Ein Besuch im Funkhaus Nalepastraße

    Zwischen Vorgestern und Übermorgen

    51:58 Minuten
    Das Funkhaus Nalepastraße - hier arbeiteten zu DDR-Zeiten 3500 Menschen.
    Das Funkhaus Nalepastraße: An diesem Ort arbeiteten zu DDR-Zeiten 3500 Menschen. © picture alliance / Bildagentur-online / Schoening
    Von Jörg Degenhardt und Frank Ulbricht · 07.11.2021
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    Zu DDR-Zeiten war es eine kleine Stadt in der Stadt: das Funkhaus in der Ostberliner Nalepastraße. Nach der Wende fiel das Gelände in einen Dornröschenschlaf. Seit einigen Jahren hat die Kreativwirtschaft das Potenzial entdeckt.
    Es gibt die Abbey-Road–Studios in London - die Beatles haben dort bekanntlich aufgenommen. Rauminhalt 6000 Kubikmeter. Der Sendesaal 1 im Block B des Funkhauses Nalepastraße bringt es allein auf 12.300 Kubikmeter. Der Titel "Größtes Studio der Welt" geht eindeutig nach Oberschöneweide. Dort, an der Spree, etwas abseits vom Berliner Zentrum, lag einst der Arbeitsort für über 3500 Beschäftigte des DDR-Rundfunks.
    Pappen von gestern- Trabis auf dem Funkhausgelände Nalepastraße.
    Relikte der Vergangenheit: Trabis auf dem Funkhausgelände© Deutschlandradio / Jörg Degenhardt und Frank Ulbricht

    Radio mit Milchbar und Sauna

    Poliklinik, Friseur, Betriebskindergarten, Sparkasse, Buchladen, Milchbar und Sauna - alles da. Und ein Konsum, also Lebensmittelladen, aus dem Ostdeutschen übersetzt. So war man auch für politische Krisen gerüstet. Bis zum November 1989 wurde aus der Nalepastraße gesendet - mit festem Programmauftrag durch die staatstragende Partei.
    Der große Saal im Funkhaus Berlin in der Nalepastraße in Berlin
    Der große Saal im Funkhaus Berlin ist bekannt für seine hervorragende Akustik.© picture-alliance / ZB / Jens Kalaene
    Auch wenn die SED immer das letzte Wort hatte, gab es Hitparaden, Hörspiele, Kindersendungen. Und diese fantastische Studiolandschaft, die schon fleißig von Künstlern aus dem Westen, also vom Klassenfeind, genutzt wurde, als noch eine Mauer Deutschland teilte. Nur reden wollte man darüber natürlich nicht.

    Prominenz entdeckt die "Rundfunk-Ikone"

    Heute nutzen Künstler wie Nils Frahm oder Igor Levit ganz selbstverständlich die einmaligen Möglichkeiten für Konzerte und Aufnahmen. Und wenn Frahm den Studiokomplex als "Rundfunk-Ikone" adelt, dann freut das auch die aktuellen Eigentümer, die einen Großteil des geschichtsträchtigen Areals erworben haben und die mit großen Plänen und dem notwendigen Budget dem in der Nachwendezeit ins Koma gefallenen Gelände wieder neues Leben eingehaucht haben.
    Die Milchbar im Funkhaus
    Auch die Milchbar gab es schon zu DDR-Zeiten.© Deutschlandradio / Jörg Degenhardt und Frank Ulbricht
    Junge Leute wissen den Veranstaltungsort längst zu schätzen, kommen zu Konzerten oder einfach zum Abhängen, zum Partymachen am Wasser, genießen die Campus-Atmosphäre. Eine Privatuniversität aus England hat knapp 600 Studenten angezogen, die in denkmalgeschützter Kulisse Musik- und Filmproduktion studieren.

    Mit dem Boot zu Kunst und Kultur

    In der einstigen Fuhrparkhalle finden heute Events renommierter Unternehmen statt. Und immer wieder auch Filmaufnahmen, die mit dem historischen Hintergrund des Ortes spielen. Da kann auch eine Bar aus dem abgerissenen Palast der Republik noch Karriere machen.
    Der Gebäudekomplex in der Nalepastraße steht unter Denkmalschutz.
    Der Gebäudekomplex in der Nalepastraße steht unter Denkmalschutz.© imago / Jürgen Ritter
    Die Kultur- und Kreativwirtschaft hat das Potenzial des historischen Ensembles entdeckt. Neugierige Besucherinnen und Besucher sollen künftig mit einer Art Shuttleservice aus der City abgeholt werden - auf dem Wasserweg, der Spree entlang. Dafür hat der Investor mal eben eine Reederei mit 17 großen Touristenschiffen gekauft.
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