Kinderpornografie-Skandal um Florian Teichtmeister

Absturz eines Burgtheater-Schauspielers

Ein Mann in mittlerem Alter mit dunklem Schnurrbart und hoher Stirn hat die linke Hand zur Faust geballt.
Der Wiener Schauspieler Florian Teichtmeister muss sich vor Gericht verantworten. Seinen Job am Burgtheater hat er bereits verloren. © picture alliance / dpa / Florian Wieser
25.01.2023
Der Schauspieler Florian Teichtmeister ist wegen des Besitzes von Kinderpornografie angeklagt. Der Prozess gegen den 43-Jährigen findet am 8. Februar statt. Das Wiener Burgtheater hat ihn entlassen. Teichtmeister sei geständig, sagt sein Anwalt.

Was wird Florian Teichtmeister vorgeworfen?

Dem österreichischen Schauspieler Florian Teichtmeister wird nach staatsanwaltschaftlichen Angaben der Besitz von 58.000 Dateien vorgeworfen, die sexuellen Missbrauch von Minderjährigen zeigen. Die Opfer sind teilweise unter 14 Jahre alt. Teichtmeister droht deswegen eine Strafe von bis zu zwei Jahren Haft.
Diese Abbildungen wurden nach einer Anzeige seiner Lebensgefährtin bei einer Hausdurchsuchung gefunden. Hinzu kommt der Vorwurf der Körperverletzung, gefährlichen Drohung und des Drogenbesitzes.

Bleibt der Film "Corsage" trotzdem Oscar-Kandidat?

Im Kino war Teichtmeister zuletzt in Marie Kreutzers Film "Corsage" zu sehen. Der Film wurde für die Oscars eingereicht. Die Verantwortlichen des Films und der zuständige Fachverband beschlossen "in Abstimmung mit der Regisseurin und den Produzenten", die Oscarkandidatur von "Corsage" beizubehalten. "Teichtmeister ist nicht 'Corsage' und seine Person ist von der herausragenden künstlerischen Leistung der Regisseurin Marie Kreutzer und dem Film 'Corsage' selbst klar zu trennen", sagte der Fachverbandschef Alexander Dumreicher-Ivanceanu.
In dem Film "Corsage" über Kaiserin Elisabeth (Sisi) von Österreich-Ungarn spielt Teichtmeister den Kaiser Franz Josef. Er steht auf der Shortlist von 15 nicht englischsprachigen Werken, aus denen die US-Filmakademie Ende Januar fünf Finalisten für den Wettbewerb um den Oscar für den besten fremdsprachigen Film auswählen wird.

Was passiert gerade in den Mediatheken und Kinos?

Das öffentlich-rechtliche Fernsehen in Österreich entfernt sämtliche Filme, in denen Teichtmeister auftritt, aus dem Programm. Der ORF nehme "mit sofortiger Wirkung" Abstand von "Herstellung und Ausstrahlung" von Produktionen mit Teichtmeister, teilte der Sender mit.
Dem ORF zufolge hat zudem die Kinokette Cineplexx den Film "Corsage" mit Teichtmeister aus seinen 400 Kinosälen verbannt. Das Werk war vom öffentlich-rechtlichen Rundfunk mitfinanziert worden.
Wie am 25. Januar bekannt wurde, zieht auch das ZDF Konsequenzen aus dem Fall. Der Sender will vorerst keine Filme mehr zeigen, in denen Florian Teichtmeister auftritt. Dies betrifft etwa die aktuelle Krimi-Reihe "Die Toten von Salzburg", in der Teichtmeister seit 2016 mitspielt. Eine ZDF-Sprecherin sagte, nach Abschluss des Gerichtsverfahrens werde man über das weitere Vorgehen beraten.

Wer ist Florian Teichtmeister?

Seit der Spielzeit 2019/20 war er Ensemblemitglied im Burgtheater, der wichtigsten österreichischen Sprechbühne. Zuvor war er 14 Jahre im Ensemble des Theaters in der Josefstadt, ebenfalls in Wien, wo er auch seine Schauspielausbildung absolvierte.

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Neben seiner Tätigkeit am Theater wirkte Teichtmeister in zahlreichen Film- und Fernsehproduktionen mit, zum Beispiel in „SOKO Kitzbühl“ und „Kommissar Rex“, zuletzt im Historienfilm „Corsage“. Auch in einer Berliner Opernproduktion stand der gebürtige Wiener auf der Bühne – 2019 als Papageno in Mozarts „Zauberflöte“ in der Staatsoper Unter den Linden.

Was sagt sein Rechtsbeistand?

Teichtmeister werde sich vor Gericht schuldig bekennen und übernehme die volle Verantwortung, teilte sein Anwalt Michael Rami mit. „Er war im gesamten Ermittlungsverfahren geständig und hat immer mit den Behörden kooperiert“, schrieb Rami. Sein Mandant habe selbst keine strafbaren Handlungen gegen andere Personen gesetzt, es handle sich deshalb um ein „rein digitales Delikt“ – das wird offensichtlich die Verteidigungslinie.
Teichtmeister sei seit zwei Jahren in psychologischer Behandlung, „die es ihm ermöglicht, seine seelischen Probleme aufzuarbeiten, die ihn zum Besitz der besagten Dateien gebracht haben“.

Seit wann gab es Hinweise auf den Besitz von Kinderpornografie?

Das Burgtheater und sein Intendant Martin Kušej berichten, nach dem Aufkommen entsprechender Gerüchte und Medienberichte im September 2021 sei ein Gespräch mit dem Schauspieler geführt worden. „Florian Teichtmeister hat damals die Vorwürfe vehement und glaubhaft bestritten“, heißt es in der zweiten Stellungnahme vom 15. Januar.
„Er hat die Anzeige gegen ihn als Reaktion auf einen Konflikt mit seiner ehemaligen Partnerin dargestellt. Florian Teichtmeister teilte uns mit, dass er alle Computer, Datenträger und sein Handy ausgehändigt hätte und alle Vorwürfe sich sehr bald entkräften werden.“
Von den Taten von Florian Teichtmeister, seinem Schuldeingeständnis und seiner Kooperation mit den Ermittlern habe man erst am 13. Januar 2023 aus den Medien erfahren.

Wie reagierte sein Arbeitgeber, das Wiener Burgtheater?

Die Theaterdirektion gab am 13. Januar die fristlose Entlassung von Teichtmeister bekannt: Das Arbeitsverhältnis des Ensemblemitglieds sei mit sofortiger Wirkung beendet worden. Das Haus habe von den Ermittlungsergebnissen und dem Prozess „mit großem Entsetzen“ aus den Medien erfahren, teilte die Direktion mit.
Für Teichtmeister gelte jedoch die Unschuldsvermutung, hieß es in einem ersten Statement. „Die Presseerklärungen seiner Anwälte sprechen von ‚geständig‘ und ‚schuldig bekennen‘, es besteht für uns daher kein Zweifel, dass wir mit sofortiger Wirkung Florian Teichtmeister entlassen. In der Zwischenzeit hat Florian Teichtmeister sein Arbeitsverhältnis mit dem Burgtheater mit sofortiger Wirkung beendet.“
Quellen: dpa, ORF, Burgtheater Wien, WKÖ, cre
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