Donnerstag, 28.05.2020
 

Kompressor | Beitrag vom 22.05.2020

Facebook kauft Giphy Abgleiten in die Monotonie

Anne Wizorek im Gespräch mit Timo Grampes

Beitrag hören Podcast abonnieren
Illustration von mehreren Personen mit  Smartphones und Tablets in den Händen im Stil der Pop-Art. (picture alliance / Panther Media / Valeriy Kachaev)
In der Online-Kommunikation helfen Gifs dabei, Stimmungen mitzuteilen - und sind deshalb sehr beliebt. (picture alliance / Panther Media / Valeriy Kachaev)

Nach dem Verkauf der Suchplattform Giphy an Facebook ist die Zukunft der beliebten Gifs ungewiss. Einiges an Witz und Vielfalt wird wohl verloren gehen, fürchtet unsere Social-Media Redakteurin Anne Wizorek.

Facebook hat die Gif-Plattform Giphy gekauft. Die Monopolstellung des sozialen Netzwerks dürfte dadurch noch weiter gestärkt werden, sagen Kritiker. 400 Millionen Dollar ist es Facebook wert, dass seine Nutzer künftig noch leichter auf die animierten Kurzvideos zugreifen können.

Gifs seien schon länger Teil des Mainstreams geworden, sagt unsere Social-Media Redakteurin Anne Wizorek. Sie befriedigten das Bedürfnis, Defizite der Online-Kommunikation auszugleichen. Tonfall, Mimik und Gestik fehlten, wenn nur in Textform kommuniziert werde. "Da helfen dann Gifs natürlich, auch andere Emotionen auszudrücken und auch zu unterstreichen", so Wizorek.  

Immer die gleichen Gifs

Die Suchplattform Giphy sei bereits in viele Messenger-Apps integriert worden, beispielsweise bei Twitter. Dabei sei aufgefallen, dass die meisten Nutzer lediglich die ersten Suchergebnisse nutzten und andere Gifs kaum verschickt würden. "Die Vielfalt an Gifs wird schon jetzt nicht mehr komplett ausgeschöpft" - es komme zur Monotonie.

Diese Monotonie werde sich nun durch die Facebook-Übernahme noch weiter verstärken, meint Wizorek. Außerdem sei zu erwarten, dass anzügliche oder sexuell assoziierte Inhalte, aber auch Schimpfworte entweder rausflögen oder nicht mehr hochgeladen werden könnten. "Wir haben ähnliche Entwicklungen auch schon bei Tumbler gesehen, als die von Yahoo übernommen wurden", sagt Wizorek.

Unklarheit beim Datenschutz

Da kämen jetzt US-amerikanische Filterstandards, konservative Investoren und Urheberrechtsfragen zusammen. Interessant sei auch die Frage, wie Nutzerdaten weitergegeben würden. Der Messengerdienst Signal habe bereits bekannt gegeben, keine Daten weitergeben zu wollen. "Andere App-Anbieter müssen sich da erst noch äußern."

Trotz dieser Entwicklungen hoffe sie als Gif-Fan, dass Gifs noch eine Weile erhalten blieben. Die Frage sei, ob man sie künftig auf neuen Wegen hochlade. Giphy sei zwar als Suchmaschine praktisch - aber es gebe auch andere Anbieter.

(gem)

Mehr zum Thema

Memes, Gifs und Videos - Der Einfluss der Katzen auf die Geschichte des Internets
(Deutschlandfunk Kultur, Breitband, 15.12.2018)

30 Jahre GIFs - Der animierte Internetkommentar
(Deutschlandfunk Kultur, Kompressor, 15.06.2017)

Gifs im Netz - Renaissance eines Internet-Klassikers
(Deutschlandfunk Kultur, Kompressor, 08.12.2015)

Fazit

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur