Friedrich Ani: "Bullauge"

Licht in der Dunkelheit

11:24 Minuten
Der Schriftsteller Friedrich Ani.
Der Autor Friedrich Ani ist besorgt, weil rechtsextreme Positionen in die Mitte der Gesellschaft einsickern. © Susie Knoll / Suhrkamp Verlag
Friedrich Ani im Gespräch mit Andrea Gerk · 18.10.2022
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Über 30 Kriminalromane hat Friedrich Ani mittlerweile geschrieben. Sein neues Buch mit dem Titel "Bullauge" befasst sich mit Verbindungen der Polizei zur rechtsextremen Szene. Erstaunlich: Auch der Humor kommt nicht zu kurz.
Friedrich Anis neuer Roman beginnt mit der Dunkelheit. In "Bullauge" verliert der Polizist Kay Oleander bei einer Demonstration sein linkes Auge und so auch seinen Job. Dann trifft er auf Silvia Glaser, die arbeitslos wurde und in die rechtsextreme Szene abgerutscht ist. Zwei Leben, die dramatische Wendungen erfahren haben.

Humor und Ironie

Um von dieser Dunkelheit nicht erschlagen zu werden, sieht der Autor sich auch als jemanden, "der kommen muss, um das Licht anzumachen". Darum ist der Roman trotz seiner schwierigen Thematik mit Humor durchzogen. "Eine gewisse Freude muss ja übrigbleiben", sagt Ani: "Da ist natürlich auch Ironie dabei. Das ist ja auch unvermeidlich und wirft auf die scheinbar totale Dunkelheit doch noch ein Licht."
Im Buch gibt es die fiktive Partei "NVP", sie ist der Kern einer Bedrohung von rechtsaußen. Für Ani ist das eine Gefahr, die auch in der realen Welt immer weiter zunimmt:
"Es ist schon merkwürdig, wie wie sich am Rand der Mitte einer Gesellschaft Positionen festigen, die wirklich antidemokratisch, rassistisch und inhuman sind. Und wenn man anfängt zu schreiben, begleiten diese Tendenzen einen. Und dann muss man eben entscheiden, wie stark man sie zulässt im jeweiligen Werk."

Rechtsextremismus und die Polizei

Mit einem Polizisten mit Mittelpunkt der Geschichte geht es natürlich auch um die Verbindungen der Polizei zur rechten Szene, die in den letzten Jahren immer wieder thematisiert wurden. Als Krimiautor beschäftigt sich Ani schon lange mit solchen Fällen:
"Wenn man an hessische Polizisten denkt, aber auch an an andere Strukturen, wo sich plötzlich rausstellt, mit welchem Zynismus manche Polizisten oder manche Inspektionen ihre Macht missbrauchen, um die rechte Seite zu stärken – das hat mich hier auch interessiert. Und auch die Hierarchien innerhalb der Polizei."
(hte)

Friedrich Ani: "Bullauge"
Suhrkamp, Berlin 2022
267 Seiten, 23 Euro

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