Seit 08:30 Uhr Nachrichten
Donnerstag, 17.06.2021
 
Seit 08:30 Uhr Nachrichten

Lesart / Archiv | Beitrag vom 05.11.2015

Fred Vargas: "Das barmherzige Fallbeil"Zu viele Figuren, zu viele Morde

Von Kim Kindermann

Die französische Schriftstellerin Fred Vargas. (picture alliance / dpa / EPA / Alberto Morante)
Längst hat die französische Schriftstellerin Tausende von Leserinnen und Lesern verhext. (picture alliance / dpa / EPA / Alberto Morante)

Diesmal ermittelt der verschrobene Kommissar Adamsberg auf einer isländischen Insel und in einem Geheimbund in Paris. Der neue Krimi "Das barmherzige Fallbeil" der französischen Schriftstellerin Fred Vargas ist sofort wieder in den Bestsellerlisten gelandet. Unsere Rezensentin hat er nicht gepackt.

Kaum erschienen steht Fred Vargas schon gleich auf der Bestsellerliste: Dieses Mal ermittelt der brillant-verschrobene Kommissar Adamsberg – der als solcher schon eine riesige Fangemeinde hat - an zwei Schauplätzen: auf einer Isländischen Insel, die regelmäßig in undurchsichtigen Nebelbänken verschwindet, und im Herzen eines Pariser Geheimbundes, der sich auch wiederum regelmäßig versammelt, um in historischer Verkleidung den Reden von Robespierre im Nationalkonvent während der französischen Revolution zu lauschen.

Beide Orte: Schräg. Unheimlich. Verrückt. Und doch auch: Real. Poetisch. Fesselnd. Willkommen in der Welt der Fred Vargas und ihrer einzigartig genialen Mischung aus Fantasie, Mystik, Historie und Spaß. Längst hat diese Mischung Tausende von Leserinnen und Lesern in ihren Bann geschlagen – sie verhext. Die französische Zeitung "Le Mond" nennt es die "Magie Vargas". Und die lässt einen reflexhaft nach den neusten Büchern greifen. Begierig. Neugierig. Beseelt.

Verschlungene Geschichte

Aber dieses Mal ist es anders, schrecklich anders, der Zauber lässt nach. Seite für Seite. Zu verworren, zu skurril, zu – ich weiß nicht was – einfach zu viel! Und manches Mal einfach lächerlich blöd. Immer wieder fliegt man aus der verschlungenen Geschichte raus. Verliert den Anschluss, weil plötzlich Nebenfiguren wahnsinnig schnell wahnsinnig wichtig werden, dann aber wieder genauso plötzlich unwichtig werden.

Dazu all die Namen, die Geschichtsdaten, die Selbstmorde, die Morde sind, und die Brüder, von denen der eine nicht weiß, dass sie es sind. Und die Unsicherheit: Gibt es ihn nun, den bösen Inselgeist? Oder nicht? War die angeblich so heiß geliebte Mutter in Wirklichkeit eine böse Hexe? Und ist der Leiter des Geheimbundes verrückt oder doch ein direkter Nachfahre von Robespierre?

Tatsächlich droht Adamsberg dieses Mal die Achtung selbst seiner ergebensten Untergebenen wie Adrien Danglard zu verlieren, weil sein Vorgehehen sie nicht überzeugt. Und so ging es mir letztendlich auch: Dieses Mal mochte ich der Geschichte nicht folgen. Blieb enttäuscht zurück. Was für ein Drama: Bleibt zu hoffen, dass der Zauber mich beim nächsten Buch wieder in seinen Bann schlägt. Denn ohne die Magie der Fred Vargas ist die Welt gleich ein bisschen trauriger!

Mehr zum Thema

Spannend auf allen Ebenen
(Deutschlandradio Kultur, Buchkritik, 14.10.2008)

"Eine etwas blödsinnige und banale Geschichte"
(Deutschlandfunk, Büchermarkt, 24.04.2007)

Ein Kommissar mit erstaunlicher Intuition
(Deutschlandradio Kultur, Buchkritik, 20.04.2007)

Rezept für die Unsterblichkeit
(Deutschlandradio Kultur, Buchkritik, 09.03.2007)

App: Dlf Audiothek

Die neue Dlf Audiothek App ist ab sofort in den Appstores von Apple und Google zum kostenlosen Download erhältlich (Deutschlandradio)

Entdecken Sie mit der Dlf Audiothek die Vielfalt unserer drei Programme, abonnieren Sie Ihre Lieblingssendungen, wählen Sie aus Themenkanälen und machen daraus Ihr eigenes Radioprogramm.


Jetzt kostenlos herunterladen

Lesart

weitere Beiträge

Buchkritik

Jan Haft: "Heimat Natur"Die Geheimnisse des Engelsrotz
Cover des Buches "Heimat Natur: Eine Entdeckungsreise durch unsere schönsten Lebensräume von den Alpen bis zur See" von Jan Haft. (Deutschlandradio / Penguin Verlag)

Jan Haft gehört zu Deutschlands besten Naturdokumentaristen. Mehrfach hat der Biologe bereits die Natur in faszinierenden Nahaufnahmen auf die Leinwand gebracht. Sein Buch „Heimat Natur“ zum gleichnamigen Film ist ein Plädoyer für den genauen Blick.Mehr

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur