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Fazit | Beitrag vom 13.05.2021

Eskalation im Nahen OstenHoffen auf die Vernünftigen

Ahmad Mansour im Gespräch mit Sigrid Brinkmann

Raketen werden von Gaza-Stadt, die von der palästinensischen Hamas-Bewegung kontrolliert wird, am 12. Mai 2021 in Richtung Israel abgefeuert (AFP / Mahmud Hams)
Die Hamas schießt Raketen von Gaza-Stadt Richtung Israel. Es sind die schwersten Kämpfe seit Jahren in der Region. (AFP / Mahmud Hams)

Die Hamas und die israelische Armee beschießen sich weiter gegenseitig mit Bomben. In einigen Städten Israels eskaliert die Gewalt. Der deutsch-israelische Autor Ahmad Mansour hofft, dass die „vernünftigen Menschen“ es schaffen, den Hass zu besiegen.

Es sind die schwersten Kämpfe seit Jahren, die Israel derzeit erlebt. Die islamistische Hamas feuerte erneut Raketen auf israelische Städte, auch am Tag. Israels Militär flog Luftangriffe auf Ziele im Gazastreifen. Und auch in einigen israelischen Städten eskaliert die Gewalt.

"Die Menschen müssen zusammenleben"

Die Qualität der Gewalt habe in den letzten zwei Nächten enorm zugenommen. Vor allem in gemischten Städten, wie Haifa oder Akko komme es in Israel vermehrt zu Gewaltausbrüchen, berichtet der deutsch-israelische Psychologe und Autor Ahmad Mansour. Seine Familie lebt nördlich von Tel Aviv. Allerdings glaube er nicht, dass die Stimmung in diesen Städten dauerhaft kippe.

"Ich glaube, dass die meisten Menschen arabischer Herkunft genauso wie jüdischer Herkunft wissen, dass sie miteinander zusammenleben müssen, auch in den nächsten Jahren", sagt Mansour. Die Gewalt derzeit ginge von einem Mob radikaler Kräfte auf beiden Seiten aus, "die gerade diese Situation nutzen, um ihre Gewaltfantasien zu leben. Ich hoffe sehr, dass die vernünftigen Menschen in der Lage sind, diesen Hass und diese Hetze zu besiegen."

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Israel stehe eine Schicksalsnacht bevor, glaubt Mansour. "Und das wird natürlich das Zusammenleben für viele Jahre in der Zukunft auch mitbestimmen."

Solche Gewaltausbrüche gab es in Israel immer wieder, gerade in kleineren Orten, sagt Mansour. Doch aktuell, glaubt er, sei die Gesamtsituation daran schuld, dass die Situation in diesem Ausmaß eskaliert sei.

"Es ist Ramadan. Es ist ein paar Monate nach Corona. Es ist Jerusalem als ein heiliger Ort. Es sind sehr emotionalisierte Bilder, die wir auch hier in Deutschland konsumieren und da sehen wir auch die Ergebnisse. Und diese gemischte Lage, diese unterschiedlichen Faktoren, haben dazu geführt, dass diese Qualität der Gewalt jetzt so sichtbar geworden ist", sagt Mansour.

Antisemitische Übergriffe in Deutschland

Auch in Deutschland kam es zu Protesten und Ausschreitungen. In Bonn und Münster sind Israel-Flaggen verbrannt worden. In Gelsenkirchen hat man antisemitische Parolen skandiert. Der Jüdischen Gemeinde in Hannover wird mit einem Brandanschlag gedroht. Das Erstaunen darüber überrasche ihn, sagt Mansour. "Ich frage mich, was haben wir in den letzten sieben Jahren getan?" Genau solche Szenarien habe man schon 2014 erlebt.

"Diese Ignoranz und diese Verdrängung vor allem für muslimische Antisemitismus hat mich sehr überrascht. Und ich glaube, wir haben wirklich viele Chancen verpasst, um etwas zu tun, um diese Menschen zu gewinnen, um unser Bildungssystem so zu verändern, dass wir auch im Alltag der Schulen in Unterrichtseinheiten differenzierter Bilder über den Nahen Osten zu vermitteln. Und jetzt haben wir die Konsequenzen", sagt Mansour.

Das sei keine Solidarität mit Palästina. Er könne jeden verstehen, der auf die Straße gehe und gegen diesen Krieg protestiere, aber das, was gerade passiere, sei Hass und müsse auch so benannt werden.

(nho)

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