Mobbing-Vorwürfe: Letztes Film Festival Cologne mit Martina Richter?

Vor zwei Jahren erschütterten offene Briefe das Film Festival Cologne. Mitarbeitende warfen der Leiterin Martina Richter Machtmissbrauch und Mobbing vor. 2026 könnte nach Recherchen von Deutschlandradio das letzte Festival unter ihrer Leitung sein.
Beim Film Festival Cologne stehen in den kommenden Monaten womöglich einschneidende Veränderungen an: Wie mehrere Personen aus der Branche übereinstimmend berichten, soll die Film- und Medienstiftung NRW das Festival von der langjährigen Leiterin übernehmen.
Das Film Festival Cologne – ehemals Cologne Conference – ist ein Film- und Fernsehfestival, das einmal im Jahr in Köln stattfindet. Es gilt als wichtiges Branchentreffen und Publikumsfestival in Nordrhein-Westfalen. In der Vergangenheit waren unter anderem David Lynch, Jane Campion und Luca Guadagnino zu Gast.
Geleitet wird das Festival seit vielen Jahren von Martina Richter. Sie ist die alleinige Inhaberin der Cologne Conference GmbH, die das Filmfest ausrichtet. Geldgeber sind das Land Nordrhein-Westfalen, die Stadt Köln und die Film- und Medienstiftung NRW. Letztere soll das Festival in Zukunft übernehmen.
Zukunft des Film Festivals Cologne: Übernahme durch die Filmstiftung NRW?
Nach Informationen von Deutschlandradio laufen bereits seit einiger Zeit Gespräche zwischen Martina Richter und Vertretern der Film- und Medienstiftung NRW. Ursprünglich hatten die Beteiligten gehofft, schon zur diesjährigen Festivalausgabe Ergebnisse präsentieren zu können, zu einer Einigung ist es bislang aber offenbar nicht gekommen.
Auf Anfrage wollte sich niemand der Beteiligten zu dem geplanten Verkauf äußern. In einer Mitteilung der Filmstiftung heißt es, "zu einer möglichen gesellschaftsrechtlichen Neuordnung der Cologne Conference GmbH bzw. einer Beteiligung öffentlicher Gesellschafter" könne man keine Angaben machen.
Die Stadt Köln wiederum dementiert die Verhandlungen nicht, ist demnach aber selbst nicht unmittelbar daran beteiligt.
Bereits vor einigen Jahren gab es Pläne, das Festival in eine öffentliche Trägerschaft zu überführen. Damals sollte eine öffentlich getragene Gesellschaft gegründet werden, an der das Land NRW (50,1 Prozent), die Stadt Köln (39,9 Prozent) und Martina Richter selbst (10 Prozent) beteiligt gewesen wären.
Dieses Vorhaben wurde jedoch nie umgesetzt. Diesmal geht es nach Angabe der Branchen-Insider um einen vollständigen Verkauf. Welche Rolle das Land NRW und die Stadt Köln bei den aktuellen Plänen in Zukunft spielen werden, ist offen.
Machtmissbrauch und falsche Zahlen: Die Vorwürfe gegen Martina Richter
In zwei offenen Briefen hatten Mitarbeitende Martina Richter vor zwei Jahren unter anderem einen autoritären Führungsstil sowie einen intransparenten Umgang mit öffentlichen Fördermitteln vorgeworfen. Deutschlandradio hatte die Vorwürfe in einer
Doku
aufgegriffen und weitere Details öffentlich gemacht.
Unter anderem berichteten mehrere ehemalige Mitarbeitende davon, wie sehr sie das Betriebsklima belastete. Aus internen Unterlagen geht zudem hervor, dass öffentliche Angaben des Festivals zu Ticketverkäufen und Besuchszahlen nicht mit Zahlen übereinstimmen, die intern dokumentiert wurden. Martina Richter selbst wies die Vorwürfe zurück. Eine Erklärung für die Diskrepanz bei den Zahlen lieferte das Festival nicht.
