Mittwoch, 04.08.2021
 

Kompressor | Beitrag vom 13.04.2021

Fotografien aus ethnologischen DepotsHinter den Kulissen der Menschheitsgeschichte

Anja Nitz im Gespräch mit Massimo Maio

Vitrine aus der ethnografischen Sammlung im Depot des Museums für Völkerkunde in Dresden ( Anja Nitz)
Für die meisten nicht zugänglich: Objekte aus Melanesien und Mikronesien im Depot des Museums für Völkerkunde in Dresden. ( Anja Nitz)

Die meisten Museumsbesucher ahnen nicht, welche Schätze in Depots verwahrt werden. Die Fotografin Anja Nitz durfte sich in den ethnologischen Sammlungen dreier Museen umschauen. Ein Fotoband zeigt das Ergebnis.

Spätestens seit den Diskussionen um die Objekte und Kunstgegenstände, die im Berliner Humboldt Forum zu sehen sein sollen, wird über die ethnologischen Sammlungen heftig gestritten. Was machen wir mit all den Objekten und menschlichen Überresten, die Kolonialisten und Forscher aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert zusammengetragen haben? Wie würdig wird das kulturelle Erbe von Menschen weltweit in Deutschland bewahrt?

Abonnieren Sie unseren Kulturnewsletter Weekender. Die wichtigsten Kulturdebatten und Empfehlungen der Woche. Ab jetzt immer freitags per Mail. (@ Deutschlandradio)

Neben einzelnen, viel diskutierten Kunstgegenständen, die in der Öffentlichkeit sehr präsent sind, schlummern noch unzählige weitere  - versteckt, verwahrt, katalogisiert und gestapelt – in den Depots vieler Museen.

Lehrreich und authentisch

Diese Zeugnisse aus der Geschichte der Menschheit können normale Museumsbesucherinnen und –besucher nur erahnen. Die Fotografin Anja Nitz hat einen Einblick in die Depots bekommen und hat in den Magazinen sächsischer Museen fotografiert: in den Staatlichen Ethnographischen Sammlungen Sachsen im Grassi Museum für Völkerkunde zu Leipzig, im Museum für Völkerkunde Dresden und im Völkerkundemuseum Herrnhut.

Objekte aus der ethnologischen Sammlung des Völkerkundemuseums in Dresden ( Anja Nitz)Lehrreich und authentisch fand Fotografin Anja Nitz den Rundgang durch die Depots - wie etwa das im Völkerkundemuseum in Dresden. ( Anja Nitz)

Versammelt sind diese Fotos, begleitet von Essays zum Thema, in dem Fotoband "Depot". Sie habe schon immer lieber in die Depots geschaut als in die eigentlichen Museen, sagt Nitz. Dort bilde sich die Debatte um Postkolonialismus und Raubobjekte unmittelbar ab – "unglaublich faszinierend und spannend, dazu lehrreich und authentisch".

Rundgang durch die Kontinente

Die Depots seien teils eher moderne sterile Orte, teils aber auch mit wunderschönen alten Vitrinen bestückt, in denen man sich die Sammlungen anschauen könne. "Man läuft dort, einer Parallelwelt vergleichbar, die Sammlungen kontinentweise ab. Als würde man sich in verschiedenen Ländern befinden. Man läuft von Ethnie zu Ethnie, von Sammlungsabteilung zu Sammlungsabteilung", schwärmt Nitz.

(mkn)

Anja Nitz: "Depot"
mit Texten von u.a. von Kevin Breß, Matthias Harder, Megan Krakouer
Kerber Verlag, 2021
144 Seiten, 40 Euro

Mehr zum Thema

Rechtfertigung von Sklaverei und Gewalt - Die dunkle Seite der Philosophie
(Deutschlandfunk Kultur, Sein und Streit, 02.08.2020)

Philosophische Flaschenpost - Dekolonisierungs-Theoretiker Frantz Fanon und die Last der Sprache
(Deutschlandfunk Kultur, Sein und Streit, 19.07.2020)

Afrikas Geschichte Karawanen, Macht und Gold

App: Dlf Audiothek

Die neue Dlf Audiothek App ist ab sofort in den Appstores von Apple und Google zum kostenlosen Download erhältlich (Deutschlandradio)

Entdecken Sie mit der Dlf Audiothek die Vielfalt unserer drei Programme, abonnieren Sie Ihre Lieblingssendungen, wählen Sie aus Themenkanälen und machen daraus Ihr eigenes Radioprogramm.


Jetzt kostenlos herunterladen

Fazit

Ein Jahr nach der ExplosionEs geht abwärts in Beirut
Ali Eyal: Don’t let the beautiful colors fool you, who would draw Goofy inside the rooms of grownups? (Ali Eyal / Mousonturm)

Vor einem Jahr ereignete sich die Explosion in Beirut. Der Libanon steckt schon länger in einer Krise. Nun zeigen libanesische Künstler bei einem Festival in Frankfurt ihre Sicht auf ihr Land - und berichten von katastrophalen Zuständen.Mehr

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur