Ex-Manager Daniel Goeudevert

    Das Enfant terrible der Automobilindustrie

    33:45 Minuten
    Porträtaufnahme von Daniel Goeudevert.
    "Das Problem Auto ist immer noch da", sagt Daniel Goeudevert. © Claus Sautter
    Moderation: Katrin Heise · 14.07.2021
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    Als Topmanager ging er früh unkonventionelle Wege, schon in den 80ern dachte er über Elektroautos nach. Daniel Goeudevert sorgte viele Jahre in den Vorstandsetagen von Renault, Ford und VW für Furore – auch mit Kritik an der Branche.
    Viele Jahre lang war Daniel Goeudevert Topmanager in der Automobilindustrie – Citroën, Renault, Ford, VW – er weiß, wie diese Unternehmen funktionieren. Aber er weiß auch, warum reine Unternehmensstrategien gesamtgesellschaftlich oftmals überhaupt nicht funktionieren:
    "Das Problem war, dass sich die Automobilindustrie fast ausschließlich um das Produkt gekümmert hat, Optimierung, Verbesserung, teurer, schneller, größer usw., und hat vergessen, dass die Funktion des Automobils, und zwar Mobilität zu befriedigen, zu kurz kommt. Da bezahlen wir jetzt neben dem Thema Umwelt die Rechnung."

    Gezielte Kritik übt er in seinem aktuellen Buch "Sackgasse. Wie Wirtschaft und Politik den Wandel verschlafen" vor allem an der Unfähigkeit zur strategischen Neuausrichtung der Branche. Allein auf Elektroautos zu setzen, führe auch nicht weiter. Nur weil ein E-Auto mit Strom statt mit Benzin fahre, ändere das nicht wirklich etwas:
    "Das Problem Auto ist damit immer noch da." Er bewundert Greta Thunberg: "Sie hat innerhalb von einem Jahr mehr gebracht zum Thema Umweltbewusstsein und unserer Zukunft als Millionen von Stunden in Gremien, Symposien von Tausenden Menschen überall in der Welt."

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    Auch über seine Mitgliedschaft beim Club of Rome und seine Freundschaft zum Umweltexperten und Autor Frederic Vester verstärkt sich Goeudeverts Wunsch, in der Branche zwei verschiedene Strategien zu entwickeln: "Eine mit Elektro und dem Bewusstsein, dass wir auch für die Mobilität der Menschen und der Wirtschaft zuständig sind, und auf der anderen Seite unsere traditionellen Produkte weiterzuentwickeln."
    Er habe stets Interesse für das gehabt, was außerhalb seiner Welt vorgeht, für Gedanken, "die nicht unbedingt mit der nächsten Vorstandssitzung zu tun hatten". Seine Ideen für kleinere, effizientere und elektronisch betriebene Autos schon in den 90er-Jahren brachten ihm bei manchen gar den Ruf des Nestbeschmutzers ein. Nachdem er sich bei VW am Ende seiner Karriere mit diesen Ideen nicht durchsetzen konnte, kehrte er der Branche den Rücken.

    Vom Lehrer zum Manager

    Zur Autowelt kommt Goeudevert über Umwege. Ein Lehrer seiner Heimatstadt Reims entfacht in ihm die Liebe zur deutschen Sprache, und Goeudevert geht zu einem Schulaustausch nach Dortmund: "Da habe ich Deutschland echt kennengelernt." Nach dem Studium unterrichtet er einige Jahre Deutsch an einem angesehenen Gymnasium in Paris. Als die Stelle ausläuft, bewirbt er sich als Autoverkäufer.
    Doch zuerst war man skeptisch: "Wir können Sie nicht einstellen, Sie haben doch vier Jahre am Gymnasium unterrichtet." Über- oder eher fremdqualifiziert darf er zunächst probehalber beginnen. "Und dann ist es gut gelaufen", sagt der ehemalige Topmanager und Bestseller-Autor.
    (mah)

    Daniel Goeudevert: "Sackgasse. Wie Wirtschaft und Politik den Wandel verschlafen"
    Dumont Verlag, Köln 2020
    273 Seiten, 20 Euro

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