Geldgeber: Vorfälle sind aufgearbeitet
Ein direkter Zusammenhang ist nicht bekannt. Alle drei Geldgeber haben unabhängig voneinander erklärt, dass die Vorfälle aus ihrer Sicht aufgearbeitet sind. In einer Mitteilung der Film- und Medienstiftung etwa heißt es, dass die Festivalleitung nach Kenntnis der Stiftung verschiedene Maßnahmen ergriffen habe, um die internen Konflikte aufzuarbeiten und die Zusammenarbeit zu verbessern.
Als Beispiele nennt die Stiftung Gespräche, Workshops und moderierte Formate. Ähnlich äußert sich auch die Staatskanzlei des Landes Nordrhein-Westfalen.
Mit Blick auf die Unstimmigkeiten bei den Besuchszahlen teilt die Film- und Medienstiftung mit, man sei den Vorwürfen nachgegangen. Allerdings könne man die Zahlen nicht prüfen. Zudem gehöre die Höhe der Besuchszahlen nicht zu den Förderauflagen und sei keine Fördervoraussetzung.
Die Recherchen von Deutschlandradio im letzten Jahr hatten gezeigt, dass bei den Festivals 2023 und 2024 jeweils weniger als 20.000 Ticketverkäufe registriert wurden. Gegenüber den Förderern und der Öffentlichkeit wurden allerdings jeweils mehr als 30.000 Besucherinnen und Besucher kommuniziert.
Orientierung am Vorbild Filmfest Hamburg
Bisher wird das Film Festival Cologne von einer privaten GmbH veranstaltet, die zu hundert Prozent der Leiterin Martina Richter gehört. Finanziert wird das Festival aber weitgehend aus öffentlichen Geldern. In den Jahren 2023 und 2024 belief sich die Förderung auf jeweils 1,09 Millionen Euro, 2025 sowie in diesem Jahr sind es 890.000 Euro. Die Reduzierung um 200.000 Euro begründete die Staatskanzlei von NRW mit „allgemeinen Haushaltskonsolidierungen“.
Nun könnte die Filmstiftung NRW das Festival von Martina Richter kaufen. Die Stiftung ist eine der größten Film- und Medienförderinstitutionen in Deutschland und Europa. Ihre Hauptaufgabe ist nach eigenen Angaben die kulturelle und wirtschaftliche Stärkung der Film- und Medienlandschaft in Nordrhein-Westfalen. Gesellschafter sind das Land NRW (40 Prozent), der WDR (40 Prozent), das ZDF (10 Prozent) und RTL (10 Prozent).
Sollte das Festival tatsächlich Teil der Film- und Medienstiftung werden, dann würden sich die Strukturen denen von Hamburg angleichen. Dort gibt es ein ähnliches Modell.
Das Filmfest Hamburg wird von einer gemeinnützigen GmbH ausgerichtet, die aber eine 100-prozentige Tochtergesellschaft der MOIN Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein ist. Die wiederum wird maßgeblich von der Freien und Hansestadt Hamburg getragen, sodass das Filmfest direkt den Compliance-Richtlinien für öffentliche Unternehmen der Stadt Hamburg unterliegt.
Wer übernimmt künftig die Festivalleitung?
Viele Details zum möglichen Verkauf sind derzeit allerdings noch offen. Weder ist klar, woher das Geld für den Kauf kommt, noch wie hoch der Kaufpreis wäre. Auch wie sich das Festival inhaltlich aufstellen und wer in Zukunft die Leitung übernehmen wird, lässt sich aktuell nicht sagen. Ebenfalls unklar ist bisher, welche Rolle die Stadt und das Land bei den Gesprächen spielen, und inwieweit sie in Zukunft an dem Festival beteiligt sein werden.
Was das derzeitige Arbeitsklima beim Film Festival Cologne angeht, hört man von Mitarbeitenden, dass sich der Ton zum Teil entspannt haben soll. Gleichzeitig gebe es aber wieder Personalwechsel, auch noch kurzfristig vor dem Festival – was auf Konflikte schließen lässt.
Intern soll Martina Richter auch noch nichts dazu gesagt haben, dass sie eventuell aufhören wird. Wer auch immer das Festival in Zukunft führen wird: Sie oder er dürfte einiges zu tun haben, um die Infrastruktur und das Arbeitsklima zu verändern.



















