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Frühkritik | Beitrag vom 26.11.2020

Film der Woche: "Der wunderbare Mr. Rogers"Warmherzige Geschichte über eine TV-Legende

Von Jörg Taszman

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Tom Hanks sitzt in einer Filmszene als Fred Rogers auf einem Sofa. (picture alliance / Everett Collection / TriStar Picture / Lacey Terrell)
Einer der nettesten Hollywoodstars in seinem Element: Tom Hanks als "Der wunderbare Mr. Rogers". (picture alliance / Everett Collection / TriStar Picture / Lacey Terrell)

Ein ungleiches Männerpaar: Der zynische Journalist Lloyd Vogel soll den stets freundlichen Moderator Fred Rogers porträtieren. Beindruckend in "Der wunderbare Mr. Rogers" ist die sanfte Verwandlung von Tom Hanks in den etwas schrägen Titelhelden.

Worum geht es?

Fred Rogers ist eine Institution im amerikanischen Fernsehen. Mit seiner Kindersendung "Mister Rogers’ Neighborhood" sind ganze Generationen von Amerikanern aufgewachsen. Der stets freundliche Gastgeber erklärt nicht nur Kindern die Welt, sondern beeindruckt sie auch als Puppenspieler und Entertainer.

Nun soll ausgerechnet der arrogante und aufbrausende New Yorker Journalist Lloyd Vogel ein nur 400 Wörter langes Porträt über Rogers schreiben, der dafür berüchtigt ist, oft vernichtende Artikel über diejenigen zu verfassen, die er interviewt. Aber der etwas schräge, liebenswürdige Fred Rogers bietet Lloyd Vogel in seinen Heimatstudios in Pittsburgh keine Angriffsflächen. Im Gegenteil: Rogers nimmt regen Anteil am Privatleben Vogels und dessen zerrütteten Verhältnis zu seinem Vater. Das bleibt auch bei dem hartgesottenen Zyniker und Egomanen nicht folgenlos.

Was ist besonders?

Ästhetisch durchaus anspruchsvoll wechselt der Film die Formate. Immer wieder sieht man alte 4:3-Videoaufnahmen aus einem TV Studio, die an eine längst vergessene TV-Ära erinnern. Man sieht die US-Städte Pittsburgh und New York als knallbunte Miniatursets und nur die Spielfilmhandlung erfolgt dann zwar im breiteren Kinoformat, arbeitet jedoch bewusst mit einer traditionellen Bildsprache, die ebenfalls eher in den 1980er-Jahren verhaftet ist.

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Beeindruckend ist auch die sanfte Verwandlung von Tom Hanks, der mit größeren Augenbrauen und einem adretten Haarschnitt zwar immer noch wie Tom Hanks aussieht, aber leicht verfremdet und durch seine übertriebene, amerikanische Freundlichkeit und die sanfte Stimme zunächst fast unheimlich wirkt. Als trainierter Kinozuschauer vertraut man heute freundlichen Männern nicht mehr uneingeschränkt. Genau das macht den Reiz der Figur aus.

Bewertung

Das ungleiche Männerpaar verkörpern Tom Hanks und Matthew Rhys auf ideale Weise. Beide spielen dabei gekonnt mit ihrem Image. Hanks (der für diese Rolle für den Oscar als bester Nebendarsteller nominiert war) gilt schon seit Jahrzehnten als einer der nettesten und angenehmsten Hollywoodstars und so nimmt man ihm, diesen mitunter fast bedrohlich lieben TV-Entertainer sofort ab. Matthew Rhys begeisterte jahrelang Fans als russischer Sleeper-Spion in "The Americans" und vermag komplexe, auch nicht immer sympathische Figuren glaubhaft darzustellen.

Die Regie von Marielle Heller ist eher unauffällig, die Story um Versöhnung und Vergeben durchaus vorhersehbar. Dennoch tut dieser warmherzige Film, der in den USA genau vor einem Jahr in die Kinos kam und ein großer Erfolg wurde, in diesen trüben Pandemiezeiten ohne Lichtspieltheater und kulturelle Abwechslung einfach gut. Obwohl gleichzeitig auf VOD und DVD erschienen, lohnt sich vor allem die DVD durch die vielen Extras, erweiterte Szenen und wichtige Hintergrundinformationen.

Der wunderbare Mr. Rogers (A Beautiful Day in the Neighborhood)
Regie: Marielle Heller
Mit Tom Hanks, Matthew Rhys und Chris Cooper
USA 2019, 109 Minuten

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