Folkmusikerin Beth Orton

Rückkehr einer stillen Könnerin

05:46 Minuten
Die britische Sängerin Beth Orton steht am 7. Februar 2018 bei einem Festivalkonzert in Liverpool auf der Bühne. Sie trägt ein rot-blau-kariertes Hemd und singt in ein Mikrofon.
Zum ersten Mal hat Beth Orton ein Album selbst produziert - und konnte „Weather Alive“ genau so gestalten, wie es ihr vorschwebte. © imago images / ZUMA Wire / Andy Von Pip
Von Jan Paersch · 21.09.2022
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Mit "Weather Alive" meldet sich die britische Folksängerin Beth Orton nach längerer Pause zurück. Das Album ist wie ein Spaziergang durch verschiedene Musikgenres. Was die Songs eint, sind die träumerisch-verrätselten Texte und Ortons fragile Stimme.
Beth Orton ist nie eine für Starallüren bekannte Künstlerin gewesen, im Gegenteil. Es kann nur Koketterie sein, wenn sie nun im Gespräch meint, sich entschuldigen zu müssen. Tut es der 52-Jährigen wirklich leid, dass ihre Stimme nicht mehr so klingt wie früher?
Zumindest eine gewisse Unsicherheit ist Orton anzumerken, jetzt, da sie zum ersten Mal seit sechs Jahren wieder über ein neues Album spricht. Beth Orton hat schon immer so gewirkt, als sei sie für das Haifischbecken Musikindustrie ein bisschen zu sensibel, ein bisschen zu introvertiert. Genau das machte aber auch ihre Stärke aus.

Musik zwischen verschiedenen Genres

Sie ließ die Zartheit und Zerbrechlichkeit in ihrer Stimme zu und ornamentierte damit ganz verschiedene Genres: Dub, TripHop, Country, Folk und Pop. Nun erscheint ein neues Album „Weather Alive“, das sich nur schwerlich einem bestimmten Genre zuordnen lässt.
„Das Album ist von dem beeinflusst, was ich in den letzten zehn Jahren gehört habe. Das war vor allem Jazz-Musik, die ohne Worte Sinn ergibt“, erläutert Orton. „Das ist eingesickert und jetzt kommt es wieder zum Vorschein. Ich habe mich dadurch selbst gebildet – nicht, was das Spielen anging, sondern das Hören. Und dann schrieb ich die neuen Songs auf dem Klavier und ging zurück zu ganz einfachen Mustern mit ein oder zwei Akkorden. Und so entstanden diese modalen, minimalistischen Songs.“

Einflüsse aus Folk und Jazz

Musiker wie Schlagzeuger Tom Skinner von der angesagten britischen Club-Jazzband Sons Of Kemet oder der aufstrebende Saxophonist Alabaster de Plume aus London prägen den Sound von „Weather Alive“.

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Das Album hat Einflüsse aus Folk und Jazz, aber auch die Klangästhetik von Talk Talk spielte eine Rolle. In ihren späten Jahren hatten die Songs dieser so wichtigen englischen Popband etwas Ätherisches, Mäanderndes – daran orientierte sich Orton, als sie dem Album den finalen Mix verpasste.
Zum ersten Mal hat die Britin ein Album selbst produziert  - und konnte „Weather Alive“ genau so gestalten, wie es ihr vorgeschwebt hatte.

Ich weiß, welche Musik ich hören will, aber ich konnte sie nicht finden. Also muss ich sie selbst machen. Das hatte auch etwas Meditatives. Es war ein langer Prozess, wie eine Destillation. Weil ich die ganze Zeit am Prozess beteiligt war, konnte ich destillieren und integrieren. Es wurde nicht verwässert!

Beth Orton

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Beth Orton hat sich immer wieder auf den britischen Folk der 60er- und 70er-Jahre bezogen, und arbeitete mehrfach mit dem legendären Gitarristen Bert Jansch zusammen.

Rückkehr nach England

Nach mehreren Jahren in den USA zog sie 2015 zurück in ihre Heimat England und erholte sich von einer langen Krankheit. Während sie an den Songs für „Weather Alive“ schrieb, ermöglichte ihr ein Kulturstipendium, sich auf dem Land östlich von Cambridge ganz auf ihre Kunst zu konzentrieren.
„Der Komponist Benjamin Britten hatte zu Lebzeiten ein Haus in Suffolk, da konnte ich eine Woche lang arbeiten. Ich unternahm diese langen Spaziergänge und musste dabei weinen. Es war so verdammt schön dort! Zurück nach England zu ziehen half mir, eine Verbindung zur Natur zu schaffen, das war wichtig für die Platte."

Fragil und dennoch intensiv

Naturmystik und träumerische, verrätselte Texte, mit denen Beth Orton auch private Traumata wie den frühen Verlust ihrer Mutter verarbeitet, machen „Weather Alive“ zu einem Album, das man mit Fug und Recht als „deep“ bezeichnen kann. Die langsam groovende Musik und Ortons fragile und doch zugleich intensive Stimme tun ihr Übriges. Die grandiose Platte einer Könnerin, die bis heute bescheiden geblieben ist.

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