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Fazit | Beitrag vom 21.05.2020

Feministin Teresa BückerNeues Männerbild - wann, wenn nicht jetzt?

Moderation: Vladimir Balzer

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Die Journalistin und Feministin Teresa Bücker. (imago images / Jürgen Heinrich)
"Arbeit ist nicht alles und zu einem guten Leben gehört mehr", sagt die Journalistin Teresa Bücker. (imago images / Jürgen Heinrich)

Die Coronapandemie fördert offenbar den Rückfall in alte Rollenbilder. Die Feministin Teresa Bücker wundert das: Eigentlich gäbe es keine bessere Zeit als jetzt, sich gleichberechtigt um die Kinder zu kümmern, betont sie.

Die Soziologin Jutta Almendinger warnte vor ein paar Wochen, die Coronakrise könnte die Gleichberechtigung in Deutschland um drei Jahrzehnte zurückwerfen. Die Frauen würden wieder in die Enge der eigenen vier Wände zurückgedrängt und müssten sich überkommen geglaubten Rollenbildern fügen.

Ganz so weit möchte Teresa Bücker nicht gehen, eine deutliche Rückentwicklung sei aber erkennbar, sagt die Feministin und Journalistin. Eine aktuelle Erhebung der Böckler-Stiftung habe sie überrascht: Von den Paaren, die bereits gleichberechtigt gelebt hätten, habe sich die Mehrheit coronabedingt für das traditionelle Modell entschieden, wonach der Mann in der Krise mehr arbeitet und die Frau sich verstärkt um die Kinder kümmert.

Daran könne man sehen, "dass Gleichberechtigung sich vielleicht schneller zurück als nach vorne entwickeln kann und welche langfristigen Auswirkungen die Coronakrise haben wird", sagt die frühere Chefredakteurin des Frauenmagazins Edition F.

Warum es die Männer nicht anders machen

Nun könnte man die Verantwortung für die Situation auch bei den Frauen suchen - doch Bücker dreht den Spieß um: "Die Frage, die ich vielleicht eher zum Vatertag stellen würde, wäre: Warum machen die Männer es nicht anders?" Denn es gäbe eigentlich keine bessere Zeit als jetzt, sich gleichberechtigt um die Kinder zu kümmern:

"Wo bin ich denn schon mal wirklich ins Homeoffice gedrängt? Wo habe ich die Möglichkeit, eine Lohnfortzahlung zu bekommen, weil ich nicht arbeiten muss? Und gerade in der Krise, wo es wirklich für alle anstrengend ist, wäre es ja ein modernes Männerbild, zu sagen: Ja, ich bin 50 Prozent für meine Familie da und wir machen das hier gemeinsam."

Plädoyer für eine Vielfalt an Rollenbildern

Frauen seien hier klar im Vorteil, erklärt Bücker, "weil wir die feministischen Bewegungen hatten, die Emanzipationsbewegung, und Frauen heute viel selbstverständlicher unterschiedliche Rollenmodelle leben, kinderlos bleiben, Karriere machen können oder nicht". Männer hingegen seien noch immer darauf festgelegt, ihr Glück vor allem im Beruf zu finden.

"Arbeit ist nicht alles und zu einem guten Leben gehört mehr", so Bücker. Wären beide Elternteile beispielsweise bereits in Teilzeit und würden jeweils nur 20 Stunden arbeiten, könnten sie sich in der Coronakrise optimal ergänzen. Und die Lage wäre schon heute eine andere.

(ckr)

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