Donnerstag, 22.10.2020
 

Lesart | Beitrag vom 18.07.2020

Florian J. Schweigert: "Insekten essen" Mehlwürmer als Hackfleischersatz

Florian J. Schweigert im Gespräch mit Christian Rabhansl

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Illustration: eine Hand hält einen Löffel voller Insekten. (Getty / fStop Images / Malte Müller)
Mindestens 2000 Insektenarten seien essbar, sagt der Ernährungswissenschaftler Florian Schweigert. (Getty / fStop Images / Malte Müller)

Grille am Spieß, Käferbratlinge oder ein "leckerer Müsliriegel auf Insektenbasis": Für Florian Schweigert sind Insekten das Nahrungsmittel der Zukunft. In seinem Buch "Insekten essen" erklärt er, wie es auch hier und jetzt schon funktionieren könnte.

Die meisten Menschen hierzulande dürften die Vorstellung, Insekten zu essen, ekelhaft finden. Dabei sind Insekten doch – glaubt man dem Titel des neuen Buches des Ernährungswissenschaftlers Florian Schweigert – das "Nahrungsmittel der Zukunft". 

Zum einen, weil sie wegen der darin enthaltenen Mineralstoffe, Spurenelemente, Fette und Eiweiße eine hochwertige Nahrung seien, sagt Schweigert. "Und zum Zweiten ist die Produktion von Insekten ökologisch, was die Umwelt betrifft, landwirtschaftliche Nutzfläche, CO2, Futterverbrauch und so weiter deutlich anderen tierischen Eiweißquellen überlegen."

Zwei Milliarden Menschen essen Insekten

Für immerhin zwei Milliarden Menschen auf der Welt seien Insekten regelmäßiger Bestandteil ihrer Ernährung, betont der Ernährungswissenschaftler. Nur: Wie überzeugt man denn Rest? Immerhin seine Familie hat Schweigert inzwischen so weit, dass sie Insekten essen, wenn auch ohne großen Enthusiasmus, wie er einräumt. Viel hänge dabei von der Zubereitungsform ab: 

"Wenn ich die Würmer noch eindeutig sehe, ist es schwieriger zu akzeptieren und zu essen, als wenn die Würmer zerhackt, zerkleinert, verarbeitet sind und dann nicht mehr wahrnehmbar sind", so Schweigert. "Denn geschmacklich nimmt man das nicht als besonders außergewöhnlich wahr, sondern es kommt auf die Würzung und Verarbeitung an."

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Auch müsse man natürlich wissen, wie man mit der ungewohnten Nahrung umgeht. "Relativ einfach" züchten ließen sich etwa Mehlwürmer und Mehlkäfer sogar zu Hause. "Man besorgt sich entweder aus dem Zoohandel oder aus dem Internet bestellbare Mehlwürmer, bereitet Wannen vor, in denen man Futter vorgibt, Kleie und Mehl", erklärt der Ernährungswissenschaftler. "Man muss dann die Tiere pflegen, man muss die Würmer von den abgestorbenen trennen, die sich Verpuppenden herausnehmen, weil die Käfer dann wieder die Eier fressen."

Wenn die Mehlwürmer verzehrreif seien, würden sie zunächst bei minus 20 Grad schockgefrostet. "Dadurch, dass es wechselwarme Tiere sind, wird ihr Stoffwechsel heruntergefahren, und sie sterben dann." Dann könne man sie frittieren, zu Mehl verarbeiten oder als Hackfleischersatz verwenden. "Und damit haben Sie ein hochwertiges Eiweiß, das nicht unbedingt von der Massentierhaltung kommt, sondern aus Ihrer eigenen Tierhaltung im Keller", sagt Schweigert.

"Leckerer Müsliriegel auf Insektenbasis"

Er selbst isst am liebsten Insekten-Müsli-Riegel. Im Prinzip seien die wie die "Desert Fruit Cakes", die die ersten Siedler in den USA den Indianern abgeschaut hätten: 

"Die haben Insekten mit Honig und Nüssen und Beeren vermischt und haben daraus Riegel gemacht, die sie dann als Proviant, energie- und proteinreich, genutzt haben", sagt Schweigert. "Das mache ich auch gerne, wenn, zerkleinere ich die Insekten in der getrockneten Form, mische die in die Insektenriegel mit Nüssen, Honig, Sirup zusammen, trockne das Ganze – und habe dann über längere Zeit einen leckeren Müsliriegel auf Insektenbasis."

(uko)

Florian J. Schweigert: "Insekten essen. Gebrauchsanweisung für ein Nahrungsmittel der Zukunft"
Verlag C.H. Beck 2020
159 Seiten, 12,95 Euro

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