Fertig ist unsexy

Von Ralph Glander · 28.01.2013
Trillerpfeifen aus dem 3D-Drucker, selbstgebaute Spielecomputer: Selbermachen ist so angesagt wie nie zuvor und eine richtige Kultur und Bewegung. Berndi Slawik kann zum Beispiel mit seinem Smartphone, sein Zimmer fernsteuern.
Berndi Slawik: "Hier seh' ich noch einen Button, wo Alarm drauf steht – Ja, das schaltet den Sensor für die Tür an. Also wenn ich da drauf klick, dann geht hier über der Tür das rote Licht an. Und wenn dann jemand die Tür aufmacht - Alarm - muss sein! – Und was bringt das? – Die Frage stell' ich mir nie.

Die Do-It-Yourself-Bewegung der Gegenwart ist kreativ, manchmal schräg und unglaublich vielseitig. Gebastelt, geschraubt, programmiert und gelötet wird von den DIY-Fans mittlerweile eigentlich nahezu alles. Das reicht von selbstgemachten Visitenkarten über 3D-Drucker bis zur Kreissägeblattschleuder.

Selbermachen ist eine regelrechte Bewegung geworden: sexy, cool und zeitgemäß. Einer der geistigen Väter dieser Bewegung ist Dale Dougherty: Er ist Gründer des DIY-Magazins "Make" und der weltweit größten Erfindermesse "Maker Faire". Mit seiner Zeitschrift hat er den Bastel- und Baufreaks eine vielbeachtete Plattform gegeben. "Make" hat die DIY-Szene in einen breiteren Kontext gesetzt.

""Machen ist eine Geisteshaltung. Und ich weiß nicht, wie wir durch den Tag kommen sollen, ohne irgendwas zum Laufen zu bringen. Ich glaube, dass wir irgendwann mal da angekommen sind, wo wir uns als Konsumenten verstehen, also als Käufer von Sachen. Dabei würde nicht einmal ein durchschnittliches Handy funktionieren, wenn wir es nicht dazu bringen würden.

Aber ich meine damit auch, dass wir Menschen sind. Mittlerweile werden viele von uns Macher, um sich auszudrücken. Um zu kommunizieren. Um unsere Interessen und die Dinge, die wir machen und tun wollen, auszutauschen.

Dahinter steht die Idee, an etwas teilzuhaben anstatt nur zu konsumieren. Die Idee, die Welt um uns herum zu gestalten und zu verbessern, wie wir sie schön finden.

Wir sollen die Welt also so umbauen, wie sie uns gefällt. Zentral ist dabei für Dale Dougherty immer auch die soziale Komponente. Durch das Internet ist es mittlerweile möglich sich weltweit mit gleichgesinnten Bastel-Freaks auszutauschen und seine Projekte einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen:

""Durch das Internet können wir viel leichter Kontakte aufbauen und Leute finden. Heute kannst du dir ansehen, wie Leute über ihre DIY-Projekte bloggen, schreiben, Fotos und Videos davon machen und sie so im Netz mit anderen teilen. Und sie bekommen dann Feedback aus aller Welt.

Der Austausch ist sehr wichtig. Was die Macherbewegung von reinen Erfindungen und reiner Kunst unterscheidet, ist dieses Verlangen danach, sich auszutauschen. Und dabei geht es nicht nur um die Erfindung selbst, sondern auch um die Entwicklung davon, die Geschichte, die dahinter steckt. Wir sprechen mittlerweile von Open-Source-Hardware."

Open Source ist im DIY ohnehin das Wort der Stunde: Die Macher mögen sich nicht länger vor vollendete Tatsachen stellen lassen. Sie wollen selber bestimmen, was man wie mit einem Produkt machen kann. Das ist auch die Motivation hinter dem Projekt Open Pandora – einem extrem leistungsstarken Open Source-Spielecomputer für unterwegs.

Entwickelt wurde der in jahrelanger Arbeit von den drei engagierten Hackern Michael Mrozek, Craig Rothwell und Fatih Kilic. Das Besondere: Von Anfang an wurde die Internet-Community mit in den Entwicklungsprozess eingebunden. Der Ehrgeiz bestand auch darin, den restriktiven Systemen der großen Hersteller wie Sony oder Apple entgegenzusteuern. Den Spielehandheld kann man mittlerweile auch kaufen.

Ein reinrassiges DIY-Produkt auf dem Markt? Entwickler Michael Mrozek sieht da aber ein paar Probleme:

"Also bei Do It Youself ist richtig viel Kohle gar nicht drin. Sobald man sagt, dass man das Produkt richtig auf den Markt bringen will heißt dass: Man muss das ganze vorfinanzieren, einen richtigen Businessplan aufstellen, man muss alles in trockenen Tüchern haben. Dann ist es aber eigentlich kein Do It Youself mehr. Dann entwickelt man was, wie jede andere Firma auch, gibt’s dann in Produktion und vermarktet das Ganze. Damit ist Do It Youself aber dann vorbei. Jeder der Do It Youself macht sieht da erst mal nicht das große Geld dahinter. Der sieht primär den Spaß. Wenn sich da dann irgendwas entwickelt und größer wird ist das eine andere Geschichte. Aber dann wird’s eine richtige Firma, die sich eine ganze Menge Mitarbeiter und Fachkräfte dafür leistet."

Investoren müssen also draußen bleiben. Im Do-It-Youself-Zentrum steht immer zuerst der Spaß an der Sache und das Ausloten der eigenen Fähigkeiten. Und das gilt nicht nur für ausgewiesene Technik-Freaks und Computer-Geeks. Wir alle sind in der Lage irgendetwas selber zu machen. Es muss ja nicht immer mit Kabeln, blinkenden Lichtern und Zahlencodes zu tun haben. Die Macher-Kultur wie sie Make-Magazine-Gründer Dale Dougherty versteht weitet sich auch in alle anderen Lebensbereiche aus. Um Teil der Macher-Kultur zu werden, muss man kein Hacker sein. Jeder ist willkommen:

"Hier ist ein einfaches Beispiel, das mehr aus der Welt von Martha Stewart als vom Make-Magazin kommt. Und das geht so: Warum bäckt jemand einen Kuchen für Freunde, die zu Besuch kommen? Du könntest ja auch in den Supermarkt gehen und einen kaufen. Ich glaube, dass man die Arbeit auf sich nimmt und etwas selber für jemanden macht, ist ein gesellschaftliches Signal. Wenn dich jemand fragt, ob du den Kuchen selber gemacht hast, und du sagst ja, dann gibt es ein Gespräch darüber.

Wenn du aber sagst: Nein, den habe ich im Supermarkt gekauft, wird das Gespräch auf eine etwas unangenehme Art und Weise beendet. Selbermachen gibt Aufschlüsse darüber, wofür wir uns interessieren, wer wir sind und was wir tun. Und dieser Kuchen wird so zu einem Indikator für unseren Persönlichkeitsausdruck: Er sagt etwas über dich und dein Verhältnis zu anderen Leuten aus."


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