeden Tag voll." 

Kunststofferbin investiert in Kunstwerke

Im Eingangsbereich begrüßt die Besucher eine große Arbeit von Ai Weiwei - die lange auf einen Raum gewartet habe: "Sie war 20 Jahre eingesperrt." Die Raumgröße und Deckenhöhe wurden speziell an die Kunstwerke angepasst. Zu sehen sind Werke zahlreicher angesehener Künstler:innen wie Anish Kapoor, Paul Klee, Jenny Holzer oder Roy Lichtenstein. De Alvears Sammlung gilt als eine der bedeutendsten unserer Zeit.

Das Geld, um diese Sammlung aufzubauen, stammt aus dem Erbe ihrer Familie, die mit den Rheinischen Kunststoffwerken reich geworden ist. Und von diesem Geld scheint auch noch einiges übrig zu sein – so konnte sie den Museumsanbau finanziell unterstützen und kürzlich erst eine Arbeit im Wert von zwei Millionen Euro erwerben, eine Stahlskulptur von Richard Serra: "Ein Superluxus – das habe ich noch nie für eine Arbeit gezahlt."

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