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Fazit | Beitrag vom 30.01.2021

Eine Stunde Theater trotz LockdownKulturaufstand in Frankreich

Eberhard Spreng im Gespräch mit Eckhard Roelcke

Eine Frau sitzt im Zuschauerraum eines leeren Theaters. (Nicolas Tucat / AFP)
Ziviler Ungehorsam auch in diesem Theater in Avignon: Trotz Lockdown hatte sich dort eine Besucherin eingefunden. (Nicolas Tucat / AFP)

Auch in Frankreich sind die Theater wegen der Pandemie geschlossen. Trotzdem öffneten am Samstag viele Häuser für eine Stunde ihre Türen. Was dahinter steckt, erklärt unser Theaterkritiker Eberhard Spreng.

Am Samstag übten viele Theater in Frankreich den Kulturaufstand und öffneten um 15 Uhr ihre Türen, obwohl sie sich offiziell im Lockdown befinden. So auch im südfranzösischen Marseille, wo Bürgermeister Benoît Payan sagte: 

"Warum können wir morgens die U-Bahn nehmen und arbeiten, aber danach nicht in eine Ausstellung? Warum ist es gefährlicher, in ein Kino zu gehen als in den Supermarkt? Wir wollen ein Manifest an den Präsidenten verfassen, wir alle, Tausende von Marseillern, um deutlich zu machen, dass es überhaupt keinen Grund gibt, in dieser Situation die Kultur zu opfern."Abonnieren Sie unseren Kulturnewsletter Weekender. Die wichtigsten Kulturdebatten und Empfehlungen der Woche. Ab jetzt immer freitags per Mail. (@ Deutschlandradio)Die Aktion "Théatres Ouverts" geht auf eine Initiative von 40 kleineren Theatern zurück, angeführt von Laurent Rochut, dem Leiter der "Factory" in der südfranzösischen Theatermetropole Avignon, wie unser Kritiker Eberhard Spreng berichtet. Die Absicht sei gewesen, für eine Stunde zu öffnen. Einigen Häusern gelang das am Samstag problemlos, andere wurden von der Polizei daran gehindert. Nördlich der Stadt Rennes wurden Gedichte vorgetragen:

Protest richtet sich gegen Präsident Macron

Payan habe die Gelegenheit genutzt, "um sich im Streit für Kultur als notwendigen Bestandteil der Gesellschaft zu positionieren", sagt Spreng. Seine Strategie sei klug, weil sie sich klar von Emmanuel Macron abgrenze. Der Präsident sei zu Beginn seiner Amtszeit als jemand aufgetreten, dem die Kultur sehr am Herzen liege, aber in der Coronakrise diesbezüglich verstummt. 

"Dieser Protest gegen einen Präsidenten, der die Kultur links liegen lässt, ist recht klug, um sich in einem traditionell auch von den Linken okkupierten Bereich zu profilieren", sagt Spreng. Hier gehe es um mehr, um eine Blaupause für ein zukünftiges Bündnis linker Kräfte. Da sei bereits die nächste Wahl im Blick.

(ckr)

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