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Im Gespräch | Beitrag vom 15.03.2019

Enthüllungs-Journalist Hans Leyendecker„Ich bin mit den Jahren ein Anderer geworden“

Moderation: Katrin Heise

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Hans Leyendecker steht vor einer grünen Wand, die den Kirchentag 2019 ankündigt. (picture alliance / dpa / Bernd Thissen)
"Gottvertrauen ist mein Puls": Journalist und Kirchentagspräsident Hans Leyendecker bei der Programmvorstellung für den Kirchentag 2019. (picture alliance / dpa / Bernd Thissen)

Hans Leyendecker ist einer der erfahrensten Investigativ-Journalisten Deutschlands. Seine Recherchen brachten Politiker und Wirtschaftsbosse zu Fall. Kraft schöpft er aus seinem Glauben – und ist in diesem Jahr sogar Präsident des Evangelischen Kirchentags.

Hans Leyendecker - einer der bekanntesten Journalisten Deutschlands. Ein hervorragender Rechercheur, der einige große Skandale in Politik und Wirtschaft aufdeckte. 1982 enthüllte Leyendecker für den "Spiegel" den Flick-Parteispendenskandal, später auch milliardenschwere Korruptionsaffären bei Siemens und Volkswagen.

Sein Antrieb: "Herauszufinden, wie etwas wirklich ist – und ich glaube, auch ein Stück Gerechtigkeit. Wenn jemand gegen die Würde eines Menschen verstößt, beispielsweise Waffenhandel: Das waren Geschichten, die ich am liebsten gemacht habe", sagte Leyendecker im Deutschlandfunk Kultur.

"Ich habe 'berufsverändernd' gewirkt"

Die Recherchen hätten ihm und anderen investigativen Journalistinnen und Journalisten oft die Augen geöffnet, berichtet er. Zum Beispiel bei der "Flick-Affäre" und den damit verbundenen Parteispenden: "Da hast Du natürlich ein Bild bekommen von dem, was die staatstragenden Parteien damals so gemacht haben. Und das verändert dich natürlich auch ein Stück."

Leyendeckers Enthüllungen hatten oft Folgen und Konsequenzen - auch für die Menschen, über die er geschrieben hatte. Bewusst wurde ihm das bei einem Empfang: Als er in den Raum kam, wurde es merkwürdig still. "Und du merkst: Da sind einige im Raum, vier fünf Leute, in deren Leben du eingewirkt hast. Ich hab‘ das früher 'berufsverändernd' genannt, was eigentlich ein schrecklicher Begriff ist. Ich habe 'berufsverändernd' gewirkt; das heißt: Der hat seinen Job verloren."  

Einmal habe ein Mann einen alten Zeitungsausschnitt aus der Jackentasche gezogen und ihn gefragt, warum er einen bestimmten Satz geschrieben hatte, erinnert sich der Journalist: "Du weißt gar nicht: Wer ist das? Was hast du eigentlich geschrieben? Und da merkst du natürlich auch, was du auslösen kannst, was du bewirken kannst – und wie du auch verletzten kannst."

Journalistenpool aus 80 Ländern: die "Panama-Papers"

Einer der Höhepunkte seiner Karriere: die "Panama-Papers". Leyendecker leitete damals bei der Süddeutschen Zeitung einen Journalistenpool aus 80 Ländern, der die Abermillionen geleakten Seiten zu Steuerbetrug und Geldwäsche zusammengetragen und ausgewertet hatte: "Das war gewissermaßen die 'Ökumene des Journalismus'."

Für Bodenhaftung sorge immer wieder seine Familie, berichtet der Journalist. Leyendecker hat fünf Kinder, neun Enkelkinder, das zehnte ist unterwegs. Sie ließen nie zu, dass er den "Big Boss" oder "Mr. Wichtig" spiele. Das tue ihm gut.

Der zweite Ausgleich ist sein Glauben: "Für mich war Gottvertrauen immer mein Puls." Seine Frau und er haben seit 1975 an jedem Evangelischen Kirchentag teilgenommen: "Der Kirchentag war für mich immer wie eine Tankstelle." In diesem Jahr nun ist Leyendecker sogar der Präsident des Evangelischen Kirchentages in Dortmund. Er freut sich schon auf ein "großes Glaubensfest".

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