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Fazit | Beitrag vom 25.10.2019

"Früchte des Zorns" in ZürichAnanas und Erbeere machen ratlos

Mirja Gabathuler im Gespräch mit Britta Bürger

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Vier Schauspieler stehen als Früchte wie Erdbeere und Ananas verkleidet auf einer Theaterbühne. (Zoe Aubry)
"Früchte des Zorns" nach John Steinbeck (Zoe Aubry)

Riesige aufblasbare Plastik-Kakteen, glitzernde Folien-Pilze und Rap-Songs stehen für die "schöne" neue Welt. Heiße Luft, die im Laufe des Abends verpufft, findet unsere Kritikerin. Einziger Lichtblick: das Ensemble.

Eine Farmer-Familie hofft auf ein besseres Leben in Kalifornien. Alles Illusion, alles Fake, das macht Regisseur Christopher Rüping an diesem Abend deutlich. Zuletzt hatte Rüping mit einem zehnstündigen Theatermarathon von sich Reden gemacht, nun inszeniert er als neuer Hausregisseur John Steinbecks "Früchte des Zorns" (1939) am Schauspielhaus Zürich.

Weniger deutlich wird dabei die Aktualität des Themas, so Kritikerin Mirja Gabathuler. Und auch eine Haltung zum Stoff fehle. Rüping schaffe es nicht, "durch die ironisch-trashige Brechung des etwas schwülstigen Textes aus dem Jahr 1939 Antworten auf Ungerechtigkeiten unserer Zeit zu finden".

Einzig überzeugen konnten an diesem Abend die Darsteller. Vonseiten des Ensembles sei eindeutig Bühnenfreude zu spüren gewesen.

Schauspieler Nils Kahnwald beißt mit von Zorn verzerrtem Gesicht in die Öffnung einer Wasserflasche. (Zoé Aubry)Schauspieler Nils Kahnwald in "Früchte des Zorns" (Zoé Aubry)

Mit Maja Beckmann, Gottfried Breitfuss, Nils Kahnwald, Nadège Kanku, Kotoe Karasawa, Benjamin Lillie, Wiebke Mollenhauer, Steven Sowah

Inszenierung: Christopher Rüping
Bühne: Jonathan Mertz
Kostüme: Lene Schwind
Musik: Jonas Holle, Kotoe Karasawa
Dramaturgie: Katinka Deecke

Aufführungen im Schauspielhaus Zürich  
30.10., 4.11., 12.11., 15.11., 28.11., 30.11., 03.12., 07.12, 20.12. und 23.12.

(mfied)

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