Frauen im Afghanistan

    Notfalls mit Waffengewalt gegen die Taliban

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    Eine afghanische Soldatin nimmt am 27. Februar am Nationalen Tag der Verteidigung in Herat (Afghanistan) teil.
    Nach dem Abzug der westlichen Soldaten fürchten vor allem die Frauen um ihre Zukunft mit den Taliban. © imago images / Xinhua
    Andrea Jeska im Gespräch mit Stephan Karkowsky · 03.08.2021
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    Die Frauen in Afghanistan fühlten sich vom Westen verraten, sagt die Auslandsreporterin Andrea Jeska. Sie hätten Angst vor den heranrückenden Taliban. Noch vor anderthalb Jahren sei die Hoffnung groß gewesen, nun müssten sie sich selbst verteidigen.
    In Afghanistan herrscht weiter Bürgerkrieg. Die Taliban nehmen jeden Tag weitere Dörfer ein und kommen auch regierungsnahen Städten wie Kabul und Herat immer näher. Besonders die Lage der Frauen ist ungewiss.
    "Sie fühlen sich verraten", sagt die Journalistin Andrea Jeska, die momentan aus der Hauptstadt berichtet. Sie habe mit der afghanischen Journalistin Schukria Barakzai und anderen Frauen gesprochen. Barakzai ist Herausgeberin der Zeitung "Women’s Mirrow" und eine der prominentesten Frauenrechtlerinnen in Afghanistan. Sie schrieb 2001 an der Verfassung des Landes mit.
    So wie auf Barakzai seien auch auf andere prominente Frauen bereits Anschläge verübt worden, sagt Jeska. Sie bekämen weiterhin täglich Todesdrohungen.

    Vom Westen verraten

    Die Frauen in Afghanistan seien "fassungslos" über die Entwicklung der vergangenen Monate. Noch vor anderthalb Jahren hätten Frauenrechtlerinnen noch hoffnungsfroh davon gesprochen, dass sie nicht mehr dieselben seien, seitdem die Taliban ihre Macht verloren hatten.
    Die Terrorgruppe könne sie aber nicht mehr zurück in die Burkas zwingen. "Damals war die Hoffnung auf eine friedliche Lösung noch da", sagt die Journalistin, "Jetzt fühlen sich die Frauen den Wölfen zum Fraß vorgeworfen".

    Immer wieder würden sie die gleiche Frage stellen: Wie konnten der Westen und vor allem die USA mit den Taliban ein Abkommen schließen? Die Frauen seien der Meinung, dass dieses Abkommen der Terrorgruppe erst die Macht zurückgegeben habe.
    "Die Frauen sind in einem Zustand der Angst und der Panik", so Jeska. Aber sie wollten in Afghanmistan bleiben. "Sie wollen nicht gehen und werden kämpfen – notfalls mit Waffengewalt". Die Regierung habe bereits die Menschen dazu aufgefordert, sich selbst zu bewaffnen und verteidigen. "Vor allem die Frauen sagen: Das werden wir dann auch tun."
    (sbd)
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