Frauenproteste in Belarus

    "Es müsste mehr berichtet werden"

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    Junge Frauen demonstrieren. Sie tragen weiße Kleidung und halten Blumen in den Händen.
    Nach der manipulierten Wahl begannen im August 2020 die Proteste der belarussischen Opposition, die stark von Frauen geprägt ist. © picture alliance / dpa / TASS / Natalia Fedosenko
    Stevie Schmiedel im Gespräch mit Johannes Nichelmann · 29.07.2021
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    Interessieren sich westliche Feministinnen zu wenig für die von Frauen geprägten Proteste in Belarus, wie eine Korrespondentin kritisiert? Pinkstinks-Gründerin Stevie Schmiedel wünscht sich mehr Berichte aus Belarus, weist die Kritik aber zurück.
    Nach den Präsidentschaftswahlen in Belarus im vergangenen Sommer gingen Bilder von weiß gekleideten Frauen um die Welt, die gegen Sicherheitskräfte in schwarzer Montur protestierten. Die Oppositionsführerin Swetlana Tichanowskaja wurde für viele Menschen in Belarus zur Hoffnungsträgerin für einen demokratischen Umbruch. Doch Machthaber Alexander Lukaschenko hält sich bis heute im Amt.
    Alice Bota, Korrespondentin der Wochenzeitung "Die Zeit" in Moskau, hat über die Proteste das Buch "Die Frauen von Belarus" geschrieben. Einen Teil ihrer Recherchen hat sie nun vorab in der "Zeit" veröffentlicht und übt in ihrem Artikel Kritik an westlichen Feministinnen: Die Frauen in Belarus erhielten von ihnen "erstaunlich wenig Unterstützung".
    Explizit nennt Bota in ihrer Kritik neben den feministischen Magazinen "Emma"und "Missy Magazine" auch die feministische Organisation Pinkstinks, die auch ein Onlinemagazin betreibt. Stevie Schmiedel, die Pinkstinks-Gründerin in Deutschland, bezieht dazu Stellung. Es sei ganz wichtig, dass dieser Protest laut unterstützt werde. Allerdings empfindet sie die Kritik als falsch adressiert.

    Kernthema von Pinkstinks: Sexismus in Deutschland

    Das Magazin von Pinkstinks sei das Magazin eines Vereins, der von seinen Spenderinnen dafür bezahlt werde, um in Deutschland Kampagnen gegen Sexismus zu machen. Kerngeschäft sei es, niedrigschwellig zu erklären, was Sexismus ist und was man im Alltag dagegen tun kann. Die Proteste in Belarus fielen also gar nicht in den "Zuständigkeitsbereich" von Pinkstinks – und dennoch habe das Magazin über sie berichtet, so Schmiedel. Sie räumt ein: "Aber es ist bei uns kein Kerngebiet, kein Schwerpunktthema gewesen."
    Man habe aber vielleicht generell in den deutschen Medien versäumt, mehr über Belarus zu sprechen, sagt Schmiedel. Im Vergleich zu beispielsweise "Black Lives Matter" seien die Proteste etwas hinten runtergefallen. In Deutschland blicke man eher ins englischsprachige Ausland, der Osten sei weniger im Blickfeld.

    Hohe Erwartungen an Feministinnen

    Die Pinkstinks-Gründerin betont, dass ihr Team mit acht Leuten sehr klein sei. Dennoch seien die Erwartungen hoch: "Gerade als Feministinnen hört man oft: Das sollte aber auch noch euer Thema sein." Es sei manchmal sehr schwer, sich da abzugrenzen.
    Mit den begrenzten Kapazitäten ihres Teams sei es aber zumindest möglich, immer wieder Artikel von anderen Medien zu Belarus auf den eigenen Social-Media-Accounts zu teilen."Es müsste mehr berichtet werden. Und wir wären dann auch sofort diejenigen, die dazu auch mehr verlinken würden."
    (jfr)
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