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Zeitfragen / Archiv | Beitrag vom 19.10.2015

Facebook-Troll Abel Ferrara im PorträtHauptsache politisch unkorrekt

Von Katja Bigalke

Nach Feierabend stets in Kommentierlaune: Facebook-Profil von Abel Ferrara, der eigentlich anders heißt (Quelle: Screenshot)
Nach Feierabend stets in Kommentierlaune: Facebook-Profil von Abel Ferrara, der eigentlich anders heißt. (Quelle: Screenshot)

Abel Ferrara, ein 38-jähriger Facebook-Nutzer aus Nordrhein-Westfalen, kommentiert täglich und provoziert gerne. Politische Korrektheit nervt ihn, auf der Facebook-Seite von Deutschlandradio Kultur wurde er mehrfach verwarnt. Den Titel Troll trägt er wie eine Auszeichnung.

Sprecher: "Solange in Deutschland Rentner wie Scheiße behandelt werden, solange diese Im Stich gelassen werden mittels Rentenkürzungen habe ich für diese Flüchtlingspolitik kein Verständnis! Punkt!"

Ein Zitat von Abel Ferrara. Er ist 38 Jahre alt und kommt aus Nordrhein-Westfalen. Abel Ferrara – so nennt er sich, nach dem amerikanischen Regisseur, den er verehrt. Der Facebook-Abel Ferrara kommentiert. Eigentlich täglich. Eigentlich alles. Zum Beispiel so:

Sprecher: "Ich glaube eher an die Unschuld einer Hure, als an die Gerechtigkeit der deutschen Justiz :)"

Oder so:

"Für alle die den Islam schön reden, ist dieser Artikel wichtig ..."

Seine Themen sind ...

"Die Europa-Diktatur, der Islam … Putin, USA, Pegida, der II. Weltkrieg, ... die Debatte um die Beschneidungen, Facebook gerade die Debatte mit den Hasskommentaren."

Festes Ritual

Vor fünf Jahren hat sich Ferrara bei Facebook angemeldet ...

"Da war ich noch ziemlich normal unterwegs wegen meiner Filmliebe hab ich mich angemeldet, da war ich unterwegs in Gruppen. Ja dann hat man sich halt ausgetauscht, das war was anderes am Anfang, find ich, jetzt ist das aggressiver ... direkter!"

Einen normalen Tag mit Facebook beschreibt er folgendermaßen: Wenn der Fassadenreiniger, nach der Arbeit nach Hause kommt, beginnt sein festes Ritual. 

"Dann wird geduscht, dann vor den Rechner und dann Facebook und dann reagiert man auf Antworten von Usern die getätigt wurden oder man liest mal so was in der Welt passiert ist, das ist jeden Tag interessanter."

Vor ein paar Tagen hat er auf der Facebook-Seite von Deutschlandradio Kultur geschrieben:

Sprecher: "Statistiken und ihre (angeblichen) Resultate zielen auf Diskreditierung der Personen, die sie untersuchen und stellen sie zum Vergleich. Resultat solcher Werte: Ein Teil der Masse glaubt an so etwas und lässt sich somit lenken."

Bei der "Süddeutschen Zeitung" ist Abel Ferrara gesperrt

Abel Ferrara informiert sich ausschließlich im Netz: bei Facebook, in spezialisierten Foren, bei Youtube. Online-Medien wie "Spiegel", "Zeit" oder das Deutschlandradio, interessieren ihn, wenn er kommentieren kann. Bei der "Süddeutschen Zeitung" ist er allerdings gesperrt.

"Politische Korrektheit geht mir richtig auf die Nerven, jetzt traut man sich ja nicht mal mehr 'Pack' zu sagen. Jetzt ist es schon Volksverhetzung."

Auch auf der Facebook-Seite von Deutschlandradio Kultur wurde Abel Ferrara bereits mehrfach verwarnt. Für kurze Zeit auch schon mal gesperrt.

"Beim Deutschlandradio Kultur war das schon extrem, die hab' ich dann angeschrieben, hättet ja mal vorwarnen können noch so ein Ding und du bist weg. Mit einem Schlag konnte ich nicht mehr kommentieren, obwohl ich gerade in Kommentierlaune war. Ich bin von Anfang an dabei. Ich möchte mit dabei sein."

Facebook-Community als digitaler Stammtisch

Die Facebook-Community ist wie Abel Ferraras digitaler Stammtisch. Er diskutiert, kommentiert, provoziert hier nicht des Ergebnisses oder Konsenses willen, sondern weil es ihn reizt zu reizen, weil er gerne das Gegenteil einer angeblichen Mehrheitsmeinung behauptet. Es regt ihn zum Beispiel auf, dass Putin immer kritisiert wird.

"Wenn ich als Putin-Troll bezeichnet werde – ich verteidige den eigentlich nur, weil er kritisiert wird. Er ist auch nur ein Mensch, wie die Merkel."

"Ich kenne keine Diskussion die ich online geführt habe die zu irgendeinem Ergebnis kommt …"

Reporterin: "Warum machen Sie das denn?"

"Ist schon demotivierend, aber man lernt ja für sich persönlich. Man arrangiert sich dann, ist ja nicht so, dass ich bis abends hier sitze und mir Kommentare ausdenke, weil mich einer gedisst hat, ich mache das erfolgreich weiter."

Als Robin Hood bezeichnet er sich selbst. Einer von unzähligen selbsternannten Sprechern der angeblich Entrechteten?

"Der Ton wird aggressiver, die Leute merken, dass sie gegen Wände laufen, man wird ja auch ignoriert von der Politik, da können 250.000 Menschen auf die Straße gehen gegen TTIP, aber es wird ja eh unterschrieben. Die Leute merken dass sie im Stich gelassen werden. Ist ja logisch, dass die Leute aggressiver werden, die Revolte findet online statt."

Abel Ferrara steckt mittendrin in dieser Revolte. Den Titel Troll trägt er hier wie eine Auszeichnung.

"Ich sehe Troll eher als liebliche Beleidigung."

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