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Im Gespräch / Archiv | Beitrag vom 25.03.2020

Eltern als LehrerLust aufs Lernen machen, nicht Aufgabenpakete schnüren

Caroline Treier im Gespräch mit Andrea Gerk

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Ein Vater sitzt mit seinen Kindern am Küchentisch über dem Laptop und den Lernaufgaben. (Symbolfoto) (imago/ Westend61)
Eine spannende, aber nicht einfache Herausforderung: "Hausaufgaben" einmal anders für Vater und Kind. (imago/ Westend61)

Die Kinder zu Hause bei Laune halten, zum Lernen motivieren und sie neben dem eigenen Homeoffice selber unterrichten: Eltern sind derzeit besonders gefordert. Aber auch Lehrer müssen dazulernen, meint die Schulleiterin Caroline Treier.

Als in der vergangenen Woche die Schulen schlossen, war der Jubel auf Schülerseite zunächst groß. Ein Hauch von Ferien hing in der Luft, auch wenn bald klar war: Zu Hause muss weitergelernt werden. Wie anstrengend das für Schüler, Lehrer und Eltern ist, erfährt Caroline Treier jeden Tag aufs Neue. Die Mutter zweier schulpflichtiger Söhne ist Schulleiterin der Evangelischen Schule Berlin Zentrum.

Homeschooling digital und analog

Den Übergang vom normalen Schulsystem zum Homeschooling beschreibt sie als spannend und sehr dynamisch: "Ende Februar war schon klar, dass wir mit einer Schulschließung rechnen müssen. Die große Herausforderung war, wie wir die Anbindung schaffen. Welche digitale Plattform ist geeignet?" Speziell für jüngere Schülerinnen und Schüler sei es wichtig, über die Lernplattform hinaus auch analog zu kommunizieren. Deshalb wird neben Videokonferenzen und Livechats auch telefonisch mit den Schülern gesprochen. Als Besonderheit hat Treiers Schule nun einen eigenen Schulpodcast eingerichtet, der von Schülern und Eltern mit Begeisterung angenommen wird.

Nicht zu viele Aufgaben stellen

Die Begeisterung für regelmäßige Vormittage mit Schulbuch und Mutter oder Vater am Küchentisch halte sich dagegen bei vielen Kindern in Grenzen, gerade wenn es in der Wohnung eng ist oder andere Probleme vorhanden sind. Wichtig sei es deshalb vor allem, den Kontakt zu halten, meint Treier: "Wir müssen die Kinder und Jugendlichen jetzt nicht noch verunsichern und massenhaft Aufgabenpakete schnüren, sondern zeigen, es ist uns wichtig, wie es ihnen geht. Da haben wir eine andere Rolle als die Eltern. Wir müssen auch davon ausgehen, dass in ganz, ganz vielen Familien wirklich große Sorgen da sind, auch wirtschaftliche Sorgen vielleicht."

Alle Kinder auffangen

Neben diesen Sorgen als "Motivationstrainer" zu funktionieren, wie es eine Hörerin formuliert, ist für die Eltern oftmals auch eine Überforderung. Besonders für Alleinerziehende oder Eltern mit mangelnden Deutschkenntnissen. Hier müsse speziell darauf geachtet werden, dass keiner durchs Netz fällt: "Das machen wir gerade, dass wir diese Woche abfragen, zu welchem Kind hatten wir in den letzten fünf Tagen keinen Kontakt, und jetzt diese Kinder festzustellen und da auch aktiv zu werden."

Was die Motivation betrifft, so Treier, solle man sich nichts vormachen: Erwachsene hätten auch keine Lust, "massenhaft Aufgabenblätter abzuarbeiten". Sie fordert: "Wir brauchen Aufgaben, die spannend sind, wo wir die Jugendlichen und Kinder nicht an den Schreibtisch zwingen, sondern wo wir Lust haben, wo wir intrinsisch motiviert sind. Was jetzt stattfinden muss, ist unbedingt auch ein Wandel in der Lernkultur."

Die Krise als Chance

Im Idealfall, so Treier, sollten die Schülerinnen und Schüler nach zwei Monaten zurück in die Schule kommen und voller Stolz ihre Projekte präsentieren, an denen sie in dieser Zeit zu Hause gearbeitet haben. So könne man die Krise auch als Chance begreifen, das Schulsystem, wie es ist, noch einmal gründlicher zu überdenken: "Wie erfolgreich ist Schule? Wie findet Lernen statt? Welche Aufgaben motivieren?"

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