Seit 23:05 Uhr Fazit
Sonntag, 19.09.2021
 
Seit 23:05 Uhr Fazit

Interview | Beitrag vom 15.09.2021

Evakuierung von Ortskräften"Es muss zur Not auch unbürokratische Wege geben"

Alexander Fröhlich im Gespräch mit Axel Rahmlow

Afghanische Evakuierte steigen am Flughafen von Washington in einen Bus. (imago images / MediaPunch)
Während die USA bereits viele Afghanen evakuiert haben, sind 68 Prozent der Bundeswehr-Ortskräfte nach Angaben eines Patenschaftsnetzwerks noch in Afghanistan. (imago images / MediaPunch)

Mehr Tempo der Bundesregierung, um afghanische Helfer nach Deutschland zu holen, fordert Alexander Fröhlich vom Patenschaftsnetzwerk Afghanische Ortskräfte. Zwei Drittel von ihnen seien noch im Land und in akuter Lebensgefahr.

Die Bundesregierung hat 2.600 bedrohten Aktivisten, Frauenrechtlerinnen und Journalisten aus Afghanistan Aufnahmezusagen erteilt. Gleichzeitig warten noch mehrere Tausend ehemalige Ortskräfte und Familienangehörige darauf, Afghanistan verlassen zu können.

Ehemalige Ortskräfte in Lebensgefahr

"Wir freuen uns natürlich, wenn gefährdete Frauenrechtlerinnen oder Journalisten gerettet und herausgeholt werden aus Afghanistan", sagt Alexander Fröhlich vom Patenschaftsnetzwerk Afghanische Ortskräfte. "Aber wir wünschen uns eine genauso pragmatische und wirksame Vorgehensweise der Bundesregierung eben auch für die Ortskräfte und ihre Familienangehörigen."

Die etwa 68 Prozent der ehemaligen Ortskräfte seien immer noch in Afghanistan und dort in Lebensgefahr. 

Abonnieren Sie unseren Kulturnewsletter Weekender. Die wichtigsten Kulturdebatten und Empfehlungen der Woche. Ab jetzt immer freitags per Mail. (@ Deutschlandradio)

"Mich haben heute zum Beispiel Nachrichten aus Kabul erreicht, dass in Kabul von den Taliban einzelne Distrikte der Stadt abgesperrt werden und eine 24-stündige Ausgangssperre verhängt wird und die Taliban dann von Haus zu Haus gehen, jedes Haus durchsuchen auf der Suche nach Leuten, die sie als ihre Feinde betrachten", so Fröhlich.

"Jede Minute, die länger verstreicht, sind die Ortskräfte immer stärker bedroht, gefunden, gefoltert und ermordet zu werden."

"Mit jedem Tag, der vergeht, verfallen Visa"

Die Bundesregierung müsse jetzt etwas tun, um möglichst viele dieser Menschen noch aus Afghanistan herauszuholen, fordert er. "Da muss es zur Not auch unbürokratische Wege geben."

Fröhlich verweist außerdem darauf, dass seiner Kenntnis nach etwa 500 ehemalige Ortskräfte und Familienangehörige gültige Visa haben. Es sei ihnen aber bisher nicht gelungen, Ortskräfte mit Visa aus Afghanistan herauszubekommen. "Auch das ist ein zunehmend drängendes Problem", sagt er. "Mit jedem Tag, der vergeht, verfallen immer mehr von diesen Visa."

(uko)

App: Dlf Audiothek

Die neue Dlf Audiothek App ist ab sofort in den Appstores von Apple und Google zum kostenlosen Download erhältlich (Deutschlandradio)

Entdecken Sie mit der Dlf Audiothek die Vielfalt unserer drei Programme, abonnieren Sie Ihre Lieblingssendungen, wählen Sie aus Themenkanälen und machen daraus Ihr eigenes Radioprogramm.


Jetzt kostenlos herunterladen

Interview

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur