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Sonntagmorgen | Beitrag vom 01.05.2015

FeiertagsmorgenHexentanz und Wonnemond

Von Uwe Golz

Blattschneiderameisen im Zoo von Frankfurt am Main (picture alliance / dpa / Foto: Frank Rumpenhorst)
Blattschneiderameisen im Zoo (picture alliance / dpa / Foto: Frank Rumpenhorst)

Wonnig meint es der Volksmund mit dem Mai. Doch der Wonnemonat hat auch andere Seiten. Mit der Walpurgisnacht und dem Tanz der Hexen auf dem Brocken geht es los. Und erst dann wird der Maibaum aufgerichtet.

Wer es nicht so mit der Maibowle hat oder auch dem Maibock, der demonstriert am 1. Mai die Solidarität mit der Arbeiterklasse. Doch eigentlich ist der einstige Kampftag der Arbeiterklasse längst zu einem Feiertag der arbeitenden Klasse im Grünen geworden - mit Grill und Kind und Kegel. Wenn es der Wettergott zulässt.

Was aber hat der Mai, was der April, sein jüngerer Bruder, nicht hat? Was macht ihn zu diesem Wonnemonat? Die Sonne scheint nun länger und auch wärmer, die Blumen lassen ihre Blüten frei in den Frühling sprießen. Die alte griechische Göttin Maia lässt es überall blühen und wachsen - und auch in uns Menschen erwachen so langsam wieder die Gefühle, die während der kalten Wintermonate nur trüb vor sich hindümpelten. Es ist der Monat von Holunder und Waldgeißbart, die -  nach dem phänologischen Kalender - mit ihren Blüten den Frühsommer einläuten.

Auf der astronomischen Uhr aus dem Jahr 1541 am Dom zu Münster sind nicht nur Sonne und Mond und die Bewegungen des Himmels zu sehen. Unter der Figur des Apostel Paulus finden sich Monatsbilder und dazugehörige Sprüche. Für den Mai lesen wir:

Quelle und grünend Gebüsch, sind im Maien der Zunder der Liebe.

Die alten Kelten feierten Beltaine, das Mondfest, und auch sie läuteten damit den Sommer ein. Die Germanen brachten ihr Vieh auf die Weide und auch heute noch wird das vielerorts mit einem Almauftrieb gefeiert. Überhaupt Germanen: Bei ihnen bedeutete "Mai" jung und so wurden und werden junge Mädchen noch immer als "Maid" bezeichnet.

Was auch immer man im Mai sucht oder glaubt zu finden, ob die roten Fahnen der Arbeiter oder den festlich geschmückten Maibaum mit dem dazugehörigen Tanz in den Mai, für den ersten Tag des Jahres soll Heinrich Heine zu Wort kommen:

Es ist heute der 1. Mai.
Wie ein Meer des Lebens ergießt sich
der Frühling in die Erde,
der weiße Blütenschaum bleibt an den Bäumen hängen.
Es ist ein schöner Tag.

Und wenn dann die Maiglöckchen ihr helles Lied erklingen lassen, dann sollte man wenigstens am 1. Mai eines davon bei sich tragen. Aus Frankreich kommt die Tradition dies am ersten Tag des Monats Mai zu tun, es ist der "Maiglöckchentag" (jour de muguet). Und wer an diesem Tag ein paar davon bei sich trägt, wird das Jahr über Glück haben.

Wer aber nun gar nichts mit dem Monat Mai anfangen kann, der hält sich an den Lyriker und Kinderbuchautor Gustav Falke (1853 - 1916). Er dichtete dem Mai folgendes ins Stammbuch:

Schäm dich Gesell! Kein Sonnenschein?
Und du stellst dich als Mai hier ein?
Du bist der rechte Tröster nicht!
Wer mag dein garstig Angesicht
Noch länger sehn? Geh reisen!
Schon reift dein Bruder uns heran,
Der Juni, der wird unser Mann,
Und wird sich hold erweisen.

Sieh da! Ein blanker Sonnenstrahl!
So bist du doch nicht ganz entherzt
Und lächelst auch einmal?
Doch lieber Freund, es ist verscherzt!
Das ist kein Mai, der sich bedenkt
Und tropfenweise sich verschenkt,
Ein Mai muss aus dem Vollen fließen,
Wir müssen ihn wie Wein genießen
Und wie in seligem Rausche sein,
Pack ein!

Gustaf Gründgens (l) als Mephisto und Will Quadflieg (r) als Faust in einer Szene aus Goethes "Faust I" am Deutschen Schauspielhaus Hamburg im Frühjahr 1957. (picture alliance / dpa / Herold)Gustaf Gründgens (l) als Mephisto und Will Quadflieg (r) als Faust. (picture alliance / dpa / Herold)

Dichter- und Schauspielerrätsel
Gustav Gründgens und Will Quadflieg waren in unserem Ausschnitt aus der Verfilmung des "Faust I" aus dem Jahr 1960 zu hören. Der Film von Peter Gorski basiert auf der Inszenierung von Gründgens am Hamburger Schauspielhaus. Zwischen Film und Theater angesiedelt, versucht die Verfilmung den Spagat zweier Welten und fügt – wie beispielsweise in der "Walpurgisnacht" – Bilder einer Atombombenexplosion ein. Das Lexikon des Internationalen Films befand: "Die Aufzeichnung will keine eigenständige Verfilmung sein, sondern fesselt überwiegend als Bühnenwiedergabe." Das berühmte "Hexeneinmaleins" wurde von Gustl Busch gesprochen.


Musicalrätsel
Der Song "The Lusty Month of May" wird von Prinzessin Guenevere in dem Musical "Camelot" aus dem Jahr 1960 angestimmt. Geschrieben haben es die Herren Frederick Loewe und Alan Jay Lerner. Wir befinden uns am sagenhaften Hof des ebenso sagenhaften britischen Königs Arthur. Der so tapfere Herrscher aber scheint Angst vor seiner zukünftigen Braut zu haben und flüchtet vor ihrer Ankunft in den Wipfel eines Baums. Das wiederum ruft den Zauberer Merlin auf den Plan, der so ein Verhalten für einen König als unwürdig betrachtet. Als dann Prinzessin Guenevere vor ihrem Gefolge eintrifft und bei einem Gebet von Arthur belauscht wird, wendet sich alles zum Guten und beide erkennen, dass sie füreinander geschaffen sind. Was folgt sind die üblichen Verwicklungen und in diesem Fall auch Zauberränke, bis sich zum Schluss – natürlich – alles zum Guten wendet. 1961 wurde dieses Muscial mit dem Tony Award, dem Bühnenoscar, ausgezeichnet.

Sammlung von alten Bandoneons in Chemnitz (dpa / picture alliance / Wolfgang Thieme)Das Bandoneon brachten deutsche Einwanderer nach Argentinien, wo es als wichtigstes Instrument des Tango Karriere macht. (dpa / picture alliance / Wolfgang Thieme)

Komponistenrätsel
Er war der Meister des Tango Nuevo: Astor Piazzolla. 1921 in Mar de Plata geboren und nach langer Krankheit 1992 in Buenos Aires gestorben, erneuerte Piazzolla den klassischen Tango Argentino durch Elemente aus Klassik und Jazz. Er ebnete den Weg für den Tango aus den Cafés hin zur Konzerthalle und verhalf dem Tanz aus den Kaschemmen des Hafens zu seinem internationalen Durchbruch. Piazzolla, der im Alter von zwölf Jahren an der Seite der Tangolegende Carlos Gardel in einem Film mitwirkte, studierte in Paris bei Nadia Boulanger, doch bereits zehn Jahre zuvor hatte er im Orchester des Bandoneonisten Annibal Troilo erste Erfolge, auch als Arrangeur. Für Piazzolla war Troilo Zeit seines Lebens eine Vaterfigur und es wird behauptet, dass er für die Beerdigung Troilos sein Stück "Adios Nonino" komponierte. 1955 kehr er aus Paris zurück und gründet das Octeto Buenos Aires, fünf Jahre später dann sein berühmtes Quintett. Piazzolla hat dem Tango neue Wege geebnet. Seine Oper "Maria de Buenos Aires" brachte den Tanz sogar auf die Opernbühne und mit seiner "Balada para un loco" gewann Piazzolla den berühmten Liederwettbewerb in Buenos Aires. Zum internationalen Durchbruch verhalf ihm das Album "Tango Nuevo", das er 1974 zusammen mit dem Jazz-Saxofonisten Gerry Mulligan veröffentlichte. Aufgenommen wurde die Platte in Italien, wo Piazzolla während der Militärdiktatur in Argentinien bis 1983 lebte. Insgesamt hat Astor Piazzolla mehr als 300 Tangos komponiert. Dazu kommen Musiken für mehr als fünfzig Filme. Bis heute gilt er als der ungekrönte König des Tango Nuevo.     

Sie können das Sonntagmorgen-Team jederzeit per E-Mail über sonntagmorgen@deutschlandradio.de erreichen.  

 

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