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Im Gespräch / Archiv | Beitrag vom 02.04.2016

Fünf Jahre nach FukushimaWie kommt die Energiewende voran?

Carl A. Fechner und Karen Pittel im Gespräch mit Matthias Hanselmann

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Der Propeller eines Windrades wird am 31.03.2014 nahe Visselhövede (Niedersachsen) montiert. (picture alliance / dpa / Daniel Reinhardt)
Der Propeller eines Windrades wird am 31.03.2014 nahe Visselhövede (Niedersachsen) montiert. (picture alliance / dpa / Daniel Reinhardt)

Fünf Jahre sind seit der Reaktorkatastrophe von Fukushima vergangen. Was ist seitdem passiert in Deutschland in Sachen Energiewende? Was läuft gut und woran hakt es? Zu Gast: Der Filmemacher Carl A. Fechner und die Ökonomin Karen Pittel

Nach der Katastrophe von Fukushima im März 2011 ging alles plötzlich sehr schnell: Wofür Atomkraftgegner jahrzehntelang gekämpft hatten, passierte in Windeseile – am 30. Juni 2011 beschloss die Bundesregierung, aus der Atomenergie auszusteigen. Bis 2022 sollen alle AKW in Deutschland vom Netz sein – ein mächtiger Rückenwind für die Erneuerbaren.

Ihr Anteil an der Stromproduktion stieg von 2010 bis 2015 von 16,6 Prozent auf 30,1 Prozent. Bis 2050 soll er bei 80 Prozent liegen; der Ausstoß von Treibhausgasen soll sich – verglichen mit 1990 – um 80 bis 95 Prozent verringern. Dafür wird viel getan: Überall im Land entstehen Windparks, Häuslebauer installieren Solaranlagen auf ihren Dächern, dämmen Hauswände. Die Leute kaufen energiesparende Haushaltsgeräte, das Car-Sharing boomt.

Wir wollen bei "Im Gespräch" eine Zwischenbilanz ziehen: Wie weit sind wir mit der Energiewende fünf Jahre nach Fukushima? Was läuft gut? In welchen Bereichen sollte umgesteuert werden? Wie sieht es mit den Kosten der Energiewende aus? Und: Was kann jeder einzelne Bürger und Verbraucher beitragen, wo muss die Politik stärker Druck machen?

Carl A. Fechner, ein glühender Verfechter der Energiewende

"Die Menschen müssen ein Bewusstsein dafür entwickeln, dass die Energiewende nicht einfach passieren wird, sondern dass sie etwas dafür tun müssen und sogar dafür kämpfen müssen - leider", sagt der Filmemacher Carl A. Fechner.  Einige dieser "Energierebellen" porträtiert Fechner in seinem neuen Dokumentarfilm "Power to Change. Die Energierebellion", der Mitte März in die Kinos gekommen ist.

Fechner ist ein glühender Verfechter der Energiewende. Der 63-jährige wohnt in einem Passivhaus und fährt ein Elektroauto, das von seiner Solaranlage mit Strom versorgt wird.

Seine Überzeugung: "Die Energiewende bis 2030 ist machbar – und vor allem rentabel!"  Energiesparen habe nichts mit Askese oder Verzicht zu tun; im Gegenteil, man gewinne an Autonomie – sie trage sogar zum Weltfrieden bei.

Seine Vision: Neue Städte, neue Formen der Fortbewegung und "doppelter Wohlstand bei halbem Energiefaktor".

Karen Pittel: Energiewende weniger emotional analysieren

"Wir brauchen diese Wende von unten, aber wir werden nicht ohne staatliche Koordinierung auskommen", sagt  Prof. Dr. Karen Pittel, Leiterin des ifo Zentrums für Energie, Klima und erschöpfbare Ressourcen in München. Als Ökonomin plädiert sie dafür, die Energiewende weniger emotional, sondern mit kühlem Kopf zu analysieren und zu realisieren.

Auch die Erneuerbaren müssten sich rechnen und am Markt behaupten, dafür müsse jede Energieform unter die Lupe genommen werden.

"100 Prozent Erneuerbare würde bedeuten, dass alle Autos ohne fossile Energieträger fahren, dass wir ohne Fossile Strom produzieren, Wärme erzeugen – das sehe ich nicht. Momentan gehen die Prognosen von 80 bis 85 Prozent aus; technisch wäre das möglich, ökonomisch halte ich es aber nicht für sinnvoll. Wir würden extrem hohe Kosten erzeugen, das würde die Wirtschaft und den Arbeitsmarkt belasten. In Simulationen sind 80 bis 90 Prozent Erneuerbare relativ kostenneutral, aber die letzten 10 Prozent würden richtig teuer."

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