Seit 17:30 Uhr Nachspiel

Sonntag, 08.12.2019
 
Seit 17:30 Uhr Nachspiel

Der Theaterpodcast | Beitrag vom 13.11.2019

Folge 19Versteinerte Strukturen: Machtmissbrauchsdebatte im Theater

Von Susanne Burkhardt und Elena Philipp

Beitrag hören Podcast abonnieren
Eine, in Stein gemeißelte, Frauenfigur mit einer antiken griechischen Maske. (picture alliance / dpa / Mary Evans Picture Library)
Im Theater geht es nicht viel anders zu als in anderen Teilen der Gesellschaft, hat die Studie "Macht und Struktur im Theater" herausgefunden. (picture alliance / dpa / Mary Evans Picture Library)

Prekäre Arbeitsbedingungen und Machtmissbrauchsfälle: Im deutschen Theatersystem stehen dringende Reformen aus. Ein Podcast über Probleme und Lösungsvorschläge.

Aufrüttelnd sind die Ergebnisse der Studie "Macht und Struktur im Theater", die vor kurzem erschienen ist: Mehr als die Hälfte der Künstlerinnen und Künstler an deutschsprachigen Theatern hat verbale Übergriffe oder psychische Bedrohungen erlebt. Überstunden und geringe Bezahlung bei unsicherer Beschäftigung sind vielerorts ihr Alltag. Haben Konflikte zwischen Theaterleitern und ihrer Belegschaft, Diskriminierung und übergriffige Arbeitsweisen also System?

Dieser Frage widmen sich Susanne Burkhardt und Elena Philipp mit ihren Gesprächspartnerinnen und -partnern in Folge 19 des Theaterpodcast.

Selbstgerechte und wenig moderne Theaterwelt

Für Thomas Schmidt, den Autor der genannten Studie, zeugen die Theaterkrisen von einer archaischen, selbstgerechten und wenig modernen Theaterwelt, deren Organisationskultur einer Erneuerung bedarf. Schon 2016 plädierte der Professor für Theatermanagement in Frankfurt am Main und ehemalige Geschäftsführer am Nationaltheater Weimar in seinem Buch "Theater, Krise und Reform" für Veränderungen. Heute wirkt sein Appell noch dringlicher, denn trotz #MeToo und offener Strukturdebatten ist aus seiner Sicht bislang viel zu wenig passiert.

Reformen sind längst im Gange

Dem widerspricht Kathrin Mädler, Intendantin des Landestheaters Schwaben und Co-Vorsitzende der Intendantengruppe im Deutschen Bühnenverein: Ihr zufolge sind Reformen längst im Gange. 

Die Schauspielerin Eva Löbau ist seit einem Jahr Ensemblemitglied an den Münchner Kammerspielen und persönlich von Machtmissbrauch nicht betroffen. Wie nimmt sie, die lange eher in der Freien Szene und beim Film beschäftigt war, die Diskussion um hierarchisch auf einen Intendanten zentrierte Theater wahr?

Noch nicht von "Selbstausbeutung befreit"

"Von der Selbstausbeutung befreit" hat sie sich zwar noch nicht, wie sie im Podcast erzählt. Und doch hat sie für sich ein Arbeitsmodell gefunden, das künstlerisch erfüllend ist und finanziell trägt. Reformbedarf sieht die als Fernsehkommissarin im Schwarzwald-Tatort bekannte Schauspielerin gleichwohl, etwa in der Ausbildung. Mut machen ihr und auch Thomas Schmidt die jungen Künstlerinnen und Künstler. Selbstausbeutung ist bei ihnen weniger en vogue, sie organisieren sich schlagkräftig im Verein Ensemble Netzwerk, ihnen gehört die Zukunft.
Hören Sie zum Thema auch ein Interview mit der Theaterintendantin Kathrin Mädler.

Mehr zum "Theaterpodcast"

Einmal im Monat greift Der Theaterpodcast die wichtigen Debatten rund um das Theater und seine Macher und Macherinnen auf. Über die Kunst und den Betrieb, in dem immer noch zu wenig Frauen das Sagen haben, sprechen zwei Theaterredakteurinnen, Susanne Burkhardt vom Deutschlandfunk-Kultur-Theatermagazin Rang 1 und Elena Philipp vom Online-Portal nachtkritik.de.

Die Stimmen: Susanne Burkhardt studierte Kulturwissenschaft, Betriebswirtschaft und Theaterwissenschaft an der Humboldt-Universität Berlin und in London (Middlesex University). Sie ist Diplom-Medienberaterin und begann ihre Radio-Karriere als Hörspielregieassistentin beim Sender Freies Berlin (später RBB). Nach einem Volontariat beim Deutschlandradio ist sie seit 2001 Redakteurin, Autorin und Moderatorin beim Deutschlandfunk Kultur ("Fazit", "Rang 1 – Das Theatermagazin").

Elena Philipp studierte in Freiburg Politik und Soziologie, entschied sich nach einer Regiehospitanz aber für ein Studium der Theater-, Film und Literaturwissenschaft in Berlin. Dort arbeitete sie für Tanzfestivals, gründete ein Literaturmagazin und ein Text-Ton-Festival mit und etablierte beim Literaturwettbewerb Open Mike das Livebloggen. Seit 2006 schreibt sie für Tageszeitungen und Fachmedien über Theater und Tanz. 2017 wurde sie Redakteurin beim Online-Theaterfeuilleton nachtkritik.de.

Mehr zum Thema

Folge 18 - Leuchtendes Allzweckmittel: Video und Film auf der Bühne
(Deutschlandfunk Kultur, Der Theaterpodcast, 02.10.2019)

Folge 17 - Wirtschaftswunder, Winnetou und Wurst?
(Deutschlandfunk Kultur, Der Theaterpodcast, 05.09.2019)

Folge 16 - Verschwendung oder Verantwortung: Theater und Klimawandel
(Deutschlandfunk Kultur, Der Theaterpodcast, 08.08.2019)

Fazit

Ersan Mondtags "Die Verdammten" in KölnUnter Untoten
Eine lange Tafel, an deren beiden Enden zwei Frauen sitzen. Eine Frau sitzt auf dem Tisch. Im Hintergrund ist ein überdimensioniertes Foto eines Babys zu sehen. Dahinter ist eine Treppe zu sehen, auf deren oberen Ende ein Mann sitzt. Über allem liegt eine Schicht weiße Federn. (Birgit Hupfeld / Schauspiel Köln)

Ersan Mondtag inszeniert Luchino Viscontis „Die Verdammten“ am Schauspiel Köln. Das Stück über eine deutsche Industriellenfamilie, die sich mit den aufstrebenden Nationalsozialisten einlässt, lässt für unseren Kritiker Michael Laages Fragen offen.Mehr

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur