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Die Reportage | Beitrag vom 12.09.2021

EntwicklungshilfeGhana will keine Almosen mehr

Von Samuel Burri

Ein junger Afrikaner mit weißem Kittel und mit gelbem Helm hält ein Stück ghanaische Schokolade in die Kamera. (Deutschlandradio / Samuel Burri)
Vom Rohstofflieferanten zum Produzenten: Ghana verfolgt ein ehrgeiziges Programm, um vom Tropf der Entwicklungshilfe wegzukommen. (Deutschlandradio / Samuel Burri)

Das ghanaische Dorf Bonsaado wurde als Milleniumsdorf zehn Jahre lang besonders gefördert. Als die Entwicklungshelfer wieder abzogen, wurde klar, dass ausländische Hilfe oft nicht nachhaltig ist. Jetzt geht Ghana neue Wege.

In der Provinz des westafrikanischen Staates verstauben die Computer. Gespendete Medikamente und Pandemie-Sets liegen unbenutzt herum, sie haben das Ablaufdatum überschritten. Bis 2015 wurde das Dorf Bonsaado unter anderem durch ein Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen besonders gefördert.

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Anfangs verzeichnete man durchaus Erfolge. Doch nach dem Abzug der Helferinnen und Helfer wurde schnell klar: Ausländische Hilfe ist oft nicht nachhaltig. Man habe sich zu sehr daran gewöhnt, sagt Samuel Adams, Professor für öffentliche Verwaltung in Ghanas Hauptstadt Accra. Entwicklung müsse von innen kommen, damit sie längerfristig wirke.

Das Staatsbudget aus eigenen Mitteln bestreiten

Ghanas Präsident Nana Addo Dankwa Akufo-Addo hat deshalb das Programm "Ghana beyond aid" gestartet. Er will keine Almosen mehr und strebt an, dass Ghana vollkommen eigenständig funktioniert und das gesamte Staatsbudget aus eigenen Mitteln bestreitet.

Erreicht werden soll das mit mehr Steuereinnahmen, mehr Agrarproduktion und verstärkter Industrialisierung. So soll Ghana nicht mehr nur Rohmaterial wie zum Beispiel Kakao exportieren, sondern die Rohstoffe selbst verarbeiten. Erste Schritte in die Richtung sind gemacht, und Ghanas Idee wird bereits von anderen Ländern kopiert.

Die Reportage ist eine Übernahme vom SRF, Ursendung: 3.4.2021
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