Die Fraggles kehren zurück

"Schönes, altmodisches Kinderfernsehen"

07:29 Minuten
Die Fraggles-Figuren (von links) Red, Gobo, Boober, Mokey und Wembley aus der Puppenserie "Fraggle Rock: Back to the Rock".
Comeback für die Fraggles: Die Hauptfiguren (von links) Red, Gobo, Boober, Mokey und Wembley sind auch 39 Jahre nach ihrem ersten Auftritt wieder dabei. © Apple TV
Jenni Zylka im Gespräch mit Boussa Thiam · 21.01.2022
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Jim Henson erfand jene quietschbunten Höhlenbewohner, die in den 80er-Jahren viele Kinder begeisterten. Jetzt bekommen die Fraggles ein Comeback, das die Filmkritikerin Jenni Zylka überzeugt, da die Puppenserie fröhlich, humanistisch und divers sei.
Die Fraggles, das waren (und sind) quietschbunte, glubschäugige Figuren, die unter der Erde in einer Felshöhle leben, gemeinsam mit den kleinen, fleißigen Bauarbeitern namens Doozers. Zuweilen werden sie auch gejagt - von den riesigen, aber dummen Gorgs. Dass diese Fraggles den Muppets so ähnlich sahen, war kein Zufall: Ihr Erfinder war der legendäre Puppenspieler Jim Henson.
Jetzt sind die Fraggles zurück aus den 80ern. Produziert wird das Comeback "Back to the Rock" auf Apple TV+ von Lisa Henson, der Tochter von Jim Henson, und von John Tartaglia, einem langjährigen Mitarbeiter Hensons. In 13 Folgen treten wieder Gobo, Red, Boober, Mokey, Wembley und Onkel Matt auf, dazu ganz neue Fraggles und Doozers. Als Stimmen agieren Gaststars wie Patti LaBelle, Cynthia Erivo, Daveed Diggs, Ed Helms, Kenan Thompson und die Foo Fighters.
Die Fraggles, die ab 1983 im US-Fernsehen und auch in Deutschland liefen, seien typische Jim-Henson-Figuren, sagt die Filmkritikerin Jenni Zylka. Anders als die Muppet Show richteten sich die Fraggles an Kinder, sie hätten aber die typischen Henson-Merkmale: Die Puppen würden immer noch per Hand, Stab und Band geführt, das führe zu ihrem wackligen Gang.
"Die Stimmen sind übertrieben und komisch-quietschig, die Figuren sind sehr bunt", erzählt Zylka. "Die Fraggles wohnen in einer Art Parallelwelt, einer Höhle unter dem Haus eines Menschen, verbunden durch ein Loch in der Wand."

Kinderwelt und Erwachsenenwelt

Doch sie trauen sich nur selten in den Outer Space, die Welt der "Silly Creatures", wie die Fraggles die Menschen wegen ihrer schlechten Angewohnheiten wie Umweltverschmutzung nennen. "Da wird die Verbindung von verschiedenen Realitäten ausgelotet. Man könnte simpel psychologisieren: Die bunte Fraggles-Welt ist die Kinderwelt, die andere ist die menschliche Erwachsenenwelt", sagt Zylka.
Es gehe in den Storys einerseits um den Mut, eine Welt zu erkunden und sich "als Fraggle, als Kind" etwas zuzutrauen, andererseits um Toleranz, Vorurteile, Spiritualität – alles Themen, die schon immer Jim Hensons Kernthemen waren.
Die neue Fraggles-Staffel sei im Vergleich zu den alten Folgen "quasi anachronistisch gleich geblieben", lobt Zylka. "Es sind Geschichten wie früher mit ähnlich humanistischen Botschaften, etwa 'Es geht beim Entdecken nicht darum, sich zu beweisen, sondern darum, den anderen zu helfen'." Auf der technischen Ebenen sei es bestimmt besser gemacht als in den 80er-Jahren, aber: "Es sind immer noch Handpuppen, es ist schönes altmodisches pädagogisches Kinderfernsehen auf hohem Niveau."

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Die Tatsache, dass sich die Charaktere und Themen kaum verändert haben, bewertet Zylka  als Qualitätsmerkmal: "Das war immer schon divers und offen." Die einzige große Veränderung betreffe die Wohnung über der Fraggles-Höhle: Statt eines alten weißen Mannes mit Hund lebt dort jetzt eine schwarze Meeresbiologin mit Hund. "Aber das ist kein Alibi-Einsatz einer Person of Colour", sagt Zylka.
Die fünf Staffeln aus den 80er-Jahren mit ihren fast 100 Episoden wurden auch für ihre Musik geliebt, und das werde so bleiben, prophezeit Zylka: "Es gibt immer noch sehr viele schöne kurze Songs auch in recht altmodischen Genres, einen Surf-Song oder ein Musical-artiges Lied."
Die Figuren Sprocket und Uncle Matt in der neuen Fraggles-Staffel "Fraggle Rock: Back to the Rock".
Hund Sprocket (links) und Uncle "Travelling" Matt sind immer noch dabei.© Apple TV
Zylka freut sich darüber, dass die Kooperation zwischen der Henson Company und Apple TV offenbar gut funktioniere – in Konkurrenz zum Disney-Konzern, der zum Global Player für didaktischen Kinder-Content geworden sei. "Die Grundidee vor allem der älteren Disney-Filme ist ja meist die heile Kernfamilie, und Walt Disney ging davon aus, dass Kinder nur dann gesund aufwachsen, wenn sie nichts Schlimmes oder Gefährliches sehen und man ihnen alles Übel vorenthält."
Der für Diversity engagierte "Hippie" Jim Henson, berichtet Zylka, sei hingegen der Meinung gewesen, man könne Kinder durch Fernsehen und andere Formate auf eine altersgerechte Art mit Problemen und Gefahren konfrontieren, damit sie die Auseinandersetzung und die Haltung dazu lernen. "Dafür steht Jim Henson – und damit auch die für Erwachsene. zugegeben, etwas anstrengenden Fraggles".
(cre)

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