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Nachspiel / Archiv | Beitrag vom 28.05.2017

Erzieher mit SportprofilAuf die Plätze, fertig, bewegen!

Von Sabine Gerlach

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Kinder des "Sportkindergarten Halle" zeigen ihr sportliches Können.  (picture alliance / dpa / Hendrik Schmidt)
Kinder des "Sportkindergarten Halle" zeigen ihr sportliches Können. (picture alliance / dpa / Hendrik Schmidt)

Sogenannte Bewegungskitas brauchen spezielle Erzieher - seit einigen Jahren wird solches Personal mit sportpädagogischem Profil ausgebildet. Im Studium heißt die Devise der künftigen Pädagogen: Bewegung und Gesundheit.

"Der Anfang ist dort ganz, ganz hinten, das wisst ihr noch, wo die Fußstapfen (sind). Da würde ich gerne mit euch anfangen, so dass wir dann die einzelnen Stationen nacheinander beklettern."

Für die Vorschulkinder aus dem "Tabaluga – Bewegungskindergarten" ist heute Sporttag. Zusammen mit zwei Erzieherinnen sind sie in den "Motorikpark" im Süden Berlins gekommen.

"So, können wir?"
"Ja!"
"Gut, ihr lauft den Berg hoch und bleibt oben stehen. Und, jetzt!"

Oben beginnt ein Rundweg. Eine Stunde lang wird Diana Stiller mit den Kindern von Station zu Station laufen. Mal schnell, mal langsam. Rückwärts, vorwärts oder seitwärts. An den Holzgeräten wird geklettert, balanciert, gewippt oder auch mal auf allen Vieren gekrabbelt:

"Meinst du so, wie 'nen Vierfüßler? Ja, Vierfüßlergang, ja super, Vierfüßlergang."

Diana Stiller kann die Kinder qualifiziert anleiten, sie hat eine C-Trainerlizenz und bildet sich laufend fort.

"Diana, manche sind wackliger und manche nicht."
"Genau."

Auch die anderen Kolleginnen und Kollegen in den insgesamt 21 Berliner "Bewegungs"-Kitas, sind besonders geschult. Aber erst seit 2012 werden in der Hauptstadt Erzieherinnen und Erzieher mit bewegungs- und sportpädagogischem Profil ausgebildet:

"Also, das Besondere an dieser Ausbildung ist für mich, dass es a) eine Kooperation gibt mit dem Landessportbund, ansonsten, dass hier einfach bewegungsinteressierte Menschen die Ausbildung machen. Das merkt man dann einfach auch in den Ausbildungsgängen, dass da viel Bewegung und Bewegungsdrang auch da ist."

"OK, Ready? Go!"

Viele Männer machen die Ausbildung

Tom Weller arbeitet als Dozent an der Fachschule für Sozialpädagogik, an der die Ausbildung stattfindet. Das Studium mit sportpädagogischem Profil spricht im Vergleich zur herkömmlichen Ausbildung auch viele Männer an. Einer von ihnen ist Rashid:

"Also, mit Kindern und Jugendlichen habe ich eigentlich schon immer gearbeitet, ich bin ja Fußballtrainer und privat habe ich auch viel babygesittet, so dass ich eben auch Erfahrung mit Kindern gemacht habe und so durch die Resonanz der Eltern und der Kinder habe ich mir gedacht, OK, das könnte was für mich sein und im Verlauf der Ausbildung hat sich das bestätigt."

Das Studium an der Fachschule inclusive Praktika dauert drei Jahre.

Zum Profilunterricht gehören Psychomotorik, verschiedene Ball- und Mannschaftssportarten, Erlebnispädagogik, Geo-Caching und vieles mehr.

Bewegter Unterricht heißt die Devise – auch wenn es um die Vermittlung theoretischer Texte etwa zum Gesundheitsbegriff geht. Fachkoordinatorin Dagmar Röhm nennt ein Beispiel:

"Eine Möglichkeit ist zum Beispiel das als Puzzle zu gestalten, das heißt zerschneiden, überall verteilen in der Turnhalle und die Studierenden müssen überhaupt erst mal die Schnipsel suchen. Das heißt, der Unterricht ist bewegter gestaltet, die Räume sind total groß, wir haben die Turnhalle, wir haben 'nen Außengelände, wir haben 'ne Riesen-Wiese, und die Tartanbahn, wir haben ja alles, was man nutzen kann. Und die andere Säule ist der Bewegungsunterricht."

"Gehen wir noch mal in unseren Beat, hier in den Füßen. Fünf, sechs, sieben acht."

Auch der Musikunterricht ist bewegt. Die Studierenden in lockerer Sportkleidung stehen im Kreis und folgen den Anweisungen von Dozentin Claudia Aden:

"Musik, was ich unterrichte, ist eben nicht Musikunterricht wie man sich das vielleicht so im klassischen Sinne vorstellt, Singen oder Gitarre spielen oder ähnliches, sondern wir machen die Rhythmik, d.h. über die Bewegung erlernen die Studierenden hier die Grundbegriffe der Musik. Beispielsweise das Elementare in der Musik. Und das ist eine Musikerziehung durch Bewegung. Der Weg ist immer vom Tun, vom Erleben, vom Bewegen eben zu der Theorie sag ich mal, zum Fachwissen."

Fachwissen, dass die angehenden Erzieherinnen und Erzieher später brauchen, egal ob sie in der Schule, in einem Jugendclub oder in einer "Bewegungs-Kita" arbeiten.


Im Nachspiel-Interview mit Jürgen Hadtstein fragen wir nach, warum es dem Stadtstaat Bremen nicht gelingt, den Sportunterricht an seinen Schulen vernünftig zu organisieren. Bremen ist auch das einzige Bundesland, das keine Sportlehrkräfte mehr ausbildet. Der Runde Tisch Schulsport, an dem Jürgen Hadstein teilnimmt, versucht den Studiengang Sport seit Jahren wiederzubeleben. Warum kommt er nicht voran? 

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