Seit 23:05 Uhr Fazit
Montag, 18.01.2021
 
Seit 23:05 Uhr Fazit

Radiofeuilleton - Kino und Film / Archiv | Beitrag vom 13.01.2013

Ein unglaubliches Paar

Hanna Doose gelingt mit "Staub auf unseren Herzen" ein kraftvoller Mutter-Tochter-Beziehungsfilm

Von Bernd Sobolla

Die Schauspielerinnen Susanne Lothar und Stephanie Stremler in dem Film "Staub auf unseren Herzen" (picture alliance / dpa Foto: Markus Zucker/movienet)
Die Schauspielerinnen Susanne Lothar und Stephanie Stremler in dem Film "Staub auf unseren Herzen" (picture alliance / dpa Foto: Markus Zucker/movienet)

Die 30-jährige Kathi will Schauspielerin werden, ist aber finanziell noch von Mama Chris, einer Psychologin, abhängig. Stephanie Stremler spielt die Tochter, die nicht ganz mit den Füßen auf der Erde ist, und Susanne Lothar gibt die perfektionistische Mutter in ihrer letzten Filmrolle vor ihrem Tod.

"Danke, bis später! Du merkst doch, dass ich telefoniere. / Du bist so laut. / Wie? / Es ist wahnsinnig laut, wie du sprichst. / Ich habe nur einen Termin verschoben. Sieht doch schön aus. / Finde ich total schwabbelig. / Ist doch nicht schwabbelig. Das sind positive Farben."

Chris, gespielt von Susanne Lothar, ist laut, schnell, entscheidungsfreudig – kurz eine erfolgreiche Psychologin. Ihre Tochter Kathi hingegen, alias Stephanie Stremler, ist von allem ungefähr das Gegenteil: Mit 30 Jahren hat die alleinerziehende Mutter einen vierjährigen Sohn und träumt davon, in Berlin Schauspielerin zu werden.

"Na, ich bin gerade ausgestiegen aus, aus dem Off-Theater. / Und bist dafür jetzt in einem On-Theater? / Nö. Auf jeden Fall kommt ja bald dieser Film. / Welcher? / Na, wo ich das Casting gehabt habe. / Vielleicht klingelt auch das Telefon gleich… / Vielleicht kommt Hollywood ja."

Aber Hollywood ruft nicht an, und auch in Berlin läuft es nicht viel besser.

"Du hast ein absolut super, super Casting abgeliefert. Das war wirklich, alle, alle waren sehr, sehr beeindruckt. Und, äh, wir haben uns für jemand anderen entschieden."

Chris kann über diese "Hirngespinste" nur lachen, greift Kathi aber unter die Arme, unter anderem, indem sie ihr eine Eigentumswohnung kauft - im selben Haus, direkt unter ihr. Die Konflikte sind vorprogrammiert und steigen weiter an, als Kathi ihren Vater aufnimmt, Chris' Ex-Mann und Hassobjekt Nummer eins.

"Sag mal, bist du wahnsinnig? / Ja, ich. / Der wohnt eine Lufthauch von mir entfernt. Und ich weiß das nicht."

Als Kathi ihren Sohn Lenny für kurze Zeit verliert, will Chris ihrer Tochter die Verantwortung für den Jungen entziehen.

"Ich mache das nicht mit. Ich sage dir: Finger weg! Du hilfst mir jetzt, du hilfst mir jetzt bei der Erziehung meines Kindes. Und du arbeitest nicht gegen mich."

"Staub auf unseren Herzen" wirkt wie eine Familienaufstellung, die aber auch in den dramatischsten Momenten irgendwie komisch bleibt, weil Stephanie Stremler in ihrer entrückten Art und Susanne Lothar als Perfektionistin ein unglaubliches Paar ergeben.


Interview mit Regissseurin Hanna Doose: Ein Flair am Set wie bei John Cassavetes

Radiofeuilleton - Kino und Film

Dokumentarfilm"Die Alm is wie so a Sucht"
Die Sennerin Lisa Schlagbauer mit ihren Kühen auf einem Bergkamm auf der Rampoldalm in Oberbayern am 15.07.2004. (picture alliance / dpa / Matthias Schrader)

Es ist eine uralte Kultur, die langsam und weitgehend unbemerkt in Deutschland verschwindet: die kleinen Bauernhöfe. Regisseur Matti Bauer hat für seine Langzeitdokumentation eine bayerische Jungbäuerin zehn Jahre begleitet. Mehr

PorträtKünstlerin zwischen Orient und Okzident
Adnan Maral (l.) und Idil Üner in einer Szene des Films "Einmal Hans mit scharfer Soße". (picture alliance / dpa)

In der Multi-Kulti-Komödie "Einmal Hans mit scharfer Soße" spielt Idil Üner die Tochter einer türkischen Familie, deren Vater sie unbedingt verheiraten will. Doch Hatice hat weder Lust auf einen deutschen noch auf einen türkischen Mann.Mehr

weitere Beiträge

Filme der Woche

Neu im KinoAttraktive Chefin im tristen Büro
Der britische Schauspieler Nick Frost (dpa / picture alliance / Dan Himbrechts)

Bruce war drauf und dran, als 13-Jähriger die Salsa-Junioren-WM zu gewinnen. Dann hat er lange mit dem Tanzen nichts mehr am Hut - bis er eine neue Chefin bekommt. Um sie zu beeindrucken, fängt er wieder damit an.Mehr

weitere Beiträge

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur