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Im Gespräch | Beitrag vom 10.09.2019

Fotograf und Abenteurer York Hovest"Ich will Aufmerksamkeit für unsere Ozeane schaffen"

Moderation: Tim Wiese

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York Hovest sitzt mit kompletter Tauchausrüstung in einem Schlauboot auf dem offenen Meehr, bereit neues Bildbandmaterial zu sammeln. (Alejandra Potter Gimeno)
York Hovest hat gerade seinen neuesten Bildband herausgebracht: "Helden der Meere" (Alejandra Potter Gimeno)

In seinem Bildband "Helden der Meere" begleitet York Hovest Wissenschaftler und Umweltaktivisten, die für den Schutz der Weltmeere kämpfen – so wie der Fotograf selber. 2020 geht sein globales Netzwerk für Meeresaktivisten online.

Bei der Suche nach den Protagonisten für den neuen Fotoband ließ sich York Hovest viel Zeit. Anderthalb Jahre lang recherchierte er zu Meeres-Projekten aus aller Welt:   

"Ich habe mir ganz genau Gedanken gemacht: Wer könnte ein Held sein? Was ist es, das er tut oder bewirkt, was den Ozeanen positiv zugute kommt? Und dann habe ich eine Vielzahl von Menschen und Organisationen unterschiedlicher Herkunft gefunden – sie alle machen sehr heldenhafte Arbeit!"

Mit der Zahnbürste von Koralle zu Koralle

Einen seiner "Helden" fand der Fotograf York Hovest in einer thailändischen Bucht. Der Anstieg der Erderwärmung führt dazu, dass im gesamten Äquatorialbereich Korallenbänke absterben – so auch in der "Maya Bay", vielen bekannt als "The Beach" aus dem gleichnamigen Film mit Leonardo DiCaprio. In der "Maya Bay" leitet Andrew Hewett eine Korallen-Aufzuchtstation, über den Hovest sagt:

"Man muss ihn sich vorstellen wie einen Gärtner der Meere, der kleine Setzlinge dieser Korallen neu ansetzt – auf künstlichen Riffen. Da kann er sie reinigen und pflegen. Denn die kleinen Korallen-Polypen wachsen leider nur sehr langsam und brauchen intensive Pflege, weil die Erwärmung der Meere  das Algenwachstum begünstigt. Und genau das ist seine Arbeit: Er reinigt die Korallen quasi mit der Zahnbürste, so dass sie Luft und Sonne bekommen. Und das Leben kommt zurück!"

Pioniere für unseren Planeten

Hovest würdigt in seinem Band "Helden der Meere" sehr unterschiedliche Projekte: den Kampf der Meeresschutz-Organisation "Sea Shepherd" gegen illegale Fischerei, die Arbeit von Meeresbiologinnen an der Küste von Sansibar, das Engagement eines Unterwasserfilmers vor den Azoren. In grandiosen Aufnahmen dokumentiert er die Schönheit der Ozeane – und ihre Gefährdung. Seine Fotos zeigen Fischschwärme in blauer Tiefe, lichtdurchflutete Unterwassertäler, Haie, Wale, Delphine und leuchtende Quallen – aber auch vermüllte Traumstrände und Schildkröten in Geisternetzen. Auf einem Foto steckt ein Thunfisch mit dem Kopf in den Maschen eines riesigen Netzes.

Dazu der Fotograf: "Das ist ein sehr markantes, deutliches Bild aus der Region Westafrika. Es zeigt, wie wir mit dem industriellen Fischfang umgehen – ein mahnendes Bild für alle, die sich keine Vorstellung davon machen, wieviel Wildfang wir dem Ozean tagtäglich entnehmen, um unseren Hunger zu stillen. Ein einziges Fischerei-Schiff kann mit seinem Netz pro Tag 200.000 Tonnen Thunfisch fangen. Und da ist jede Menge Beifang mit drin."

Der Sound des Todes

Das Geräusch der Fische, die in ein solches Netz geraten, hat er einmal bei Aufnahmen unter Wasser gehört – und vergisst es nicht mehr. 
"Es ist das Geräusch des Todes. Die Tiere zappeln um ihr Leben – da sind mehrere Millionen Fische in einem Netz. Sie werden zusammengepfercht und zusammengedrückt bis sie quasi zu Tode zermatschen. Und das Geräusch ihrer Flossen, die sie aneinander schaben und sich gegenseitig damit treffen und verletzten, ist ein sehr verstörendes Unterwasser-Geräusch – wie das Dauerfeuer einer Rassel." 

Begegnung mit dem Dalai Lama                                                                                     

Nach seinen Bildbänden "Hundert Tage Tibet" und "Hundert Tage Amazonien" hat Hovest mit "Helden der Meere" ein drittes Buch mit ideologischer Botschaft vorgelegt. Wieder widmet er sein fotografisches Talent dem Umweltschutz – das war nicht immer so. Viele Jahre lang war die Modewelt sein beruflicher Mittelpunkt: erst als Model, dann als erfolgreicher Modefotograf. Bis ein Auftrag sein Leben veränderte: 2011 begleitete er das spirituelle Oberhaupt des tibetischen Volkes, den Dalai Lama, als Fotograf während eines Deutschlandbesuchs. Seitdem hat er sich von der Modefotografie abgewandt und seiner Arbeit einen neuen Sinn gegeben: "Ich musste 30 Jahre warten und erst einen weisen Mann treffen, damit ich mache, was ich wirklich will."

Weltweites Netzwerk für Meeresaktivisten

In Ergänzung zu seinem Bildband plant Hovest eine spektakuläre Aktion: Im kommenden Winter will er gemeinsam mit zwei Freund den Atlantik im Ruderboot überqueren. Über die Fahrt wird er einen Dokumentarfilm drehen. Und im Frühjahr 2020 geht sein globales Netzwerk für Meeresschützer und deren Aktivitäten online: "Die soziale Datenbank für alle, die helfen wollen, die Ozeane zu retten. Eine globale Plattform wie Wikipedia oder Google – nur für die Meere."

(tif)

York Hovest, Helden der Meere. Unterwegs mit den Hütern eines einzigartigen Lebensraums, teNeues-Verlag, 224 Seiten, 50 Euro.   

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