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Kompressor | Beitrag vom 03.06.2015

Feministinnen-Preis für Muppets-FigurMiss Piggy als Frauenrechtlerin

Von Kathrin Hondl

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Miss Piggy bei der Premiere des Films "The Muppets" in Los Angeles im Jahr 2011. (picture alliance / dpa / Hubert Boesl)
Das neue It-Girl des Feminismus: Muppet-Diva Miss Piggy. (picture alliance / dpa / Hubert Boesl)

Sie ist eine Handpuppe aus einer Fernsehsendung - und bekommt nun den angesehenen Frauenrechtspreis des New Yorker Zentrums für feministische Kunst: die schlagfertige Miss Piggy aus der "Muppet Show". Die kämpferische Diva ist die Glamour-Variante einer Feministin.

Komplimente nimmt Miss Piggy immer gern entgegen, wenn sie - wie hier 2014 in der Queen Latifah Show – als Talkgast im Fernsehen auftritt. Gerüchte, sie sei mittlerweile ja auch schon über 40, weist sie dagegen entschieden zurück:

"What kind of gossip is that? No, no, sweetheart!"

Nein, Miss Piggy altert nicht. Und Falten? Von wegen. Miss Piggy schlägt "dem Alter" die Nase blutig, bevor es in ihrem Gesicht Spuren hinterlässt:

"You wanna get me wrinkles? I'll give you a bloody nose!"

Diva Miss Piggy ist eine wehrhafte Frau. Sie kann Karate und lässt sich nichts gefallen. Schon gar nicht von Männern, und erst recht nicht von aufdringlichen Verehrern. "Pig Power" bekommen auch männliche Vorgesetzte zu spüren. Als die Raumschiff-Crew der "Schweine im Weltall" die einzige Frau an Bord Miss Piggy ans Bügelbrett schicken will, wird das Bügeleisen zur Waffe.

Widerspenstige Frau als feministische Ikone

Der Karateschlag mit der Handkante ist Miss Piggys Markenzeichen, genauso wie ihr überaus weiblicher Look – langes blondes Haar, schicke Kleider und eine üppige, nein: "einzigartige" Figur, wie Miss Piggy selbst betont. "Moi" nennt sie sich übrigens gern, und très francais ließ sie auf Twitter wissen: "Moi" sei außer sich vor Freude über die Ehrung mit dem feministischen Sackler Center First Award.

Die amerikanische Gender-Forschung hat Miss Piggy schon seit längerem als feministische Ikone identifiziert. Als "unruly woman", widerspenstige Frau verkörpert sie seit den späten 1970er-Jahren einen neuen Feminismus: Glamourös, superweiblich und gleichzeitig selbstbewusst, aggressiv, durchsetzungsfähig – eine Grenzen überschreitende weibliche Persönlichkeit wie sie in der Pop- und Unterhaltungsindustrie alles andere als selbstverständlich war und ist.

Weise Entscheidung

Miss Piggy hat den New Yorker Frauenrechtspreis mehr als verdient. Dass die kämpferische Diva eine Hand-Puppe ist und mit der Stimme eines Mannes spricht ist dabei höchstens – wenn überhaupt - ein kleiner Schönheitsfehler. Im Gegenteil: Es ist eine weise Entscheidung des Sackler Centers für feministische Kunst, ausgerechnet Miss Piggy als Vorkämpferin für Frauenrechte zu ehren.

Denn: Der Feministinnen-Preis für Miss Piggy beweist Humor und Sinn für die immense Bedeutung der Popkultur – zwei Qualitäten, die in der aktuellen sogenannten "Feminismus-Debatte" in Deutschland leider komplett fehlen. Im Feuilleton der "Welt" schrieb eine junge Autorin neulich, Feminismus "ekele" sie an. Er sei eine "Charityaktion für unterprivilegierte Frauen". Abwertende Phrasen, die sich die glamouröse Miss Piggy ganz bestimmt nicht gefallen lassen würde.

Mehr zum Thema:

Glorreiche Jahre der Muppets - Miss Piggy, Kermit & Co erobern die Welt
(Deutschlandfunk, Kalenderblatt, 16.05.2015)

Der Mann, der Kermit den Frosch erfand
(Deutschlandfunk, Kultur heute, 22.07.2011)

"Sie waren neu und ungewöhnlich und sie waren frech"
(Deutschlandradio Kultur, Thema, 17.01.2012)

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