Evakuierung von Ortskräften

    "Es muss zur Not auch unbürokratische Wege geben"

    06:21 Minuten
    Afghanische Evakuierte steigen am Flughafen von Washington in einen Bus.
    Während die USA bereits viele Afghanen evakuiert haben, sind 68 Prozent der Bundeswehr-Ortskräfte nach Angaben eines Patenschaftsnetzwerks noch in Afghanistan. © imago images / MediaPunch
    Alexander Fröhlich im Gespräch mit Axel Rahmlow · 15.09.2021
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    Mehr Tempo der Bundesregierung, um afghanische Helfer nach Deutschland zu holen, fordert Alexander Fröhlich vom Patenschaftsnetzwerk Afghanische Ortskräfte. Zwei Drittel von ihnen seien noch im Land und in akuter Lebensgefahr.
    Die Bundesregierung hat 2.600 bedrohten Aktivisten, Frauenrechtlerinnen und Journalisten aus Afghanistan Aufnahmezusagen erteilt. Gleichzeitig warten noch mehrere Tausend ehemalige Ortskräfte und Familienangehörige darauf, Afghanistan verlassen zu können.

    Ehemalige Ortskräfte in Lebensgefahr

    "Wir freuen uns natürlich, wenn gefährdete Frauenrechtlerinnen oder Journalisten gerettet und herausgeholt werden aus Afghanistan", sagt Alexander Fröhlich vom Patenschaftsnetzwerk Afghanische Ortskräfte. "Aber wir wünschen uns eine genauso pragmatische und wirksame Vorgehensweise der Bundesregierung eben auch für die Ortskräfte und ihre Familienangehörigen."
    Die etwa 68 Prozent der ehemaligen Ortskräfte seien immer noch in Afghanistan und dort in Lebensgefahr.
    "Mich haben heute zum Beispiel Nachrichten aus Kabul erreicht, dass in Kabul von den Taliban einzelne Distrikte der Stadt abgesperrt werden und eine 24-stündige Ausgangssperre verhängt wird und die Taliban dann von Haus zu Haus gehen, jedes Haus durchsuchen auf der Suche nach Leuten, die sie als ihre Feinde betrachten", so Fröhlich.
    "Jede Minute, die länger verstreicht, sind die Ortskräfte immer stärker bedroht, gefunden, gefoltert und ermordet zu werden."

    "Mit jedem Tag, der vergeht, verfallen Visa"

    Die Bundesregierung müsse jetzt etwas tun, um möglichst viele dieser Menschen noch aus Afghanistan herauszuholen, fordert er. "Da muss es zur Not auch unbürokratische Wege geben."
    Fröhlich verweist außerdem darauf, dass seiner Kenntnis nach etwa 500 ehemalige Ortskräfte und Familienangehörige gültige Visa haben. Es sei ihnen aber bisher nicht gelungen, Ortskräfte mit Visa aus Afghanistan herauszubekommen. "Auch das ist ein zunehmend drängendes Problem", sagt er. "Mit jedem Tag, der vergeht, verfallen immer mehr von diesen Visa."
    (uko)
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