Neu im Kino: "Elvis"

Faustischer Teufelspakt des Rock'n'Roll

04:53 Minuten
Austin Butler als Elvis Presley singend bei einem Auftritt.
Mit der Logik des Musikclips erzählt: Austin Butler in "Elvis". © imago-images / Zuma Wire / Roadshow Entertainment
Von Patrick Wellinski · 23.06.2022
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"Elvis" von Baz Luhrmann ist kein klassisches Biopic. Neben überbordenden Bühnenauftritten bekommt man einen wilden Ritt durch die US-Kulturindustrie geboten. Die Ausbeutung stürzt den Künstler in eine Krise - der bleibt aber eine Leerstelle.

Worum geht es?

Der australische Regisseur Baz Luhrmann erzählt von Elvis Presley und dessen einzigartiger Musikkarriere durch die Augen seines Produzenten und Entdeckers Colonel Tom Parker. Elvis ist hier zunächst noch ein schüchternes Landei, das stark von schwarzer Musik beeinflusst wurde und eines Abends mit zuckenden Hüftbewegungen ganz Amerika in Ekstase versetzt. Parker übernimmt die Vermarktung seines Talents und beginnt von Elvis' Erfolg zu profitieren. Während Elvis die Welt bereisen und sich auch politisch äußern will, sorgt Parker dafür, dass die Marke Elvis möglichst massentauglich bleibt. Ein Konflikt, der den Sänger in eine große Krise stößt.

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Was ist das Besondere?

Baz Luhrmann interessiert sich nicht so sehr für biografische Fakten und nutzt die Geschichte von Elvis Presley, um einen wilden Ritt durch die amerikanische Unterhaltungsindustrie der 1950er- und 1960er-Jahre zu inszenieren. Dabei folgt er selbst der Logik des Musikclips und fügt Stationen des Lebens des King of Rock zu einer Montage der Attraktionen zusammen. Gleichzeitig interessiert ihn, welchen Einfluss schwarze Musik auf Elvis Presleys Werk hatte, zeigt sie fast schon als religiöses Erweckungserlebnis des Künstlers. Das nutzt Luhrmann für seine groß und überbordend inszenierten Bühnenauftritte von Presley, der als Figur allerdings eine Leerstelle bleibt. Genauso wie es Colonel Parker letztlich gewollt hätte.

Bewertung

Am besten funktioniert "Elvis" als kleine fiese Parabel über den ausbeuterischen amerikanischen Kapitalismus. Die unterschiedlichen Arten der Ausnutzung von Elvis Presley durch seinen Manager bilden den dramaturgischen Rahmen der Geschichte, die kein klassisches Biopic ist. Elvis Presley wird im Film zum Ausgangspunkt einer Kulturindustrie, die die Regeln der Vermarktung über das individuelle Mitteilungsbedürfnis stellt. Es ist letztlich ein faustischer Teufelspakt, den Luhrmann inszeniert; und der von Tom Hanks gespielte Colonel Tom Parker ein mächtig-hinterhältiger Mephistopheles, der immer das letzte Wort haben wird.

Elvis
USA 2022
Regie: Baz Luhrmann
mit: Tom Hanks, Austin Butler, Olivia DeJonge, Dace Montgomery
159 Minuten, ab 6 Jahren

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