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Interview | Beitrag vom 26.11.2018

Erste genmanipulierte Babys in China?Wissenschaftler fürchten den "Super-Gau"

Alena M. Buyx im Gespräch mit Axel Rahmlow

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Foto von den Füßen eines Babys. (Unsplash /  Janko Ferlič )
Der Wissenschaftler He Jiankui behauptet, er habe die DNA bei im November geborenen Zwillingen verändert. (Symbolfoto) (Unsplash / Janko Ferlič )

In China sollen die ersten genmanipulierten Babys der Menschheitsgeschichte auf die Welt gekommen sein. Wenn dies stimme, seien eine Reihe von forschungsethischen Hürden einfach übersprungen worden, kritisiert die Medizinerin Alena Buyx, Mitglied im Ethikrat.

Es sind beunruhigende Nachrichten: Erstmals überhaupt in der Geschichte der Menschheit sollen genetisch veränderte Babys auf die Welt gekommen sein. Er habe die DNA von im November geborenen Zwillingsmädchen verändert, sagte der chinesische Forscher He Jiankui. Er brüstet sich damit auch in einem Youtube-Video. Eine unabhängige Bestätigung dazu gibt es noch nicht.

Die Behauptung wird allerdings in der Wissenschaft ernst genommen. Mehr als hundert chinesische Wissenschaftler reagierten mit einem Protestbrief: "Direkte Versuche am Menschen können nur als verrückt beschrieben werden", heißt es in dem Schreiben. Und auch deutsche Wissenschaftler zeigen sich entsetzt über die Möglichkeit, dass die weltweit ersten Designerbabys zur Welt gekommen sind.

"Super-GAU für die Wissenschaft"

"Sollte es sich bewahrheiten, dass mit Hilfe der Genschere CRISPR ein genmanipuliertes Baby erzeugt worden ist, wäre dies für die Wissenschaft ein Super-GAU", erklärte der der Präsident des Deutschen Ethikrates, Peter Dabrock. Er forderte, dass die Politik sich des Themas so schnell wie möglich auf globaler Ebene annimmt. Man müsse darüber nachdenken, eine "Überwachungsbehörde analog zur Internationalen Atomenergie-Organisation zu schaffen".

Seine Ethikrats-Kollegin Alena M. Buyx vom Institut für Geschichte und Ethik der Medizin der Technischen Universität München verglich die Arbeit des chinesischen Forschers im Deutschlandfunk Kultur mit einem "Fallschirmsprung ohne Fallschirm". He Jiankui habe gleich eine ganze Reihe von forschungsethischen Hürden einfach übersprungen. Die Risiken einer solchen Genmanipulation seien zudem noch nicht bekannt genug, rügte sie. Man wisse momentan nicht, ob sich der Eingriff auf die zukünftige Gesundheit der beiden Babys auswirken werde.

Illustration einer Schere, die ein DNA Molekül modifiziert (imago stock&people / Keith Chambers)Mit der Genschere CRISPR kann das Erbgut in kleinsten Schritten gezielt verändert werden (imago stock&people / Keith Chambers)

He Jiankui arbeitet an der Southern University of Science and Technology of China in Shenzhen. Er sagte Medienberichten zufolge, er habe die DNA bei im November geborenen Zwillingen verändert, um ihnen bei der Abwehr einer möglichen künftigen HIV-Infektion zu helfen. Die Hochschule will den Fall nun von Experten untersuchen lassen.

Wenn die Genmanipulation technologisch tatsächlich funktioniert habe, "wäre das der Hinweis darauf, dass man bestimmte Eigenschaften tatsächlich einbauen kann", sagte Buyx. "Das muss man sich klar machen." Deswegen müsse man über die Zielsetzung nachdenken: "Wollen wir, dass man das blonde, blauäugige Baby erschafft? Oder wollen wir das beschränken auf die Vermeidung von schweren Erbkrankheiten zum Beispiel. Das ist die ethische Debatte, die wir führen müssen."

(ahe)

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