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Literatur / Archiv | Beitrag vom 11.06.2013

Ein Himalaja aus Papier

Sigried Wesener im Gespräch mit Günter Kunert über sein Buch "Tröstliche Katastrophen"

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Der Schriftsteller Günter Kunert. (picture alliance / dpa / Jan Woitas)
Der Schriftsteller Günter Kunert. (picture alliance / dpa / Jan Woitas)

Seit gut 35 Jahren schreibt Günter Kunert Gedanken, Prosaminiaturen, Erinnerungsfetzen, Träume in sein "Big Book". Das Kompendium ist eine Fundgrube, die das Verhältnis von Leben und Schreiben literarisch dokumentiert. Der kürzlich erschienene Band "Tröstliche Katastrophe" liefert Aufzeichnungen, die zwischen 1999 und 2011 entstanden sind.

Vom "Aussichtsposten" in Kaisborstel übersieht und kommentiert er "menschliches und unmenschliches Treiben". Mit sezierendem Blick schaut der 84-jährige Dichter und Essayist auf die moderne Welt, registriert die "Digitalfahrt der Kultur", gibt sich als kritischer Bewohner des Planeten, deutscher Verhältnisse, des alltäglichen Wahnsinns.

In skeptisch-ironischem Ton liefert er seine Befunde. Schreibanlass sind politisch brisante Ereignisse wie der Übergang ins 21. Jahrhundert, der 11. September 2001, Auswüchse der Finanz- und Wirtschaftskrise, aber auch ganz persönliche Einschnitte, das Älterwerden und Zufälligkeiten des Lebens.

Kunert registriert für sich ein wachsendes Desinteresse an der Welt, während die Lust am Reisen schwindet, begibt er sich auf geistige Erlebnissuche, um neue Gedankenräume zu erobern. Er erschreibt sich täglich die - wie er es nennt - "Existenzberechtigung".

Das Etikett des Nihilisten trägt er inzwischen mit Gelassenheit. Wer dem heiteren Melancholiker begegnet, spürt seine Lebenszugewandtheit.

Günter Kunert: "Tröstliche Katastrophen", Aufzeichnungen, die zwischen 1999 und 2011 entstanden sind. Der Band ist im Hanser Verlag erschienen.

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