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Interview / Archiv | Beitrag vom 08.06.2019

Essen fotografierenGemeinschaft am virtuellen Tisch

Daniel Kofahl im Gespräch mit Ute Welty

Das Foto zeigt einen gedeckten Frühstückstisch von oben. Auf vier Tellern sind Speisen angerichtet, unter anderem Rührei, Brot und ein Croissant mit Puderzucker sind zu sehen sowie Milchkaffee in Tassen. (Phil Hei / Unsplash)
Virtuelle Gemeinschaft: Wir essen nicht mehr häufig zusammen, lassen andere aber gern mithilfe von Fotos am gedeckten Tisch Platz nehmen. (Phil Hei / Unsplash)

Schon immer sei Essen etwas gewesen, womit man sich "vergemeinschaftet", sagt der Soziologe Daniel Kofahl. Das erkläre die große Lust, Essensbilder in sozialen Netzwerken zu teilen. Sogar einen Begriff gibt es mittlerweile dafür.

Appetitlich angerichtet und schön anzusehen: Fotos von Speisen sammelt heute fast jeder, meint der Soziologe Daniel Kofahl. Sie werden auf dem Smartphone archiviert und in den sozialen Netzwerken geteilt - etwa unter dem Hashtag #Foodporn.

"Essen ist schon immer etwas gewesen, womit man sich vergemeinschaftet", sagt Kofahl. Wer sein Essen im Internet postet, "holt die anderen an die Tischgemeinschaften mit ran". Die Fotografie sei ein Mittel, auch in einer virtuellen Gesellschaft beim Essen zusammenzukommen. 

Sinneserfahrungen durch "Food Porn"

Fast schon "inflationär" werde Essen auf virtuelle Weise geteilt. Für viele Menschen sei es interessant, sich durch fotografierte Speisen Anregungen zu holen und ihr eigenes Leben dabei zu reflektieren.

Durch Essensbilder ließen sich "andere Sinneserfahrungen machen", sagt Kofahl und sieht hier eine Analogie zur klassischen erotischen Fotografie. So erkläre sich auch der häufig genutzte Begriff "Food Porn", wenn Fotopostings in sozialen Netzwerken Lebensmittel und Speisen in Szene setzen.

(huc)

Ausstellungshinweis:
Die C/O Berlin Foundation zeigt noch bis zum 7. September 2019 die Ausstellung "Food for the Eyes - die Geschichte des Essens in der Fotografie" im Amerika-Haus, Hardenbergstraße 22-24.

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