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Elektronische Welten / Archiv | Beitrag vom 23.12.2010

Ein Baukasten voll Kreativität

Low-Budget-Computerspiel wird zum Renner

Von Agnes Bührig

Das Spiel "Minecraft" erfreut sich bei PC-Spielern großer Beliebtheit.  (AP)
Das Spiel "Minecraft" erfreut sich bei PC-Spielern großer Beliebtheit. (AP)

Spieleprogrammierer Markus Persson aus Schweden macht mit "Minecraft" derzeit im Internet Furore, mehr als zwei Millionen Anwender hat das Spiel bereits. Und das, obwohl es sich noch im Teststadium befindet und für die Programmierung kein Riesenbudget zur Verfügung stand.

Markus Persson erinnert ein bisschen an einen gemütlichen Fernsehkommissar aus den 70ern: Schlapphut, langer Mantel, Bart. Doch sein Arbeitsplatz ist keinesfalls ein aufgeräumtes Büro. In einem Altbau im Kreativviertel Södermalm hat er mit seiner neu gegründeten Firma Mojang ein paar Räume angemietet. Ein halbes Dutzend junger Programmierer drängt sich um zwei Reihen Bildschirme, Elektrosmog nicht ausgeschlossen.

"Es ist cool, seinen eigenen Arbeitsplatz gestalten zu können, aber ich will nicht Chef sein sondern Spieldesigner und -programmierer. Für die Leitungsaufgaben stelle ich Personal an. Als Eigentümer einer Aktiengesellschaft müsste ich daran interessiert sein, groß zu werden. Aber das ist nicht mein Ziel. Ich möchte nicht mehr als zehn bis zwölf Mitarbeiter haben. Ich möchte, dass wir alle weiterhin Spiele entwickeln und zwar die, die wir selber gern spielen."

Markus Persson ist auf dem Teppich geblieben, obwohl sich sein Computerspiel inzwischen eine dreiviertel Million mal verkauft hat. Knapp zehn Euro kostet die Alphaversion, die derzeit auf dem Markt ist, erzählt der Schwede während er in maschinengleicher Geschwindigkeit mit seiner unbeschrifteten Tastatur an kleinen Änderungen des Spiels arbeitet.

Auf den beiden riesigen Bildschirmen an seinem Arbeitsplatz hat er seine eigene Minecraftversion geöffnet. Eine virtuelle Welt mit Strand, Bergen und Sonnenauf- und -untergang, eckig gebaut aus unzähligen Steinen, die an Lego erinnern. Der Spieler muss sie erkunden und sich in ihr einrichten, um sein Überleben zu sichern.

Im Untergrund liegen Bodenschätze. Persson lenkt seine Abenteurerfigur in ein Labyrinth aus kantigen grauen Steinen. An der Oberfläche ein Schrebergarten, um den klobige Schweinchen mit lustigen viereckigen Stampfebeinchen hüpfen. Persson klickt eine virtuelle Werkzeugkiste auf und baut sich eine Axt:

"Man überlegt sich vorher, was man braucht und gibt das in der Werkzeugkiste vor. Hier habe ich zum Beispiel gerade ein Brot gebacken, indem ich drei Getreidehalme aus dem Schrebergarten zu der Arbeitsstation getragen und nebeneinander gelegt habe. So ist ein Brotlaib dabei herausgekommen."

Minecraft ist ein Phänomen. Wo sonst riesige Grafikabteilungen Wochen und Monate an durchgestylten Datenwelten feilen, wie beim jüngst erschienenen World of Warcraft Cataclysm kommt Markus Persson mit einem kantigen Retro-Look aus. Das Spiel hat weder eine vorgegebene Handlung noch den Zwang, durch hohe Punktzahlen zum Sieg zu kommen. Dafür kann man seiner Kreativität freien Lauf lassen. Das zieht viele Spieler an. Doch auch die Offenheit des Programmierers spielt eine Rolle, vermutet Martin Lindell vom Verband der Computerspielbranche:

"Das Besondere bei Minecraft ist wohl, dass es zum Thema in der Spielecommunity im Internet geworden ist. Die Leute, die das spielen, bauen alles Mögliche. Jeder kann in seinem eigenen Maßstab tätig werden, ob es nun ein Raumschiff wird oder was auch immer. Über Youtube tauschen sich die Anwender dann aus und schicken sich Links, wo man die Werke bestaunen kann. Das ist wie eine Welle, die immer größer wird."

Auszug Youtube-Video:

."..das war ganz lustig, das ganze Ding auszugraben, weil man musste immer zwei Felder in jede Richtung graben…"

Anwender Gronkh erklärt in seinem Video die Bauanleitung für einen Eisenbahntunnel: Unten die Schienen, links und rechts eine Gittereinrahmung, dahinter fließt gefährliche Lava. In einem anderen Video kann man auf einem schmalen Pfad im Weltraum um eine virtuelle Erdkugel spazieren. Markus Persson:

"Als Kind habe ich sehr viel mit Lego gespielt. Das war keine bewusste Inspiration für Minecraft, da waren andere Computerspiele wichtiger. Von Dwarf Fortress zum Beispiel habe ich die Regel übernommen, Stoffe zu sammeln, aus denen sich etwas bauen lässt. Das Spiel ist aber ziemlich kompliziert, da muss eine Schar von Zwergen ein Fort bauen. Ich wollte ein ähnliches Spiel machen, aber auf meine Weise."

Weil er sich in letzter Zeit vor allem um seine Firmengründung kümmern musste, ist er nicht mehr so viel zum Programmieren gekommen, sagt Markus Persson und macht sich an den Quellencode von Minecraft, um ein Problem zu lösen: Beim Öffnen einer Kiste läuft Lava aus einem Eimer, den die Spielfigur in der Hand hat. Wann das Spiel fix und fertig ist, kann der 31-Jährige allerdings nicht sagen:

"Die Alpha- und Betaversion verstehe ich als ein Versprechen, dass noch mehr kommt. Es sind noch keine fertigen Versionen. Wenn in Kürze die Betaversion auf den Markt kommt, werden da weniger Programmierungsfehler drin sein, das Spiel ist dann noch besser getestet."

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