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Im Gespräch / Archiv | Beitrag vom 06.06.2019

Entwicklungshelferin Christel AhrensHeilung durch Fußhygiene

Moderation: Katrin Heise

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Christel Ahrens untersucht die Füße einer dunkelhäutigen Frau. Hinter den beiden Frauen stehen weitere Menschen. (Friederike Seim)
Christel Ahrens kann bei einer Untersuchung der Füße feststellen, ob Menschen an Podokoniose leiden. (Friederike Seim)

Lange gab es keine Therapie gegen die schmerzhafte Krankheit Podokoniose, die zu aufgeblähten Füßen führt. Die Missionarin Christel Ahrens hat in Äthiopien Tausenden von Betroffenen geholfen – mit einer verblüffend einfachen Idee.

Obwohl die Krankheit schon im Mittelalter beschrieben ist, kannte niemand ihre Ursache. Erst seit jüngster Zeit weiß man, dass das Barfußlaufen auf roter vulkanischer Erde, besonders in Afrika, dafür verantwortlich ist, sagt Christel Ahrens.

"Podokoniose ist ein Lymphödem, bei dem die unteren Extremitäten, die Beine, anschwellen bis zum Knie, und das hinterlässt dann sogenannte Elefantenfüße, Elephantiasis. Und Podokoniose ist eine der Ursachen von solchen Elefantenfüßen. Fast ausschließlich die Landbevölkerung wird davon befallen."

Waschen, Strümpfe und Schuhe helfen

Erkrankte leiden unter Schmerzen, können nicht mehr laufen, werden sozial isoliert und fallen oft in Depressionen. Dabei ist eine Heilung ohne weiteres möglich: Mit Fußhygiene und Schuhen mit Strümpfen kann man den meisten Erkrankten helfen. Podo e.V. heißt die Organisation, die Christel Ahrens in Äthiopien gegründet hat. Ohne Unterstützung der deutschen Entwicklungshilfe hat sie ein eigenes Netzwerk aufgebaut – mit direktem Kontakt zur Bevölkerung.

Christel Ahrens sitzt in Äthiopien zwischen Menschen und grinst in die Kamera. (Friederike Seim)Seit 1988 widmet Christel Ahrens ihr Leben der Entwicklungshilfe in Äthiopien. (Friederike Seim)

"Ich spreche Oromo, die Sprache der Menschen, mit denen ich zusammenarbeite, um einfach mit ihnen kommunizieren zu können und auch von diesem hohen Ross runterzukommen. Muttersprachlich zu arbeiten, halte ich für sehr entscheidend. Zeit zu haben ist wichtig, um gemeinsam  zu überlegen. Und es ist wichtig, dass wir von außen Anstöße geben. Ich habe mich immer als 'agent of change' verstanden, zu sehen: Werden diese Ideen aufgenommen oder nicht."

Als Missionarin Anstöße geben

Die 58-jährige gelernte Krankenschwester und Hebamme kam 1988 erstmals nach Äthiopien. Drei Monate lebt sie dort, drei Monate in Deutschland, immer im Wechsel. Die Weltläufigkeit ist Christel Ahrens nicht in die Wiege gelegt worden. Sie wuchs bei Lüneburg auf und ist die erste aus der Familie, die Abitur gemacht hat. Schon als Jugendliche hatte sie engen Kontakt zur "Hermannsburger Mission", ein Missionswerk der evangelisch-lutherischen Kirche Niedersachsens. Auch Christel Ahrens versteht sich als Missionarin.

"Das heißt, dass man mit den Menschen zusammenlebt, ihre Sprache lernt und mit den Menschen nach Wegen sucht, wie man das Leben verbessern kann, dass man Anstöße gibt und guckt, wo tut sich was, und unterstützt und seinen Glauben natürlich teilt und lebt. Das tue ich auch."

Besonders die Frauen im Fokus

Mit ihrer Organisation Podo hat Christel Ahrens bereits 15.000 Menschen von der Podokoniose geheilt. Ihr Arbeitsgebiet ist im Westen Äthiopiens, in Oromia. Jetzt hat sie auch ein Buch geschrieben, in dem sie 33 äthiopische Frauen porträtiert.

"Mein Fokus sind immer schon die Frauen gewesen - in Äthiopien. Die habe ich oft nicht erreicht, zwar als Hebamme, aber nicht in Gremien, wo ich oft die einzige Frau war. In der patriarchalischen Struktur haben sie einen schweren Stand. Ich habe gemerkt, wie Mut machend es ist, wenn man Geschichten erzählt, Lebensbilder von Äthiopierinnen. Davon geht sehr viel Kraft aus."

(svs)

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