Seit 10:05 Uhr Plus Eins
Sonntag, 09.05.2021
 
Seit 10:05 Uhr Plus Eins

Fazit / Archiv | Beitrag vom 30.05.2020

Ersan Mondtag zum 75. Geburtstag von Fassbinder"Der, der sich alles erlaubte"

Moderation: Marietta Schwarz

Rainer Werner Fassbinder. (Istvan Bajzat / dpa)
Rainer Werner Fassbinder wurde am 31. Mai 1945 in Bad Wörishofen geboren und starb am 10. Juni 1982 in München. (Istvan Bajzat / dpa)

Für den Theaterregisseur Ersan Mondtag war Rainer Werner Fassbinder ein „Tausendsassa“, der nichts zu verlieren hatte. Die Verknüpfung von Gesellschaftskritik und Ästhetik in seinem Werk habe ihn inspiriert. „Für mich war Fassbinder stilprägend.“

75 Jahre alt wäre Rainer Werner Fassbinder am Sonntag geworden, doch er wurde nur 37. Fassbinder lebte ein kurzes und ultraproduktives Leben, was sich allein an der Zahl seiner Filme, Fernsehserien und Bühnenstücke zeigt.

Vor allem seine Filme gingen in die Geschichte ein - "Angst essen Seele auf", "Die Ehe der Maria Braun" oder "Die Sehnsucht der Veronika Voss" -, ebenso sein exzessives Leben, sein Schwulsein und die Frauen, die für immer mit Fassbinders Filmen verbunden sein werden: Irm Hermann, Hannah Schygulla und Ingrid Caven.

Bis heute hinterlässt Fassbinder Spuren, auch bei der jüngeren Generation von Theatermachern.

Der Regisseur Ersan Mondtag zum Beispiel hat am Schauspiel Frankfurt vor sechs Jahren eine "Messe für Rainer Werner Fassbinder" entwickelt.

Fassbinder - ein Autodidakt und Tausendsassa

Für Mondtag war Fassbinder ein "Tausendsassa" - jemand, der Hörbücher und Theaterstücke geschrieben, aber auch selber vor der Kamera und auf der Bühne gestanden hat, - jemand, der, wenn er weiter gelebt hätte, sicher irgendwann Architektur, Kunstwerke, Installationen oder Dauerperformances geschaffen hätte.

Der Regisseur Ersan Mondtag. (Frank Rumpenhorst/dpa)Während seiner Zeit in München begab sich Ersan Mondtag auf die Spuren von Rainer Werner Fassbinder. (Frank Rumpenhorst/dpa)

"Für mich ist Fassbinder stilprägend", sagt Mondtag. Dessen Verknüpfung von Gesellschaftskritik und ästhetischem Ansatz habe ihn inspiriert. Der junge Fassbinder sei begeistert gewesen von dem französischen Regisseur Jean-Luc Godard, den er "fast infantil" imitiert habe, bis er schließlich jemand wurde, der einen eigenen ästhetischen Kosmos schuf.

Heute würde Fassbinder sicher anders Gesellschaftskritik üben oder Vorgänge auf der Welt kommentieren, meint Mondtag. Wie Fassbinder heute "anecken" würde, das würde ihn sehr interessieren. Vor allem im Vergleich zu Fassbinders großer Zeit in den 70ern, "zu einer Zeit, in der sowieso Umbruch herrschte", er als Autodidakt* nichts zu verlieren hatte und sich deswegen alles erlauben konnte, meint der Regisseur.

Eines wäre sicher, meint Mondtag. Fassbinders Kritik wäre nach wie vor radikal, wahrscheinlich sogar so radikal, dass wir uns davon keine Vorstellung machen könnten.

(ckr)

* an dieser Stelle und in der Überschrift haben wir eine nicht zutreffende biografische Angabe zum Leben Fassbinders entfernt. 

Mehr zum Thema

Schauspielerin Irm Hermann - Was hat Rainer Werner Fassbinder für Sie bedeutet?
(Deutschlandfunk Kultur, Im Gespräch, 29.05.2020)

Neues "Fassbinder Center" - Einer, der die Welt erobern wollte
(Deutschlandfunk Kultur, Interview, 20.05.2019)

Philosophisches Kopfkino (1) - Fassbinder und die Frage nach Traum und Wirklichkeit
(Deutschlandfunk Kultur, Sein und Streit, 02.08.2015)

App: Dlf Audiothek

Die neue Dlf Audiothek App ist ab sofort in den Appstores von Apple und Google zum kostenlosen Download erhältlich (Deutschlandradio)

Entdecken Sie mit der Dlf Audiothek die Vielfalt unserer drei Programme, abonnieren Sie Ihre Lieblingssendungen, wählen Sie aus Themenkanälen und machen daraus Ihr eigenes Radioprogramm.


Jetzt kostenlos herunterladen

Kulturpresseschau

Aus den FeuilletonsKönnen die Deutschen nicht gönnen?
Menschen in Maske reihen sich zur Impfung ein (imago / fStop Images / Malte Müller)

Die Pandemie zeigt uns, wie wir wirklich sind. 40 Prozent der Bevölkerung geben offen zu, neidisch auf ihre geimpften Mitbürger zu sein. Dabei wäre es an der Zeit, sich über den Fortschritt beim Impfen zu freuen – nachzulesen im "Tagesspiegel".Mehr

weitere Beiträge

Der Theaterpodcast

Folge 34Auf der Bühne mit Behinderung: Theater und Inklusion
Lucy Wilke & Paweł Duduś in dem Stück „Scores that shaped our friendship”. (Theresa Scheitzenhammer)

Die Nominierung der Schauspielerin Lucy Wilke zum diesjährigen Theatertreffen macht die Fragen nach der Vereinbarkeit von Theaterarbeit und Behinderung wieder aktuell: Was fehlt zur ganzheitlichen Barrierefreiheit? Mit Lucy Wilke suchen wir nach konkreten Handlungsansätzen.Mehr

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur