Seit 13:05 Uhr Länderreport

Montag, 24.02.2020
 
Seit 13:05 Uhr Länderreport

Lesart / Archiv | Beitrag vom 23.08.2016

Fotobuch von Otto ReitspergerWas die Nacht aus dem Meer macht

Otto Reitsperger im Gespräch mit Frank Meyer

Podcast abonnieren
Die Atlantikküste bei Taghazout im Süden Marokkos - Ausschnitt. Aufgenommen von Otto Reitsperger nachts mit extrem langer Belichtungszeit. (Otto Reitsperger)
Die Atlantikküste bei Taghazout im Süden Marokkos, Nachaufnahme mit langer Belichtung (Ausschnitt). (Otto Reitsperger)

Man man reibt sich die Augen: Die an zarte Aquarelle erinnernden Fotos von Otto Reitsperger in seinem Fotobuch "Nachthell" sind tatsächlich Nachtaufnahmen. Fotografiert sind die Meer-Bilder mit extrem langer Belichtungszeit. Das Meer, sagt Reitsberger, fasziniere ihn wegen seiner großen Bandbreite.

"Die Nacht zum Tag werden lassen" war der Kerngedanke, der Otto Reitspergers Fotoserie "Nachthell" zugrunde lag. Mittels analoger Fotografie, extremer Belichtungszeit und dem Vollmond als alleiniger Lichtquelle hat der österreichische Fotograf in Wüsten und am Meer fotografiert.

Entstanden sind stimmungsvolle, malerische Aufnahmen, die eines gemeinsam haben: Sie offenbaren, was das menschliche Auge nicht erfassen kann. Statt nächtlichem Dunkel überraschen die Fotos mit Helligkeit und Farben und sind dabei von einer besonderen Ästhetik. Eindrücklich und flüchtig zugleich machen sie die im Verborgenen liegende Wirklichkeit sichtbar.

Das Eingebundensein des Menschen in die Natur fasziniere ihn, erklärt Reitsperger seine Motivation für die Wahl seiner Fotomotive.

Die Ligurische Küste bei Tellaro, aufgenommen nachts mit extrem langer Belichtung von Otto Reitsperger - Ausschnitt (Otto Reitsperger)Die Ligurische Küste bei Tellaro, aufgenommen nachts (Ausschnitt). (Otto Reitsperger)

"Das wird einem klar, wenn man in der Nacht stundenlang in die Milchstraße schaut. Dann verändern sich mitunter die Größenverhältnisse. Und dieser griechische, philosophische Satz – der Mensch ist das Maß aller Dinge – relativiert sich da ein wenig."

Der ursprüngliche Gedanke hinter dem Buch sei gewesen, nur Wüsten ohne Sonne zu fotografieren. Aber dann habe er beim Fotografieren des Meeres in Marokko entdeckt, dass das Meer auch bei Nacht eine viel größere Bandbreite an Farben und Reflexionen zu bieten habe.

Mit den Texten, die Reitsperger den Fotos beigestellt hat, habe er eine Art Entschleuniger einbauen wollen: Die kleinen Geschichten sollen "ein Verweilen beim Betrachten" bewirken.

Otto Reitsperger, "Nachthell"
Fotobuch, Edition Braus, 2016, 96 Seiten, 29,99 Euro

Mehr zum Thema

Trevor Paglen im Frankfurter Kunstverein - Landschaftsfotografie in Zeiten von Big Data
(Deutschlandradio Kultur, Fazit, 20.06.2015)

Langzeitbelichtung
(Deutschlandfunk, Kultur heute, 27.10.2007)

Wälder und Felder
(Deutschlandfunk, Kultur heute, 27.01.2007)

Lesart

John von Düffel: "Der brennende See"Wie wollen wir leben?
Zu sehen ist das Cover des Buches "Der brennende See" von John von Düffel. (Dumont Verlag / Deutschlandradio)

John von Düffel bleibt in "Der brennende See" bei seinem bevorzugten Element: dem Wasser. Sein Roman über den Klimawandel, die Fridays for Future-Bewegung und über den Generationenkonflikt, der sich daran entzündet, ist aber leider ein wenig zu gut gemeint.Mehr

weitere Beiträge

Buchkritik

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur