Fremde

Das Gegenüber, das mich beschreibt

Zeichnung eines Mannes mit Maske vor anderem Mann
Zeichnung eines Mannes mit Maske vor anderem Mann © imago stock&people
Von Oliver Schwesig · 21.01.2018
"Fremde" - in jetzigen Zeiten ein aufgeladener Begriff. Flüchtlingskrise, Kulturkampf, AfD, der Fremde, das Fremde - sie werden häufig negativ konnotiert. Eine Bedrohung des Vertrauten, der eigenen Kultur, des eigenen sicheren Lebens. Doch das Fremde heißt auch: Neugier, Begegnung und Lebenserfahrung.
Mit diesem Zitat aus dem 3. Buch Mose begann Papst Franziskus vor ein paar Tagen zum Tag des Migranten seine Grußbotschaft an die Katholiken der Welt: "Der Fremde, der sich bei Euch aufhält, soll Euch wie ein Einheimischer gelten und Du sollst ihn lieben wie Dich selbst."
Nachdenken und Reden über die Fremden, über das Fremde ist den heutigen Zeiten aktueller denn je. Flüchtlinge aus dem nahen Osten und aus Afrika stranden seit Jahren in Europa. Keine Woche vergeht, wo uns nicht Nachrichten von geretteten oder ertrunkenen Flüchtlingen im Mittelmeer erreicht. Viele Flüchtlinge haben es geschafft nach Deutschland, jeder mit eigener Geschichte, eigenen Träumen für die Zukunft. Als "Fremde" begegnen sie uns im Alltag. Ihre Anwesenheit fordert und in unserem bequemen, sicheren Leben und unserem Denken und den Vorstellungen heraus. Aus dieser Angst schlagen politische Parteien in ganz Europa dieser Tage viel Kapital.
Aber genauso gut wie über diese Angst vor dem Fremden könnte man ja auch über die Chance darin sprechen. Beide, der Fremde und der Einheimische müssen sich, z.B. angesichts der aktuellen Flüchtlingskrise, mit der Kultur des anderen beschäftigen. Bei all den Fragen, Problemen und Mühen, die das mit sich bringt – ist es nicht auch ein Gewinn?
Denn es ist erst das Gegenüber, das Fremde, der Fremde, der einen zwingt, sich mit sich selbst zu beschäftigen. Yin und Yang – etwas wird beschreibbar durch sein Gegenüber. Durch den Anderen lerne ich mich kennen. Was für eine tolle Erfahrung.
Und der Schweizer Schriftsteller Max Frisch erkannte schon früh: "Jeder ist ein Fremder - fast überall"

Musikalische Histörchen
Den Namen Robert Weston "Bob" Smith hat nicht jeder sofort parat, auch bei seinem Künstlernamen Wolfman Jack klingelt es wohl nur bei einigen. Der Radio-DJ machte den Rock in seiner Show auf XERF in Mexiko populärer als er es eh schon war und wurde selbst zur Legende. Geboren am 21. Januar 1938 in Brooklyn, starb er im Alter von 57 Jahren, 1995 in North Carolina. In Del Rio, Texas, haben sie dem Mann mit dem Wolfsheulen in seinen Moderationen ein Denkmal gesetzt. Aber nicht nur das. Diverse Musiker huldigten ihm auch in ihren Songs. So haben ihn Freddie King und Todd Rundgren, aber auch die Guess Who oder Leon Russell musikalischen unsterblich gemacht. Da wollte auch der Film nicht zurückstehen. George Lucas nutzte seine Wolfman Jacks Radioshow als roten Faden für seinen Film "American Graffity" – Höhepunkt des Ganzen war dann der Cameo des DJ in eigener Person.
Rätsel
Es geht um einen Song von Michael Jackson über einen Fremden. Michael Jackson hatte seine große Zeit in den 1980ern mit den Alben "Thriller" oder "Bad". Das Stück, das wir suchen, gehört nicht zu seinen Riesenhits und stammt auch nicht von einem seiner klassischen Hitplatten. Er beschreibt in diesem Song eine dunkle, schwere Zeit in seinem Leben – allein gelassen durch den Ruhm und schrecklich einsam wie ein Fremder. Wie heißt dieser Song?
Auflösung: "Stranger in Moscow"
Mit dem Videoclip zu "Thriller" hat Michael Jackson einen Meilenstein in der Geschichte der Musikvideos geschaffen.
Mit dem Videoclip zu "Thriller" hat Michael Jackson einen Meilenstein in der Geschichte der Musikvideos geschaffen. © picture-alliance / dpa / Report
Brillant oder Bullshit!? Das Wochenchaos
#9-2018 #MeToo #NotYou
Auf diesen Tag haben viele Männer gewartet: dass die Frauen einander gegenseitig in aller Öffentlichkeit zerfleischen, wer ein richtiges Opfer ist und wer nicht. Derweil kriechen die Grapscher und Belästiger wieder aus den Löchern und präsentieren sich scheinheilig als die wahren Opfer. Und so wird die #MeToo-Bewegung zur #NotYou-Bewegung.

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