Kommentar

Wer auf Strom setzt, spart künftig viel Geld

04:26 Minuten
Eine großflächige Photovoltaikanlage befindet sich auf einem rot gedeckten Hausdach (Luftaufnahme mit einer Drohne). Davor steht ein roter Camper-Van mit einem integrierten Solarmodul auf dem Fahrzeugdach.
Nachhaltigkeit von oben: Solarenergie für Haus und Camper © picture alliance / dpa / Patrick Pleul
Überlegungen von Christian Stöcker |
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Die Zukunft gehört der Elektrifizierung. Doch die Stromrevolution verläuft noch immer zu langsam, um die Klimakrise zu bremsen.
Bei uns zu Hause wird außer Kerzen nichts verbrannt. Der Herd funktioniert mit Induktion, für Heizung und warmes Wasser sorgt eine Erdwärmepumpe. Wir bewegen uns mit Fahrrädern, einem Elektroauto und einem Elektromotorroller fort. Das Haus hat keinen Gasanschluss und keinen Öltank. Öl gibt es bei uns nur als Schmiermittel und zum Kochen, Energie nur in Form von Strom.

Moderne Technik und Akkus: Warum Strom der Standard ist

Viel davon ist in fast allen Haushalten ebenso: Wasch- und Spülmaschine, Kühlschrank und Fernseher, Backofen und Router brauchen nur Strom. Die modernste Technik hat in der Regel zudem einen Akku: Handys, E-Reader, Tablets, Laptops.
Eigentlich sollte längst klar sein, dass dem Strom die Zukunft gehört und Spritverbrennen eine Retrotechnik ist. In Deutschland aber gibt es dafür eine merkwürdige Nostalgie.
Völlig elektrifiziert zu leben entspannt. Nicht nur, weil man keine hochexplosiven Gase oder Flüssigkeiten im Haus hat, nichts lärmt, tropft oder stinkt. Sondern auch, weil es kostengünstig ist. Bei uns gilt das noch mehr als anderswo, denn auf unserem Dach erzeugt eine kleine Photovoltaikanlage genug Strom, um das Haus von Mai bis September fast vollständig zu versorgen. Kombiniert mit einer Batterie im Keller, die den Sonnenstrom für Abend und Nacht speichert.

Electrotech: Wie Solar, Wärmepumpe und Speicher Geld sparen

Was unser Leben so angenehm macht und unsere Nebenkosten niedrig hält, nennt man heute Electrotech. Der britische Thinktank Ember, der auf Energiethemen spezialisiert ist, bezeichnet mit diesem Begriff Solar- und Windkraftanlagen, Stromnetze, kleine und riesige Batteriespeicher, smarte Stromzähler, außerdem Elektromobilität, Wärmepumpen etc.
Fast alle diese Technologien werden seit vielen Jahren immer günstiger. Sie wachsen nicht nur rasant, das Wachstum wird sogar weiterhin schneller. Die Preise für Batteriespeicher etwa sind seit 1991 um 99 Prozent gefallen. Auch deshalb wachsen Batteriegroßspeicher, auch in Deutschland, gerade rasant, von der Öffentlichkeit fast unbemerkt. Das wird bald unsere Strompreise senken.
Sonne, Wind und Batteriespeicher für überschüssigen Strom, das ist längst fast überall die günstigste Lösung. Nicht nur für Einfamilienhäuser, sondern für ganze Staaten. Das hat sehr erfreuliche Effekte. Die Riesenländer China und Indien beispielsweise erzeugen jetzt immer weniger Strom aus schmutziger Kohle, weil erneuerbare Energien den teureren Kohlestrom vom Markt verdrängen.

Effizienz von Wärmepumpen und E-Autos: Sauberer und billiger

Electrotech ist nicht nur sauberer und billiger – sie ist auch viel effizienter. Bei einem Auto mit Verbrennungsmotor bewegt nur etwa 20 Prozent des verbrannten Sprits das Fahrzeug, der Rest verpufft, vor allem als Wärme. Ein Elektroauto dagegen ist gut dreimal so effizient wie ein Verbrenner. Eine Wärmepumpe macht aus einer Kilowattstunde Strom drei bis vier Kilowattstunden Heizenergie. Wer elektrifiziert, spart also Energie. Wenn etwas verbrannt wird, wird Energie verschwendet. Immer.
Die Marktentwicklung hin zu mehr Strom und weniger fossilen Brennstoffen kann deshalb niemand mehr aufhalten, nicht einmal Donald Trump. Sogar in den USA wächst in Sachen Stromversorgung fast nichts mehr außer erneuerbaren Energien und Batteriespeichern. Ihr Anteil am Zubau liegt dort bei über 90 Prozent.

Energiewende und China: Warum Deutschland bei Electrotech Tempo braucht

Aber die Stromrevolution verläuft immer noch zu langsam, um die Klimakrise zu bremsen. Aus deutscher Sicht ist außerdem unschön: Diese Revolution kommt derzeit maßgeblich aus China. Die Diktatur baut mehr Solarzellen, Windturbinen, Elektroautos, Batteriespeicher und Wärmepumpen als jedes andere Land der Welt.
Die deutsche Solarbranche wurde mitten im größten Wachstum ab 2011 kaputt reguliert. Nun will vor allem die Union auch noch den Verbrennungsmotor retten, dabei ist der ein Auslaufmodell.
Es ist noch nicht zu spät. Das Land der Ingenieure kann selbstverständlich auch Elektrotech. Wir müssen aber wirklich schleunigst damit anfangen.

Christian Stöcker, promovierter Kognitionspsychologe, arbeitet seit der Jahrtausendwende als Wissenschafts- und Technikjournalist. Heute leitet er an der HAW Hamburg den Studiengang „Digitale Kommunikation“ und mehrere Forschungsprojekte. Jahrelang leitete er dort das Ressort „Netzwelt“, bis heute ist er SPIEGEL-Kolumnist („Der Rationalist“).

Christian Stöcker, Professor für Digitale Kommunikation an der Hamburger Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW), sitzt am 03.02.2017 in Hamburg in dem neuen Newsroom der HAW.
© picture alliance / dpa / Christian Charisius
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