Seit 15:05 Uhr Tonart
Mittwoch, 28.10.2020
 
Seit 15:05 Uhr Tonart

Aktuell / Archiv | Beitrag vom 09.10.2017

Für Roman "Die Hauptstadt"Robert Menasse erhält den Deutschen Buchpreis

Der österreichische Autor Robert Menasse blickt bei einer Lesung in die Kamera. (dpa/ Arne Dedert)
Der österreichische Autor Robert Menasse hat mit seinem Roman "Die Hauptstadt" den Deutschen Buchpreis gewonnen. (dpa/ Arne Dedert)

Der Deutsche Buchpreis 2017 geht an den Schriftsteller Robert Menasse - für seinen Roman "Die Hauptstadt". Die Begründung der Jury der bedeutenden Auszeichnung: Dem Österreicher sei es gelungen, einen europäischen Roman zu schreiben, der in der Tradition Balzacs steht.

Der österreichische Autor Robert Menasse erhält den Deutschen Buchpreis 2017. Sein Roman "Die Hauptstadt" mache "unmissverständlich klar: Die Ökonomie allein, sie wird uns keine friedliche Zukunft sichern können", erklärte die siebenköpfige Jury in ihrer Begründung. 

"Das Humane ist immer erstrebenswert, niemals zuverlässig gegeben: Dass dies auch auf die Europäische Union zutrifft", zeige Menasse mit seinem Buch auf eindringliche Weise. "Die, die dieses Friedensprojekt Europa unterhöhlen, sie sitzen unter uns", heißt es in der Begründung weiter. Dramaturgisch gekonnt grabe Menasse "leichthändig in den Tiefenschichten jener Welt, die wir die unsere nennen".

Mit Robert Menasse hat am Abend der Preisverleihung Eckhard Roelcke gesprochen. Hier hören Sie das Gespräch mit dem Preisträger des Deutschen Buchpreises 2017:

Kritischer und ironischer Roman über Europa

Robert Menasse zählt zu den wichtigsten zeitgenössischen Autoren Österreichs und gilt als leidenschaftlicher Anhänger eines supranationalen Europas. Sein Buch, ein ironischer Gesellschaftsroman mit Krimi-Elementen, spielt in Brüssel und setzt sich mit der EU-Bürokratie auseinander. Dafür recherchierte Menasse vor Ort in Brüssel. 

Am Beispiel zahlreicher Figuren und Erzählstränge entwirft er ein schillerndes Panorama der europäischen Eliten. Hauptfigur ist Fenia Xenopoulou, Beamtin in der Generaldirektion Kultur der Europäischen Kommission, die den Auftrag erhält, eine Image-Kampagne zu entwickeln, die den Ruf der Europäischen Kommission retten soll. Und auch die Arbeit von Kommissar Brunfaut steht im Schatten der Politik. Aus politischen Gründen soll er einen Mordfall auf sich beruhen lassen.

Die Jury würdigte das Buch des 63-jährigen Österreichers als "vielschichtigen Text, der auf meisterhafte Weise existenzielle Fragen des Privaten und des Politischen miteinander verwebt und den Leser ins Offene entlässt".

Neben Menasse standen auch Gerhard Falkner, Franzobel, Thomas Lehr, Marion Poschmann und Sasha Marianna Salzmann auf der Shortlist. Im vergangenen Jahr erhielt Bodo Kirchhoff für seinen Roman "Widerfahrnis" den Deutschen Buchpreis. 

Dotiert mit 37.500 Euro

Der Deutsche Buchpreis ist einer der wichtigsten Literaturpreise für deutschsprachige Autoren. Er wird vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels gestiftet und traditionell am Vorabend zur Eröffnung der Frankfurter Buchmesse im Kaisersaal des Frankfurter Römer verliehen. Er ist mit insgesamt 37.500 Euro dotiert: 25.000 Euro gehen an den Gewinner, die übrigen Shortlist-Autoren erhalten 2500 Euro. 2016 wurde Bodo Kirchhoff für seinen Roman "Widerfahrnis" ausgezeichnet.

Die Jury bestand im Jahr 2017 aus Silke Behl (Kulturredakteurin, Radio Bremen), Mara Delius (Leiterin der "Literarischen Welt"), Christian Dunker (Chefredakteur des Literaturmagazins "Geistesblüten"), Katja Gasser (Kulturredakteurin, ORF), Maria Gazzetti (Leiterin der Casa di Goethe, Rom), Tobias Lehmkuhl (freier Literaturkritiker) und Lothar Schröder (Redaktionsleiter, Rheinische Post).

"Das Buch der Stunde" - der Roman "Die Hauptstadt" sei ein witziger, vielseitiger und facettenreicher Roman, sagt Maike Albath im Kritikergespräch mit Eckhard Roelcke:

Studio 9

OECD-Studie So tickt die Generation Fridays for Future
Leerer Schreibtisch in einem Klassenzimmer vor einer Weltkarte.  (imago images / Panthermedia / Cerrophotography)

Deutsche Schüler haben ein hohes Verständnis für globale Zusammenhänge, engagieren sich aber weniger als Gleichaltrige in anderen Ländern: Das besagt eine neue OECD-Studie. Sie basiert auf Daten von 2018. Gilt das heute noch, trotz Fridays for Future?Mehr

weitere Beiträge

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur